Machtkampf bei ORF Online - Manola wieder voll im Amt

8. März 2007, 11:33
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"Kein Grund für weitergehende Maßnahmen" - ORF dementiert Machtkampf zwischen Onlinedirektor und ORF On-Chef

ORF Online-Chef Franz Manola bleibt wie geplant bis Ende März Geschäftsführer der ORF-Internet-Tochter. Die von Online-Direktor Thomas Prantner betriebene "Suspendierung" beziehungsweise vorzeitige Abberufung Manolas ist offenbar gescheitert. ORF-Unternehmenssprecher Pius Strobl bestätigte am Dienstag auf Anfrage der APA, dass die Untersuchung gegen Manola beendet sei. Demnach gebe es "keinen Grund für weitergehende Maßnahmen" gegen Manola.

"Missverständnisse"

Bei den angeblichen verbalen Entgleisungen Manolas gegen eine ORF On-Mitarbeiterin habe es sich um "missverständlich aufgenommene Äußerungen gehandelt, die der ORF On-Geschäftsführer mit dem Ausdruck des Bedauerns zurückgezogen und richtig gestellt hat", so Strobl. Von der betroffenen Mitarbeiterin seien diese Erklärungen und die Entschuldigung akzeptiert worden. "Manola ist wie vorgesehen bis Ende März ORF On-Geschäftsführer und wird die Agenden in vorbildlicher Form an seinen Nachfolger Karl Pachner übergeben."

Machtkampf

Bei ORF Online gibt es seit einigen Wochen einen heftigen Machtkampf rund um die bevorstehende Ablöse Manolas. Vergangenen Donnerstag wurde im ORF-Stiftungsrat mit Karl Pachner, zuletzt für die Digital-Strategie des öffentlich-rechtlichen Senders zuständig, ein neuer ORF Online-Chef bestellt. Rund um die Stiftungsratssitzung wurden von ORF On-Mitarbeitern nochmals Resolutionen zu der Personalentscheidung an das oberste Aufsichtsgremium versandt. Eine mehrheitliche Gruppe um Betriebsratschef Hartmut Schöbitz sprach sich dabei für den Verbleib Manolas aus, eine kleinere Gruppe, darunter ein ehemaliger Sekretär des BZÖ-Ministers Hubert Gorbach, plädierte per Mail an die Stiftungsräte für einen Wechsel an der Spitze der Internet-Tochter.

Sarkasmus

Noch am Donnerstag wurde eine jener Personen, die sich indirekt für die Ablöse Manolas aussprachen, von diesem ins Gespräch verwickelt. Dabei sei es nach Informationen aus der ORF-Tochter unter Anwesenheit mehrerer Zeugen zu einem verbalen Schlagabtausch zwischen Manola und der Mitarbeiterin gekommen, Manola habe die Mitarbeiterin dabei politisch beschimpft, lautete eine Lesart, Manola habe lediglich mit wortgewaltigem Sarkasmus gekontert, war von anderer Seite zu hören.

Suspendierung

Am vergangenen Freitag dürfte die Situation dann eskaliert sein. Onlinedirektor Prantner habe nach dem Zwischenfall zwischen Manola und der Mitarbeiterin die "Suspendierung" des ORF On-Chefs betrieben, hieß es in der Online-Tochter. Es kam aber nicht zur frühzeitigen Abberufung Manolas, sondern im Auftrag von Generaldirektor Alexander Wrabetz wurden umgehend ORF-interne Untersuchungen eingeleitet. Manolas Aufgaben seien danach bis zum Vorliegen des Ergebnisses ruhend gestellt worden, die von ORF-Personalchef Wolfgang Buchner geleitete Untersuchung brachte schließlich am Dienstag die volle Entlastung Manolas.

Tranparenz

Zu den Details der Causa gab sich ORF-Kommunikationschef Strobl auch am Dienstag zurückhaltend. Nur soviel: "Das Haus hat gezeigt, dass mit der raschen und transparenten Behandlung von Problemen sehr viel geklärt, aus der Welt geschafft und positives bewirkt werden kann." Von einem Machtkampf zwischen Prantner und Manola wollte Strobl nichts wissen. "Es gab und gibt keinen Machtkampf zwischen Online-Direktor und ORF On-Geschäftsführer."

Diametral

Zwischen Prantner und Manola gab es in der Vergangenheit diametral entgegengesetzte Vorstellungen über die Online-Strategie des Unternehmens. Beobachter sprechen auch von einem "Philosophiestreit". Während Manola ORF.at als eigenständiges Medium positionierte und das Portal damit zum Marktführer machte, befürwortet Prantner eine stärkere Ausrichtung als crossmediale Plattform, die auch für Fernsehen und Radio intensiver genutzt werden soll.

Manola gestärkt

Manola dürfte gestärkt aus den Vorfällen heraus gehen. Strobl: "Manola wird aller Voraussicht nach eine der wichtigsten Stabstellen und strategischen Zukunftsagenden des Hauses übernehmen." Manola soll sich künftig in der Generaldirektion um die HDTV-Strategie des ORF kümmern. Er wird sich im Zusammenhang mit dem hochauflösenden Fernsehen mit den Themen Testbetrieb, Produktion, Programm und Rechte beschäftigen. "Wir werden einen unserer allerbesten Leute damit beauftragen", meinte auch ORF-Chef Wrabetz Montagabend bei einer Veranstaltung ohne Manolas Namen direkt zu nennen.

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