Nachhaltig gemeinsam dissertieren

27. Februar 2007, 20:55
posten

Auch hierzulande entstehen vermehrt Doktoratskollegs, unter anderem an der Universität für Bodenkultur

Doktoranden sind eigentlich einsame Menschen. Meistens besprechen sie sich nur mit Professoren, sonst gibt es kaum Auseinandersetzung über ihr Thema und ihre Dissertationsvorbereitungen. In Deutschland gibt es schon seit einiger Zeit Graduiertenkollegs, in denen mehrere Doktoranden gemeinsam mit mehreren Lehrenden arbeiten. Zwanzig Prozent der Dissertationen werden so abgewickelt.

In Österreich gehen die Uhren zwar etwas langsamer. Immerhin wurden aber bereits dreizehn Doktoratskollegs vom Wissenschaftsfonds FWF bewilligt.

An der Universität für Bodenkultur (Boku) startet am 5. März das Doktoratskolleg "Nachhaltige Entwicklung", das nicht vom FWF, sondern vom Forschungsprogramm proVISION des Wissenschaftsministeriums (BMWF), vom Landwirtschaftsministerium (BMJFUW) und von den Ländern Wien, Niederösterreich und Steiermark finanziert wurde. Aus 200 "brauchbaren" Bewerbungen, die sich bis 24. November 2006 über die Website beworben haben, wurden fünfzehn Doktoranden ausgewählt, die dank der Finanzierung teilnehmen können - zwei brachten ihre eigene Finanzierung mit. Die Teilnehmer kommen aus Österreich, Deutschland und Italien.

Andreas Muhar von Institut für Landschaftsentwicklung, Erholungs- und Naturschutzplanung der Boku leitet das Kolleg. Er glaubt, mit dieser "Einrichtung" sei die "Einzelhaft der Doktoranden" beendet. Die Besonderheit von "nachhaltiger Entwicklung" sei die Transdisziplinarität. Was das in diesem Fall bedeutet? Die Studenten arbeiten mit "Menschen, in deren Lebenswelt die Frage der Nachhaltigkeit reinspielt". Das können also Landwirte, aber auch Industriebetriebe sein. Das Kolleg läuft über drei Jahre bzw. sechs Semester mit einer jährlichen Evaluation des Forschungsfortschritts.

Ziel ist der Abschluss des Doktoratsstudiums im Jänner 2010. Für Muhar könnte die nächste Phase die Integration des Kollegs in ein europäisches Projekt sein. Da gilt es aber Sprachbarrieren zu überwinden. Derzeit müssen alle Teilnehmer deutschsprachig sein, weil die Forschungsarbeiten in Österreich umgesetzt werden - was bei einem zukünftigen europäischen Doktoratskolleg vermutlich nicht der Fall sein kann. (Peter Illetschko/DER STANDARD, Printausgabe, 28. Februar 2007)

  • Um die inhaltliche Auseinandersetzung in der Gruppe zu fördern, entstand auch an der Universität für Bodenkultur ein Doktoratskolleg.
    foto: der standard/fischer

    Um die inhaltliche Auseinandersetzung in der Gruppe zu fördern, entstand auch an der Universität für Bodenkultur ein Doktoratskolleg.

Share if you care.