"Nachdenkpause für Koralmbahn"

20. März 2007, 17:00
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Beratungsunternehmen AT Kearney empfiehlt neue Prioritätenreihung - Priorität für Verkehrswege nach Osteuropa

Wien – Weil die Unzufriedenheit mit den aktuellen Ausbauplänen für Österreichs Verkehrsinfrastruktur bei heimischen Führungskräften steigt, hat sich Robert Kremlicka, Österreich-Chef des Beratungsunternehmen AT Kearney, zu einer ungewöhnlichen Maßnahme entschlossen: Er hat einen "Spickzettel für die Regierung" erstellt.

Selbiger enthält sieben Punkte, darunter durchaus unpopuläre Maßnahmen und jede Menge Ermahnungen, einen neuen "Infrastruktur-Masterplan" zu erstellen. Ein solcher sei dringend notwendig, "um die Wettbewerbskraft des Standorts Österreich zu verbessern", sagt Kremlicka im Gespräch mit dem STANDARD. Derzeit stelle der Generalverkehrsplan ein "unfinanzierbares Wunschkonzert" dar, das auch nicht den Bedürfnissen der Wirtschaft entspreche. Der Spickzettel enthält folgende Punkte:

  • Generalverkehrsplan 2006 mit realistischem Modal-Split und gesicherter Finanzierung;

  • Stärkung der Bundeskompetenz, insbesondere in der Raumordnung, um den EU-Transportachsen für Straße und Schiene entsprechende Korridore zugrunde zu legen;

  • Beschleunigung der Verkehrsinfrastrukturprojekte in Ostösterreich, insbesondere zwecks Anbindung an die EU-Nachbarn Tschechien und Slowakei, weil das Transportaufkommen im Ost-West-Verkehr extrem zunehmen werde und sonst die Industrie abwandere;

  • Nachdenkpause für Koralmbahn und Brennerbasistunnel bis 2010;

  • Konzentration der ÖBB auf Güterverkehr;

  • Dritte Piste für Flughafen Wien;

  • Verkehrsprojekte dienen dem Verkehr und nicht der Bauwirtschaft.

    "Bevor diese Hausaufgaben nicht gemacht sind, sind die Projekte Koralmbahn und Brennerbasistunnel in den Kühlschrank zu stellen", sagt Kremlicka. Denn diese seien unfinanzierbar und dienten zudem nicht den Bedürfnissen der Wirtschaft. "Sonst sind vier Milliarden Euro weg, aber der Schaden bleibt."

    Wie anhand der Exportzahlen ablesbar, liege die Zukunft der österreichischen Wirtschaft zu einem sehr bedeutenden Teil in Zentral- und Osteuropa, daher brauche man entsprechend ausgebaute Verkehrswege genau in diese Wachstumsregion, sagte Kremlicka mit Verweis auf die schlechte Verbindung nach Bratislava. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.2.2007)

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