Neue Rating-Methodik bei Moody's

13. März 2007, 12:55
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Neue Analysemethoden dürften zu beträchtlicher Anzahl von Heraufstufungen führen - Neubewertung österreichischer Banken am 29. März

Die Ratingagentur Moody's hat am vergangenen Wochenende einen neuen Ratingansatz zur Einstufung von Banken veröffentlicht. In den kommenden Wochen sollen die Bonitätseinstufungen sämtlicher gerateter Banken – rund 1000 Institute in über 90 Ländern - überprüft und gemäß einer neuen Methodik angepasst werden.

Moody's führt dabei die sogenannte Joint-Default-Analyse-(JDA-)Methodik für Banken ein. Bei dieser wird laut der Rating-Agentur die externe Unterstützung eines Institutes – seitens der Muttergesellschaft, einer regionalen Gebietskörperschaft, einer genossenschaftlichen Bankengruppe oder ähnlichen Verbundstrukturen - sowie die Wahrscheinlichkeit einer solchen systemimmanenten Unterstützung berücksichtigt.

Neubewertung österreichischer Banken am 29. März

Die sich aus der Neubewertung ergebenden Ratingaktionen werden wöchentlich bekannt gegeben. Am 29. März sind die österreichischen Banken an der Reihe, wie aus einer Pressemitteilung der RZB von Dienstag hervorgeht.

Schon am vergangenen Wochenende hat Moody's die Ratings von Banken aus verschiedenen nord- und osteuropäischen Ländern angepasst. Das Rating einer Vielzahl von Banken sei dabei an das Staatsrating des Hauptsitzes der jeweiligen Bank heraufgestuft worden, berichtet die RZB weiter – und weiß auch von "großer Verunsicherung" unter den Marktteilnehmern, denn der Ratingansatz führe mitunter zu ungewöhnlichen Ergebnissen: "Die isländische Kaupthing Bank wurde beispielsweise äquivalent zum Rating des Staates Island auf Aaa heraufgestuft und verfügt damit über ein gleichwertiges Rating zu den USA, während ABN Amro, die über eine größere Marktkapitalisierung und einen längeren Track Record verfügt lediglich auf Aa1 heraufgestuft wurde."

Bei der RZB erwartet man deshalb, dass nun die Ratingeinstufungen anderer Anbieter an Bedeutung gewinnen werden, um Unterschiede in der Bonität zwischen verschiedenen Banken zu erkennen. Es bestehe nun zwischen dem Rating von Moody's und jenem anderer Agenturen auch eine größere Diskrepanz.

Bei der ersten Runde an Neu-Einstufungen habe Moody's "viel mehr heraufgestuft als wir erwarteten", sagte auch Nigel Myer, Analyst bei Dresdner Kleinwort, gegenüber Reuters. "Große Banken in Aaa-Ländern bekommen jetzt mit hoher Wahrscheinlichkeit auch ein Aaa-Rating." Moody's könnte dadurch für den Markt an Wichtigkeit verlieren, meint Myer.

"Viele Heraufstufungen, einige Herabstufungen"

Bei Moody's selbst erwartet man auch, dass es zu relativ vielen Heraufstufungen kommt: "Insgesamt dürfte es zu einer recht hohen Anzahl von Heraufstufungen sowie zu einigen Herabstufungen bei den Bankdepositenratings kommen. Voraussichtlich werden auch die Schuldtitelratings einiger Banken heraufgestuft, wenn auch in geringerem Maße, da nachrangige Verbindlichkeiten aus Schuldverschreibungen in manchen Ländern mitunter weniger stark von systemimmanenter Unterstützung profitieren als Einlageverbindlichkeiten", meint David Fanger, für Finanzinstitute zuständiger Chief Credit Officer bei Moody's.

Die Einführung der neuen Methodik erklärt man bei Moody's damit, dass der Möglichkeit systemimmanenter Unterstützung in den Bankenratings zwar schon bisher Rechnung getragen wurde, aber bei der Ratingerteilung für Banken in unterschiedlichen Ländern eine Vielzahl verschiedener Ansätze zum Tragen kam. "Dabei wurde in manchen Fällen - ausgehend vom Rating der Regierung - nach unten feinabgestuft, während in anderen Fällen - ausgehend vom eigenständigen ('stand-alone') Rating der Bank - nach oben feinabgestuft wurde. Rückblickend scheinen wir die Vorteile systemimmanenter Unterstützung tendenziell zu gering eingeschätzt zu haben", erklärt Fanger.

Ein Vorschlag zur Einbeziehung der Joint-Default-Analyse in seine Ratingmethodik für Banken hat Moody's erstmals im Oktober 2005 unterbreitet, bis November 2006 folgten auf dieser Grundlage und auf Basis diverser Stellungnahmen weitere Aktualisierungen. (red)

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