Wien: Schon 2006 waren soviele Banküberfälle wie noch nie

19. März 2007, 19:28
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Heuer haben sich die Überfälle bereits in den ersten beiden Monaten verdoppelt

Schon 2006 war ein Rekordjahr. Mit modernerer Technik, mehr Streifen und architektonisch-psychologischen Tricks versuchen Banken und Polizei gegenzusteuern.

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Wie ernst die Lage auf dem Sicherheitssektor ist, zeigt sich daran, dass schon Seminare angeboten werden, um Bankangestellte darauf vorzubereiten: 2000 Euro pro Tag kostet beispielsweise ein "Sicherheitstraining", das auch Gedächtnistraining für bessere Täterbeschreibungen und einen simulierten Überfall in einer Bankfiliale beinhaltet. 14-mal hat sich in den bisherigen 58 Tagen des Jahres 2007 diese Übungsannahme in Wien schon in den Ernstfall verwandelt, durchschnittlich alle vier Tage erschien somit in der Bundeshauptstadt ein Räuber vor dem Geldschalter.

Wobei dieses Sprachbild nicht mehr ganz stimmig ist, gehen die Geldinstitute doch mehr und mehr dazu über, die Schalter abzuschaffen – auch aus Sicherheitsgründen. Stattdessen setzen einige Konzerne auf eine offene Foyergestaltung mit "Beratertischen", um Täter zu verwirren. Tatsächlich gab es Fälle, wo Verdächtige einen derart offenen Raum betraten, sich umsahen und offenbar verunsichert wurden, weil sie nicht erkennen konnten, wo das Geld zu holen ist. Die Folge: Sie verließen die Bank wieder.

Solche bauliche Maßnahmen liegen im Ermessen der einzelnen Bankgruppen und werden im Rahmen ohnehin geplanter Umbauten durchgeführt. Andere Sicherheitsmaßnahmen werden rascher umgesetzt und auch von der Polizei immer wieder propagiert. Die in Wien keinen ganz leichten Stand hat: Seit 2004 stagniert die Zahl der Delikte mit jährlich mehr als 65 Fällen auf hohem Niveau – und die ersten beiden Monate des Jahres brachten eine neuerliche Verdoppelung. Über die Hälfte aller österreichischen Bank- und Postamtsüberfälle spielen sich in Wien ab.

Erfolglose Gipfel

Bei mehreren so genannten Sicherheitsgipfeln versuchten Exekutive und Banken daher schon, zu einer Verbesserung der Sicherheitssituation zu kommen. Mit eher mäßigem Erfolg. Zuletzt kündigte der amtsführende Wiener Landespolizeikommandant Karl Mahrer Ende Oktober bei den Österreichischen Sicherheitstagen in Leogang verschärfte Maßnahmen an. Dazu gehören nicht nur verstärkte Streifendienste uniformierter Polizisten, sondern auch schärfere, digitale Überwachungskameras, um Fahndungen rascher unterstützen zu können.

Nicht durchgesetzt haben sich dagegen die aus Italien bekannten Schleusen im Eingangsbereich. Erstens ist bei diesen die Gefahr größer, dass ein Täter zurück in die Bank geht und Geiseln nimmt. Und zweitens bringen sie wenig, wie Gerald Hesztera, Sprecher des Bundeskriminalamtes, weiß: Denn alleine in Mailand liege die Zahl der Banküberfälle bei mehreren hundert pro Jahr.

Hierzulande sind rund 80 Prozent der Täter "Amateure", die sich wenig Gedanken über den Ablauf machen, was zu gefährlichen Eskalationen führen kann. Während Profis Tatort, Kundenfrequenz und Fluchtmöglichkeiten im Voraus auskundschaften und für den eigentlichen Überfall nur 30 Sekunden brauchen, sind Laien spontaner und marschieren teilweise in die nächstbeste Filiale.

In nicht allzu ferner Zukunft könnten die Laien dann echte Probleme bekommen. Denn die derzeit verwendeten Alarmpakete, die mit einer Farbwolke explodieren, sollen von in einzelnen Banknoten verborgene GPS-Sender abgelöst werden, die den Standort des geraubten Geldes auf Knopfdruck verraten. (Michael Möseneder, DER STANDARD - Printausgabe, 28. Februar 2007)

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