Rascher Aufstieg, tiefer Fall

31. März 2007, 20:07
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Die Geschichte vom Beinahe-Champions League-Teilnehmer zum Pleite-Klub - Bereits 1976 gab's große finanzielle Probleme

Graz - Nicht einmal drei Jahre nach dem glorreichen Double-Gewinn in der Saison 2003/04 unter Walter "Schoko" Schachner steht der GAK nun vor dem tiefen Fall - Konkursantrag durch die Finanzprokuratur. Ähnlich wie es der Aufstieg zur heimischen Fußball-Großmacht gewesen war, ist nun auch der aktuelle Sinkflug der "Rotjacken" ein rascher und steiler.

Die große Zeit der Grazer war vor allem mit den zwei Namen Rudi Roth (Präsident/ab 30. Mai 2001 im Amt) und Walter Schachner (Trainer/9. Oktober 2002) verbunden. Auch wirtschaftlich wollte man damals auf einer guten Basis stehen, Boss Roth verkündete im September 2002, dass durch die Gründung der AG der Schuldenstand "ab heute Null" betrage. Sportlich führte Schachner nach seinem Amtsantritt den GAK vom vorletzten Platz noch zum Vizemeistertitel und im Jahr darauf sogar auf Rang eins.

Meister 2004

Der 15. Mai 2004 war wohl der bisher größte Tag in der 105-jährigen Vereinsgeschichte. Mit einem 1:1 zu Hause gegen Pasching wurde der erste Meistertitel der Historie perfekt gemacht, nur eine Woche später wurde die favorisierte Wiener Austria auch im Cupfinale bezwungen. Es war der vierte ÖFB-Cupsieg nach 1981, 2000 und 2002 und die perfekte Revanche von Schachner an seinem Ex-Klub aus Wien-Favoriten.

Der GAK verfügte zu dieser Zeit über eine eingespielte, starke Truppe, die jedoch auch alles andere als billig war. Kicker wie Mario Tokic, Libor Sionko, Roland Kollmann, Mario Bazina und Rene Aufhauser standen für reichlich Qualität, aber eben auch hohe Gehaltschecks. Der Einzug in die "Millionenliga" Champions League blieb dieser Truppe jedoch verwehrt. Dreimal klopften die Grazer an, dreimal blieb man in der Qualifikation gegen Lok Moskau (2002/03), Ajax Amsterdam (2003/04) und Liverpool (2004/05) auf der Strecke. Dass es dabei teilweise heroische Leistungen wie den 1:0-Triumph gegen Liverpool am 24. August 2004 an der Anfield Road gab, bringt die nun fehlenden Millionen ebenfalls nicht in die leere Klubkassa.

Ebenso wenig das Sportvermarktungs-Unternehmens IMG, das im April 2005 für einen Zehn-Jahres-Vertrag Einnahmen von 50. Mio. Euro garantiert hatte, aber im Juli 2006 jedoch aus diesem Vertrag wieder ausstieg.

Auf dem Rasen und auch in den Klubräumen ist von den Namen aus den großen Tagen nicht mehr viel übrig geblieben. Auf Roth folgte als Präsident Harald Sükar, dieser machte jedoch im Juli 2006 nach nur 13 Monaten Amtszeit Stephan Sticher Platz. Zu dieser Zeit hatte man von einem aktuellen Schuldenstand von 1,2 Millionen Euro gesprochen, der jedoch laut Sükar durch die Landeshaftung "einigermaßen gedeckt" gewesen sei. Auf der Trainerbank nimmt nach der Beurlaubung von Schachner seit Jänner 2006 Lars Söndergaard Platz.

Lange Jahre stand der GAK in Graz im Schatten des scheinbar übermächtigen Lokalrivalen SK Sturm. Die Schwarz-Weißen holten als erster Verein die Meisterschale in die Steiermark und waren auch Stammgast in der Champions League, da blieb für die Rotjacken nur die Rolle als Nummer zwei in der Stadt. Die "Roten" hatten die "Schwarzen" zwar in der Folge überflügelt - unterm Strich stehen nun jedoch beide Großklubs aus der steirischen Landeshauptstadt vor dem finanziellen Debakel.

Die offizielle Vereinsgründung am 18. August 1902 - am Tag des Geburtstags des Kaisers - kam zu Stande, nachdem einige Mittelschüler beim Grazer Akademischen Sportverein keine Chance gesehen hatten. In der Körösistraße wurde auch ein passender Platz gefunden, und nach der Fußball-Sektion folgten bald auch die Sportarten Tennis und Rad, später kamen noch Leichtathletik, Schwimmen, Fechten sowie Wintersport hinzu.

1951: Aufstieg in die Staatsliga A

Die Kicker spielten zunächst in der Steiermark und in der österreichischen Amateur-Meisterschaft eine tragende Rolle, 1951 stieg der GAK in die Staatsliga A auf. Dort sprang als bester Nicht-Wiener-Verein gleich auf Anhieb Platz sechs heraus, die Prestige-Stadtduelle gegen Sturm endeten 1:2 bzw. 4:1. 1962 drangen die Athletiker im österreichischen Cup bis ins Finale vor, wo die Austria aber zu stark war. Weil die Violetten aber das Double holten, war der GAK erstmals für den Europacup qualifiziert. Im Cup der Cupsieger war jedoch gegen B. 1909 Odense gleich Endstation.

1972 durfte zum 70-Jahr-Jubiläum Bayern München in Graz begrüßt werden, vor 14.000 Zuschauern gab es gegen Beckenbauer, Müller und Co. nur eine knappe 3:4-Niederlage. 1974 war hingegen ein bitteres Jahr in der Vereinsgeschichte: Nach einer Reform kam es zum Abstieg. Doch postwendend gelang als Nationalligameister der Wiederaufstieg.

Im Jahr 1976 sorgte die Pleite von Sponsor ATS-Bank für große Sorgenfalten, Hofrat Dr. Konrad Reinthaler schaffte es aber den GAK zu retten. 1981 wurde mit dem ÖFB-Cupsieg der erste Titel in die Steiermark geholt, ehe 1990 erneut der Abstieg aus der höchsten Spielklasse nicht abgewendet werden konnte. Seit der Rückkehr in die höchste Spielklasse (1995) gehören die Roten aber wieder zum fixen Inventar und qualifizierten sich seit 1998 regelmäßig für den Europacup. Zum hundertjährigen Jubiläum 2002 war sogar Real Madrid zum Gratulieren ins Schwarzenegger-Stadion gekommen. (APA)

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