Sie lachen, wenn man sie kitzelt

27. Februar 2007, 20:20
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Der weltbekannte Primatenforscher Frans de Waal im STANDARD-Interview über den Unterschied zwischen Menschenaffe und Mensch

Der weltbekannte niederländische Primatenforscher und Buchautor Frans de Waal über den Unterschied zwischen Menschenaffe und Mensch und den Humor bei Tieren. Susanne Strnadl sprach mit ihm.

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STANDARD: Wollten Sie eigentlich immer schon mit Menschenaffen arbeiten oder haben Sie mit einer anderen Art angefangen?

De Waal: Ich wollte jedenfalls immer mit Tieren arbeiten. Angefangen habe ich mit Vögeln und Ratten - die Menschenaffen wurden es mehr oder weniger zufällig, weil eine Stelle frei wurde.

STANDARD: Was ist für Sie der wichtigste Unterschied zwischen Menschenaffen und Menschen?

De Waal: Abstraktion und Sprache. Beides gibt es bei den Menschenaffen auch im Ansatz: In puncto Abstraktion können sie Objekte kategorisieren, Symbole lernen und dergleichen, und was die Sprache betrifft, lassen sie sich auf Gebärdensprache und Kommunikation mit Symbolen trainieren.

Die menschliche Sprache jedoch beeinflusst alles, was wir tun - allein die Weitergabe von Wissen wird dadurch so viel effektiver. Ohne Sprache gehen die Dinge nie über ein gewisses Niveau. Was die basale Psychologie angeht, sind uns die Menschenaffen ähnlich.

STANDARD: Gibt es eine kognitive Fähigkeit, die bei Tieren überhaupt nicht existiert?

De Waal: Die Geschichte ist geprägt von Behauptungen: Jemand behauptet, die Tiere könnten das oder jenes nicht, und ein paar Jahre später stellt sich heraus, dass das falsch ist. Es gibt ein heftiges Bestreben, den Menschen einzigartig zu machen. Dafür werden auch die Spielregeln ständig geändert: Zuerst hieß es, nur Menschen könnten symbolisch kommunizieren - als klar wurde, dass das auch Menschenaffen können, hieß es, das Wichtige sei die Syntax.

STANDARD: Hat man Humor bei Tieren gefunden?

De Waal: Junge Schimpansen lachen, wenn man sie kitzelt. Solches Lachen gibt es auch bei anderen Menschenaffen. Im Arnheimer Zoo hat sich ein Kollege von mir einmal eine Gorilla-Maske aufgesetzt und sich im Gorilla-Gehege hinter einem Baum versteckt, was die Gorillas sehr aufgeregt hat. Dann ist er hinter dem Baum hervorgekommen und hat sich die Maske abgenommen - und ein ranghohes altes Weibchen hat gelacht. Sie hat die Situation komisch gefunden.

STANDARD: Und wie sieht es mit Empathie bei Tieren aus?

De Waal: Viele Tiere sind dazu befähigt, sonst hätten mehr Leute einen Leguan zu Hause statt einer Katze oder eines Hundes. Der ist leicht zu halten, aber er freut sich nicht mit Ihnen und ist nicht traurig, wenn Sie es sind. Wir wollen uns in Zukunft verstärkt mit Empathie beschäftigen. (DER STANDARD, Printausgabe, 28. Februar 2007)

Zur Person
Der Niederländer Frans de Waal (58) ist Zoologe, Verhaltensforscher und Buchautor ("Der Affe in uns").
  • Der Zoologe und Verhaltensforscher Frans de Waal.
    foto: der standard

    Der Zoologe und Verhaltensforscher Frans de Waal.

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