ATX profitiert von Bank Austria/Hypo-Deal

28. Juli 2000, 18:11

Wochenplus von knapp zwei Prozent

Wien - Die überraschende Übernahme der Bank Austria (BA) durch die HypoVereinsbank (HVB) hat dem Leitindex der Wiener Börse in der abgelaufenen Woche zu weiteren Kursaufschlägen verholfen. Getrieben von der stark nachgefragten Aktie der größten heimischen Bank legte der ATX bis Freitag 17:00 Uhr MESZ auf 1.140 Punkte zu. Gegenüber dem Schlussstand der Vorwoche entspricht das einem Anstieg um knapp mehr als 2 Prozent. Für die kommende Woche sehen Analysten der Erste Bank den ATX in einer Bandbreite von 1.130 bis 1.150 Punkten, erwartet wird ein allgemein etwas ruhigerer Handel.

Nach Bekanntgabe der "All-Share-Transaktion" der HVB am Wochenende gab es zu Handelsbeginn am Montag kein Halten mehr: Mit Blickrichtung auf den Kurs der an der Frankfurt Börse notierenden HVB-Aktie - BA-Aktionären soll ein Umtauschverhältnis von 1:1 angeboten werden - startete das ATX-Schwergewicht Bank Austria gleich mit einem satten Plus von 12 Prozent auf 62,15 Euro (855 S). Die Umsätze in BA waren an diesem Tag für Wiener Verhältnisse mit rund 5,7 Mrd. S enorm hoch und bedeuteten einen neuen Rekord. Im Wochenverlauf pendelte sich der Kurs der BA-Aktie bei rund 60 Euro ein, vorerst noch rund fünf Prozent unter dem aktuellen Kursniveau der HVB-Aktie.

Kursrally bei Wienerberger und Semperit

Die Kursrally bei Bank Austria übertrug sich auch auf Semperit und Wienerberger. Die beiden Industriebeteiligungen der BA-Gruppe dürften nun wieder verstärkt im Interesse der Börsianer stehen, weil davon auszugehen sei, dass die BA Austria nach dem HVB-Deal ernst macht und - wie mehrfach angedeutet - ihr Industrieportefeuille bereinigen wird. Dass sich unter den günstig bewerteten Unternehmen der Wiener Börse Übernahmekandidaten finden, sollte künftig auch ein Katalysator für eine generelle Höherbewertung der Wiener Aktien sein, meinen Analysten der RZB.

Aufstieg der New Economy

Für die Zukunft der Wiener Börse sehen österreichische Aktienexperten bei einem Ausscheiden der BA, des umsatzstärksten Wiener Papiers, aus dem ATX keineswegs schwarz. Im Gegenteil: Auf Grund der international relativ bescheidenen BA-Kursperformance wäre der ATX von seinem Indexschwergewicht befreit. Die Dominanz der Banken - BA und Erste Bank sind mit fast einem Drittel im ATX gewichtet - würde dann durch den Aufstieg der New Economy (BETand WIN, BWT, CyberTron, Libro und nicht zuletzt Telekom Austria) gebrochen.

"Zukünftig mehr New Economy als jetzt - das kann für den ATX nur positiv sein", lautet dazu die Einschätzung eines Analysten der Erste Bank. Denn wegen der stärkeren Annäherung in der Branchenkonzeption an andere europäische Aktienindizes sei in der Folge auch eine verstärkte Anbindung an die europäische Börseentwicklung zu erwarten. Sehr viel werde für den heimischen Kapitalmarkt jedenfalls vom Erfolg des Börsegangs der Telekom Austria im Herbst abhängen.

Gewinner und Verlierer

Die größten Kursgewinner der letzten 7 Tage 21. Juli 2000 bis 28. Juli 2000

1. BRAU-UNION 13,07 Prozent
2. BBAG OEST. BRAU 12,91 Prozent
3. BK TIR U. VBG ST 12,83 Prozent
4. UNIQA STAMM 10,00 Prozent
5. BA STAMM 8,75 Prozent
6. SEMPERIT 6,28 Prozent
7. VOGEL & NOOT VZG 6,06 Prozent
8. AVW INVEST VZG 5,88 Prozent
9. AGRANA VZG 5,73 Prozent
10. WMP BOERSENMAK. 5,71 Prozent

Die zehn größten Kursverlierer vom 21. Juli bis 28. Juli 2000

1. MANNER -25,00 Prozent
2. KAPITAL & WERT -21,87 Prozent
3. AUSTRIA EMAIL -16,50 Prozent
4. GENERAL PARTNERS -15,15 Prozent
5. RATH -14,91 Prozent
6. CYBERTRON -12,07 Prozent
7. AGRA TAGGER -11,32 Prozent
8. HEID -10,00 Prozent
9. IFE -9,97 Prozent
10. JOWOOD -9,14 Prozent

(APA)

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