Fachkräfte: SPÖ gegen Verschärfung der Zumutbarkeitsbestimmungen

2. März 2007, 14:03
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Missethon will über Zumutbarkeitsbestimmungen reden - BZÖ: Völliges Durcheinander - ÖGB und AK will Bedarf mit Österreichern decken

Wien (APA) - Der Vorschlag von ÖVP-Generalsekretär Hannes Missethon, im Zuge der Diskussion um den Fachkräftemangel auch über die Zumutbarkeitsbestimmungen zu reden, stößt auf wenig Verständnis. Im Namen des Koalitionspartners SPÖ deponierte Bundesgeschäftsführer Josef Kalina ein klares Nein. Die Arbeitnehmervertreter ÖGB und AK appellierten neuerlich an die Regierung, den Bedarf mit heimischen Fachkräften zu decken.

Kalina: "Kombination von Verschlechterungen"

Kalina bewertete in SPÖ-Pressedienst die Forderung von Missethon als "eine Kombination von Verschlechterungen": "Die ÖVP will die Grenzen öffnen und so mit billigen Arbeitskräften den österreichischen Arbeitsmarkt weiter unter Druck setzten. Und zugleich plant sie Zwangsmaßnahmen für Arbeitslose, statt ihnen mit ordentlichen Qualifizierungen und einer Mobilitätsprämie die Arbeitssuche zu erleichtern." Das gemeinsame Ziel der Regierung sollte es sein, alles zu tun, um die Rekordarbeitslosigkeit zu senken.

BZÖ gegen "Import von ausländischen Arbeitskräften"

BZÖ-Generalsekretär Gerald Grosz bezeichnete die neuerliche Auseinandersetzung zwischen den Regierungsparteien als ein "völliges Durcheinander". Das BZÖ lehnt den "Import von ausländischen Arbeitskräften" strikt ab und forderte die Privatisierung des AMS.

ÖGB: "Fachkräftemangel ist reine Fiktion"

Zu Wort gemeldet haben sich auch Arbeiterkammer (AK) und Gewerkschaftsbund (ÖGB): "Der angebliche Fachkräftemangel ist eine reine Fiktion, und der Bedarf an Fachkräften kann mit dem bereits zur Verfügung stehenden Instrumentarium vollkommen abgedeckt werden. Es muss nur auch angewandt werden", meinte der Leitende Sekretär des ÖGB, Richard Leutner.

Den rund 84.600 Arbeitslosen mit Lehrabschluss und Meisterprüfung im Jahre 2006 standen nur wenige Tausend gemeldete offene Stellen gegenüber. Für die rund 18.500 Lehrstellensuchenden im Jänner 2007 gab es lediglich knapp 3.000 gemeldete offene Lehrstellen. Leutner: "Wer angesichts dieser Zahlen von einem Mangel spricht, hat was Anderes im Sinne. Daher könnte es auch für die Wirtschaft fatal sein, den Fachkräftebedarf mit ausländischen Arbeitskräften zu decken."

AK: "Falscher Weg"

"Wenn Unternehmen Arbeitskräfte mit bestimmten Qualifikationen suchen, ist es selbstverständlich, diesen Bedarf zu decken. Aber vorschnell zur Anheuerung ausländischer Fachkräfte zu greifen, ist der falsche Weg", sagte Christoph Klein, Bereichsleiter für Soziales in der AK Wien. Laut AK sitzen 11.000 Facharbeiter mit Lehrabschluss in einem Metallberuf auf der Wartebank. "Mit der Anwerbung ausländischer Metallarbeiter erklärt man diese 11.000 Menschen taxfrei für arbeitsunfähig", kritisierte Klein. (APA)

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