Blasklänge aus Madagaskar

6. März 2007, 14:31
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Otto Lechner und Régis Gizavo eröffneten das 8. Internationale Akkordeonfestival

Wien - Noch sicherer als das Amen im Gebet, nämlich so unausweichlich wie Otto Lechners Geburtstag, pflegt seit dem Jahr 2000 das Akkordeonfestival über Wien hereinzubrechen.

Was insofern nicht ganz verwundert, als Friedl Preisl, der Gründer und Organisator, das Event um den längst nicht nur zwischen Melk und Wien weltberühmten Meister des klingenden Blasbalgs herum choreografiert hat. Mittlerweile ist das Akkordeonfestival das größte seiner Art auf dieser weiten Welt, und die weite Welt, sie ist beim Akkordeonfestival zu Gast: Etwa in Gestalt von Meister Régis Gizavo aus Madagaskar, wo das Akkordeon in der Zeit der französischen Kolonialherrschaft zum Volksmusikinstrument avanciert ist - ja, auch ein bisschen Kulturgeschichte darf sein. Gizavo beehrte die Szene Wien mit einem All-Star-Quintett madagassischer Musiker (wie er großteils in Paris wohnhaft), um zu besingen, was man in Madagaskar so zu besingen hat: Gegen die volkssportartig grassierende Unsitte des Zebu-Rinder-Diebstahls etwa, für die Einheit des Landes, dessen unterschiedlichste Ethnien diverse Politiker gegeneinander auszuspielen versuchen, für Mutter Erde, die zurzeit - nicht nur in Madagaskar - vom Klimawandel ramponiert wird.

Musikalisch ergab dies dank Akkordeon und Gitarren ein stark europäisiertes Klangbild - so die Musiker ihr Treiben nicht gar in Richtung einer veritablen Cajun-Session lenkten. Spannend wurde es, wenn Gizavo in den - leider kurzen - Soli seine Improvisationskünste aufblitzen ließ, und wenn Justin Vali auf den traditionellen Zither-Instrumenten Madagaskars, der kastenartigen Marovany oder der 21-saitigen, aus einer Bambusröhre gefertigten Valiha, seine virtuosen Künste demonstrieren konnte.

Tags zuvor hatte man im Jugendstiltheater die standesgemäße "Lechneriade" anberaumt. Am Vorabend seines 43. Geburtstags intonierte Otto Lechner gemeinsam mit Violinist Toni Burger (etwas allzu) entschleunigte Walzer (um zuweilen mit Thelonious Monk'schen Dissonanzen aus der Lethargie zu reißen), zusammen mit Perkussionist João de Bruçó eigenkomponierte, trashige Lieder.

Zu fortgeschrittener Stunde fand der Abend in der ausdrucksstarken Stimme von Sängerin und Gitarristin Ljubinka Jokic noch zu seinem eigentlichen Höhepunkt.

Weitere Highlights: 28. 2. Roland Neuwirth & Marko Zivadinovic; 1. 3. Parne Gadje, 2. 3. Zamballarana, 3. 3. Attwenger; Info: 0676/512 91 04 (Andreas Felber/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28. 2. 2007)

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