Rauen zu "Schmiergeldklausel": "Das machen wir immer"

6. März 2007, 15:32
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Eurofighter Boss Rauen: Schmiergeldklausel "selbst­verständlich" - Beklagt im U-Ausschuss Unternehmens-Schädigung - Werber Rumpold will die Pflicht haben zu schweigen - Beugestrafe beantragt

Die so genannte Schmiergeldklausel ist für Rauen „selbst verständlich“. Man wolle ja nicht für Drittunternehmer die Hand ins Feuer legen. Auch die ÖVP findet das „normal“. Und Werber Gernot Rumpold will die Pflicht haben zu schweigen.

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Wien – Aloysius Rauen gibt es unmissverständlich zu verstehen: Er ist genervt. Und wenn er schon eine neuerliche, stundenlange Befragung vor dem Eurofighter-Untersuchungsausschuss über sich ergehen lassen muss, dann will der Boss der gleichnamigen Fliegerfirma zumindest eines: ungeteilte Aufmerksamkeit.

Andere erscheinen erst gar nicht vor dem U-Ausschuss. Der schweigsame EADS-Lobbyist Erhard Steininger etwa. Nach seinem letztem Auftritt hatte Steininger bereits eine Beugestrafe über 1000 Euro kassiert, diesmal befindet er sich dem Vernehmen nach im Ausland.

"Unternehmen bereits nachhaltig geschädigt"

Dabei: Eine Berufung auf das Geschäfts- und Betriebsgeheimnis ist laut Rauen heute bereits überflüssig. „Durch diesen Ausschuss ist unser Unternehmen bereits nachhaltig geschädigt worden“, ärgert sich der Eurofighter-Chef. Alle veröffentlichten Geschäftsdetails würden „von anderen Bewerbern bereits gegen uns verwendet“.

Also antwortet Rauen. Etwa auf die Frage von FP-Mandatar Ewald Stadler, was es mit der „Schmiergeldklausel“ auf sich hat. Dieser Passus besagt sinngemäß, dass der Eurofightervertrag nur dann nichtig ist, wenn EADS oder die Eurofighter GmbH Schmiergelder bezahlt hat. Wurde dies aber von Dritten gemacht, dann nicht.

"Das machen wir grundsätzlich immer"

Rauen rechtfertigt das folgendermaßen: „Das ist bei uns so selbstverständlich, das machen wir grundsätzlich immer.“ Dahinter stecke die Absicht, dass man bei solch großen Aufträgen nicht durch Drittunternehmer „in Schwierigkeiten“ geraten wolle. Auch VP-Abgeordnete Fekter findet da nichts dabei. Für sie ist eine solche Klausel „normal“. Dass dieser „zentrale Punkt“ zwischenzeitlich aus einer Vertragsversion herausgestrichen worden war, erklärt Rauen damit, dass die Verhandlungen zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen waren.

„Hausaufgaben“ von Stadler nimmt Rauen zudem nur widerwillig an – etwa jene, eine solche „Standardklausel“ doch zur Verfügung zu stellen. Oder jene, eine Gästeliste von der Vertragsabschlussparty in Langenlebarn zu besorgen. „Airchief“ Erich Wolf habe seinen Anteil an der umstrittenen Feier jedenfalls Anfang Februar beglichen.

Politische Kontakte

Nächstes Stichwort: Politische Kontakte. Jawohl, die seien bei der Auswahl von EADS-Beratern „immer ein Kriterium“, bestätigt Rauen. Und wie oft ist Rauen auf 100%-Communications-Chefin Erika Rumpold getroffen? Da gab es eine Pressekonferenz, ein gemeinsames Abendessen „und einen weiteren Termin im Zuge einer Roadshow“, zitiert Rauen seinen Terminplaner.

Was die 100-Prozent-Communications-Agentur für EADS und ihren direkten Auftraggeber Steininger genau gemacht hat und wofür der Werbeetat von 6,6 Millionen Euro ausgegeben wurde, wollten die Ausschussmitglieder an diesem Dienstag auch von Erika Rumpolds Ehemann, Ex-FP-Bundesgeschäftsführer und BZÖ-Wahlkampfwerber Gernot Rumpold wissen.

Rumpold verweigert Aussage

Der entschlug sich aber der Aussage mit dem Verweis auf das Geschäftsgeheimnis. Woraufhin die Abgeordneten bei Gericht eine Beugestrafe beantragten. Rumpold sagte lediglich, dass mit Sicherheit kein Eurofighter-Geld über ihn an die FPÖ geflossen sei. Doch die Zahlungsflüsse an die FPÖ müsste ohnehin Ewald Stadler kennen – was dieser bestritt.

Keine Aussage gab es auch zu 2,3 Millionen Euro, die sich Rumpold 2004 – wofür ist unbekannt – von seiner eigenen Werbeagentur aus den Rückstellungen auszahlen ließ. (Michael Bachner und Karin Moser, DER STANDARD, Printausgabe 28.2.2007)

  • Eurofighter-Boss Aloysius Rauen ist genervt. Die umstrittene Vertragspassage sei ja so was von „selbstverständlich“.
    foto: cremer

    Eurofighter-Boss Aloysius Rauen ist genervt. Die umstrittene Vertragspassage sei ja so was von „selbstverständlich“.

  • Für Maria Fekter (VP) ist die Schmiergeldklausel „normal“. Ganz Eurofighter-Fan, bringt sie gleich ein Modell mit.
    foto: cremer

    Für Maria Fekter (VP) ist die Schmiergeldklausel „normal“. Ganz Eurofighter-Fan, bringt sie gleich ein Modell mit.

  • Werber Gernot Rumpold will die Pflicht haben zu schweigen – was ihm einen Antrag auf Beugestrafe einbringt.
    foto: cremer

    Werber Gernot Rumpold will die Pflicht haben zu schweigen – was ihm einen Antrag auf Beugestrafe einbringt.

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