Endstation Ausverkauf

28. März 2007, 14:58
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Die jüngsten ÖBB-Liegenschaftsverkäufe lassen in den Augen vieler Immobilien-Spezialisten Euro-Zeichen aufleuchten - Von Luise Ungerboeck

Ein Schlösschen und 8000 Quadratmeter Grund im Zentrum von Linz um schlanke 750.000 Euro, ein Gründerzeithaus nächst des zum trendigen Stadterweiterungsgebiet hochstilisierten Nordbahnhofgeländes um elf Millionen Euro und ein Gründerzeitpalais nächst der Wiener Karlskirche um wohlfeile 25 Millionen Euro - was die Österreichische Bundesbahn jüngst an Liegenschaftsverkäufen "zum Bestpreis" über die Bühne gebracht hat, lässt in den Augen vieler Immobilienspezialisten Euro-Zeichen aufleuchten.

Selbst unter den mit den Deals befassten hohen ÖBB-Funktionären soll es einige geben, die bereits Pläne gewälzt haben, die eine oder andere Nobel-Immobilie in Top-Innenstadtlage auf eigene Kosten zu erwerben, herzurichten und dann mit einem ordentlichen Aufschlag weiterzuverkaufen. Scherzhaft, versteht sich, denn die meisten der überwiegend nach dem Zweiten Weltkrieg verstaatlichten und dann der Bundesbahn zugeschlagenen Immobilien sind ziemlich heruntergekommen. Wer sie kauft, braucht finanziellen Atem, denn er muss in die desolaten Häuser ordentlich hineinbuttern, sie mit moderner Infrastruktur ausstatten und dabei die strengen Auflagen des Denkmalschutzamts penibel einhalten. Ist das geschafft, können die Früchte des Investments geerntet werden.

Das Risiko dabei dürfte dennoch überschaubar sein. Der doppelte Buchwert als Kaufpreis - das sind "keine Häuser", wie man in Wien zu sagen pflegt. Den sollte ein halbwegs seriöser Käufer bei Weiterverkauf oder Vermietung locker einspielen können, insbesondere in der Innenstadt, wo Büromieten tendenziell steigen statt sinken.

Als Steuerzahler ist es gut zu wissen, dass sich nun der Rechnungshof dieser Deals angenommen hat. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.2.2007)

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