Henkel schwimmt gegen den Strom

22. März 2007, 15:24
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Konsumgüterkonzern baut Standort Österreich aus - Rekordjahr, aber viele Barrieren

Wien - Henkel stärkt den Standort Österreich. Der Konsumgüterkonzern hat im Vorjahr 16 Mio. Euro in seine Wiener Produktion investiert. Heuer wird noch einmal um 16 Mio. Euro ausgebaut. Das Werk erhöhte die Herstellung von Waschmitteln wie Persil, Silan, Somat und Weißer Riese in den vergangenen sechs Jahren um 160 Prozent auf 172.000 Tonnen. Und bis Jahresende sollen es mehr als 200.000 Tonnen sein. Der überwiegende Teil geht in den Export.

Henkel fühlt sich in Wien dennoch schaumgebremst und übt scharfe Kritik an den limitierten Kontingenten für Fachkräfte aus Osteuropa. Der Konzern bildet angehende Manager für Ost-Standorte in Wien aus - oft nur für ein halbes Jahr - und werde dabei behindert, sagt Günter Thumser, Präsident von Henkel CEE. "Es geht hier nicht um billige Arbeitskräfte."

Quotenregelung und Einkommensgrenzen erlauben wenig Flexibilität, sagt Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung Sozialpolitik in der Wirtschaftskammer, dem STANDARD. "Quoten waren vor fünf bis zehn Jahren verständlich, heute sind sie nicht mehr nachvollziehbar."

Aufholbedarf

Starken Aufholbedarf sieht Thumser auch bei der Infrastrukturanbindung in den Osten. Dass der Lobau-Tunnel erst in acht Jahren fertiggestellt werden soll, sei untragbar. Henkel werde deswegen in Wien nicht zusperren, neue Investitionen aber deutlich zurückfahren.

Henkel schwimmt mit Rekordumsätzen dennoch gegen den Strom. Die Zentrale in Wien steuert neben Österreich die Aktivitäten in 17 Ost-Ländern mit 26 Produktionen. 8800 Mitarbeiter erhöhten den Umsatz im Vorjahr um 40 Prozent auf 1,881 Mrd. Euro. Das organische Wachstum betrug 18 Prozent, der Gewinn sei auf über 200 Mio. Euro gestiegen. Waschmittel sorgten für 44 Prozent, Kosmetik für 14, Klebstoffe für 23 Prozent des Geschäfts. Heuer fließen 160 Mio. Euro in Kapazitätsausbau, sechs neue Werke entstehen. Ein Westeuropäer gebe jährlich im Schnitt 15,6 Euro für Waschmittel aus, ein Osteuropäer 4,2 Euro, rechnete Thumser vor. Das bedeute starke Umsatzchancen.

In Österreich ist Henkel 2006 mit 885 Mitarbeitern um sechs Prozent gewachsen und übernahm eine Klebstoff-Fertigung in Ebensee. Die Sparte sei international "das stärkste Pferd im Stall". Im Reinen ist der Konzern aber auch mit seinen Waschmittel-Marken. Der Vormarsch der Handelsmarken sei gestoppt. (vk, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.2.2007)

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