Bahnhof für Rumpold

20. März 2007, 17:00
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ÖBB-Immobilien gehen weg wie die warme Semmeln. Beste Chancen auf den Zu­schlag für den Bahnhof Bad Hall hat die Firma SorexPro, an der der BZÖ-Werber beteiligt ist

Wien - Die Serie der ÖBB-Immobilienverkäufe geht weiter. Nach dem Poschacher Schlössl in Linz, dem aus der Gründerzeit stammenden Direktionsgebäude in der Wiener Nordbahnstraße und dem Innenstadtpalais in der Friedrichstraße nächst der Staatsoper wechselt demnächst der Bahnhof in Bad Hall in Oberösterreich den Besitzer.

Beschluss im Dezember

Wie aus einer ÖBB-internen Aufstellung hervorgeht, die dem STANDARD vorliegt, hat der Aufsichtsrat der ÖBB-Infrastruktur Bau AG in einer außerordentlichen Sitzung am 11. Dezember 2006 den Verkauf einer Reihe von Liegenschaften beschlossen. Darunter die "Grundverwertung des Bahnhofsareals nach dauernder Einstellung der Strecke Rohr-Bad Hall". Ein möglicher Käufer für das zirka 27.000 m2 große Areal ist gefunden: die SorexPro Projektentwicklung GmbH in Wien.

Pikantes Detail: An dieser Gesellschaft ist laut aktuellem Firmenbuchauszug BZÖ-Werber Gernot Rumpold mit 34 Prozent beteiligt, ein weiteres Drittel hält Karlheinz Langwieser (dem in BZÖ-FPÖ-Kreisen gute Iran-Connections nachgesagt werden). Den Rest hält der in Kronstorf gemeldete Kurt Zisser. Der Kaufpreis, den sich die ÖBB erwarten dürfen: 1,2 Millionen Euro.

"Kuvert-Runde"

Fix in der Tasche hat Rumpolds Firma die im Zentrum von Bad Hall gelegene Liegenschaft freilich doch noch nicht. Denn der ÖBB-Aufsichtsrat hat sich im Dezember kurzfristig entschlossen, noch weiter zu verhandeln, um doch mehr als die gebotenen 44 Euro pro m2 herauszuschinden. SorexPro sei im Juni 2006 zwar der Bestbieter gewesen, sagt ein ÖBB-Sprecher, es sei aber überraschend ein zweiter Bieter aufgetreten. Daher habe man sich entschlossen, eine "Kuvert-Runde" durchzuführen, bei der Interessenten ihre verbindlichen Letztgebote in Kuverts verschlossen bei einem Notar deponieren. Die Frist dafür laufe Ende nächster Woche ab, dann wisse man, wer Bestbieter sei. Und: Es gebe zwei Bieter, die beim Kaufpreis bisher sehr nah beieinander gelegen seien.

Dass der bisher ermittelte Verkaufspreis von 44 Euro pro m2 eine Mezzie für einen der ehemaligen Regierungspartei BZÖ und damit dem für die ÖBB als Eigentümervertreter zuständigen Ex-Vizekanzler Hubert Gorbach Nahestehenden sei, bestreitet der ÖBB-Sprecher. Der Konzern verkaufe nicht betriebsnotwendige Immobilien grundsätzlich nur, wenn sich Erhaltung oder Eigenentwicklung für die ÖBB nicht rechneten und außerdem nur zum Bestpreis.

Das gelte auch für den ehemaligen Frachtenbahnhof in Innsbruck und das frühere Postamtsgebäude in der Maria-Theresien-Straße, deren Veräußerung auch im Dezember beschlossen wurde. Dass dieser Verkauf von ÖBB-Infra-Bauvorstand Gilbert Trattner vermittelt wurde, wie in hohen ÖBB-Kreisen gemunkelt wird, bestreitet der ÖBB-Sprecher. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.2.2007)

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    Eisenbahn spielen will BZÖ-Werber Gernot Rumpold nicht. Dennoch könnte ihm über die Firma SorexPro schon bald der Bahnhof Bad Hall gehören, den die ÖBB verkaufen will.

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