Die dreieiigen Drillinge

1. März 2007, 17:00
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Drei gleiche Eisen, die unterschiedlicher nicht sein könnten präsentiert BMW heuer - Die Hard-Enduro breitete Guido Gluschitsch schon aus

Ein Desaster. BMW lädt zur Präsentation in Faro und ich kann nicht hin. Ich bin beim Standard zum Stiegenhaus aufwischen eingeteilt und niemand will mit mir den Dienst tauschen. Also was tun? Bleibt nur eines: Sulzi anrufen. 

Der kann nicht nur fotografieren, sondern auch noch weit besser Motorrad fahren als ich – was jetzt nicht unbedingt was heißen muss. Aber Xchallenge, Xcountry und Xmoto sind für den Profi-Offroader und SuperMoto-Besitzer ja quasi ein Heimspiel. Mir bricht es das Herz, aber was soll ich machen?

So setzt sich Sulzi in den Flieger, während ich mit aufgeschundenen Knien und Händen für eine saubere Grundlage einer Qualitätszeitung sorge. Was der Sulzi nach seiner Rückkehr erzählte, ließ mich vom Bodenfetzen abbeißen.

Er schwärmte vom Rotax-Motor. Kann man nicht umbringen, das Teil, meint er. Serviceintervall von 10.000 km, sagt er, der Sulzi. 650 Kubik. Einzylinder. 53 Pferderln. Perfekt. Die deutsche LC4, sagt er, der Sulzi, nach dem dritten LC4-BMW-Vergleichs-Anlauf. Und dass ich das nicht schreiben darf, hat er gemeint, der Sulzi.

Zuerst ist der Sulzi mit der Streetmoto G 650 Xmoto ausgeritten. Von einem schweren Gemetzel in den Straßen von Faro hat er mir erzählt, der Sulzi. Geht g’schmeidig um jedes Eck. Ganz einfach, ohne Gewalt. Eine Gewalt soll aber vor allem die Vorderbremse sein. Sehr gut zu dosieren und perfektes Feedback.

Das Einzige, wegen dem er ein bisserl herumgemosert hat, der Sulzi, war, wie soll ich sagen? Auf der Xmoto sitzt man sehr weit vorne. Und wenn man so unbeherrscht anbremst wie der Sulzi, dann trällert man nach der Ausfahrt unter der Dusche eine Oktave höher.

Auch von der Scrambler G 650 Xcountry ist der Sulzi ganz begeistert. Soll ein feines Eisen sein. Und schimpfen kann man ja über keines der drei Eisen, sagt der Sulzi. Aber zum Straßenkünstler ist er nur mit der Xcountry geworden. Maler nämlich. Am Kurvenausgang hat er hübsche schwarze Striche gezeichnet, was vor allem die Piloten hinter ihm sehr amüsierte.

Wieder das Gleiche und trotzdem abermals ein vollkommen anderes Radl ist die Hard-Enduro G 650 Xchallenge. Draufsetzen und sportlich unterwegs sein, sagt der Sulzi. Selbst wenn man noch keine Erfahrung auf losem Untergrund hat. Mit der tät sogar ich zusammenkommen, meint der Sulzi.

Und ein bisserl leid tut es ihm, dass das Fahrwerk nicht gleich auf ihn eingestellt war. Vor allem deswegen, weil er es eh ganz schnell hätte machen können. Weil den Luftdämpfer hinten, den ich schon von der HP2 kenne, hat man ja schnell justiert. Einfach ein bisserl Luft raus, bis die Libelle auf der Seite meint, dass die BMW in der Waage steht. Oder eben Luft rein, wenn man nicht die Modellfigur eines Sulzi hat.

Aber selbst das körperliche Leichtgewicht Sulzi, das ja nicht gerade viel Druck im Dämpfer braucht, sagt, dass man die Xchallenge nur mit viel Gewalt dazu bringt, durchzuschlagen. Und so, wie der Sulzi fährt, soll das was heißen.

Jetzt war ich natürlich am Boden zerstört. Die Hände offen vom scharfen Putzmittel, Tränen in den Augen, weil ich da wirklich was versäumt habe – und weil ich mir mit den Fingern in die Augen gefahren bin. Ich hab den Lechner Joe angerufen. Er ist der Einzige, der jetzt wohl versteht, was ich durchmache, dachte ich. Der Joe verstand aber gar nichts. Mein Geraunze ging ihm so auf die Nerven, dass er mir anbot, doch mit seiner Xchallenge eine Runde zu drehen. Das linderte meinen Schmerz schon deutlich.

Schöne Niederlage

Wenige Tage später stand ich mit der G 650 Xchallenge in der Schottergrube. Die BMW ist schon ein mächtiges Gerät. Der Eindruck beim Aufsteigen ist ganz einfach zu definieren: "BMW". Eindeutig. Sie wirkt am Stand ein wenig schwerfällig und breit. Aber wehe, die Räder drehen sich. Über eine BMW kann man halt nicht schimpfen. Und den Titel Hard-Enduro hat sich die Xchallenge wahrlich verdient.

Sogar auf der MotoCross-Strecke machte die 650er eine gute Figur und ich konnte manchmal sogar ein paar Sekunden an den anderen Fahrern dranbleiben. Aber selbst ein geübter Fahrer wird die BMW nicht leicht, wenn überhaupt an ihre Grenzen bringen.

Besser als beim Fahren bin ich aber wieder einmal beim Stürzen gewesen. Es war zwar nicht leicht, die BMW so hinzulegen, dass auch gleich die Kette runterspringt, aber ich hab es geschafft. Eine reife Leistung. Geht aber nur mit einer BMW ohne Kardanantrieb.

Der Joe hat es aber gleich wieder gerichtet. Und ich glaub, er hat mir den Vogel gezeigt, bevor er sich auf die Xchallenge setzte und zeigte, wie hoch man damit springen kann und wie schnell man damit Anlieger nimmt. Einfach wie man sie bewegt, wenn man es kann.

Ein wilder Hund, der Joe. Ein arges Eisen, die Xchallenge. Und man darf gespannt sein, denn vermutlich wird die BMW auch bei Joe Lechners Lady’s Day eingesetzt werden. Da werden dann die Mädels eine Freud haben und die Buben ein Schnoferl ziehen. (Text: Guido Gluschitsch, Fotos: Martin Sulzbacher, Karl Katoch, BMW, derStandard.at, 1.3.2007)

  • Sulzi gab sich rüde BMWs in Faro. Gluschitsch die G 650 Xchallenge in der Schottergrube. Kurzum: der Standard.at allerorten.
    foto: martin sulzbacher

    Sulzi gab sich rüde BMWs in Faro. Gluschitsch die G 650 Xchallenge in der Schottergrube. Kurzum: der Standard.at allerorten.

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