GAK beantragt Konkurs

2. März 2007, 18:19
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Der Schuldenstand des Grazer Bundesligisten be­trägt rund sieben Millionen Euro - Kurios: Berchtold als Neuzugang präsentiert

Graz - Der GAK will mit einem Kraftakt unter Zeitdruck einen Zwangsausgleich schaffen und die Lizenz für die kommende Saison erhalten. Nachdem am Montag bekannt geworden ist, dass die Finanzprokuratur einen Konkursantrag gegen den Grazer Fußball-Bundesligisten eingebracht hat, wird der Klub nun selbst aktiv. Der GAK wird am Freitag einen Eigenantrag auf Konkurs einbringen, der entscheidende Tag für die Grazer wird der 19. April werden: Dann soll zunächst die Prüfsatzungstagung stattfinden und gleich darauf die Zwangsausgleichstagung. "Es ist eine riesige Kraftanstrengung notwendig, um das durchzubringen", erklärte GAK-Präsident Stephan Sticher.

Die Finanzprokuratur hatte einen Konkursantrag eingebracht, nachdem der Verein der Finanz für die Monate Dezember und Jänner 360.000 Euro schuldig geblieben war. Das größere Problem ist aber nun die Forderung der Finanz von zusätzlichen rund 3 Millionen Euro. Diese Summe war dem GAK vor rund drei Jahren erlassen worden, da nun aber die vereinbarte Ratenzahlung nicht durchgeführt wurde, lebt diese Forderung nun wieder auf. Die Finanz fordert insgesamt rund 3,2 Mio. Euro.

"Monatelang gekämpft

"Wir haben monatelang gekämpft, ein Sanierungskonzept durchzubringen. Aber die Zeit hat uns durch den Insolvenzantrag eingeholt", erklärte Sticher, der mit der Übernahme der Klub-Präsidentschaft auch Altlasten mitübernommen hat. Ein Vorstand, der nicht genannt werden wollte, bezifferte den aktuellen Schuldenstand auf rund 7 Mio. Euro, laut Sticher wird man ca. 2 bis 2,5 Mio. Euro für den Zwangsausgleich aufbringen müssen. Zur Kasse gebeten werden sollen auch ehemalige Vorstände und die Ex-Präsidenten Rudi Roth und Harald Sükar. Diese haben sich laut Sticher bereit erklärt, dem GAK zu helfen.

Der Klub hat Wolfgang Rebernig als Rechtsberater und Alexander Isola als Wirtschaftsanwalt beigezogen, der bereits am Montag Gespräche mit der Finanzprokuratur und dem Gericht geführt hat. Denn die Zeit drängt. Der GAK wird am Freitag den Eigenantrag auf Konkurs und auf Zwangsausgleich stellen, um das Verfahren zu beschleunigen. Am 15. März müssen die Lizenz-Unterlagen beim Senat 5 der Bundesliga eingereicht sein.

Inverstorengruppe ante portas

Am 19. April soll der Zwangsausgleich durchgehen, bis 30. April fällt die Lizenz-Entscheidung in erster Instanz. Dass der Eigenantrag nun gestellt wird, hängt aber auch mit einer Inverstorengruppe zusammen. Diese drängt auf Klarheit und will Rechtssicherheit, ehe investiert werden soll.

Mit dem Land Steiermark wurde bereits gesprochen, das Land sicherte laut Sticher zu, dass die im Juli 2006 übernommene Haftung in Höhe von 1,2 Mio. Euro bestehen bleibt. "Wenn es nicht unvorhersehbare Probleme gibt, müsste es gehen", gab sich Sticher zuversichtlich.

Wie Sportlandesrat Manfred Wegscheider (SPÖ) sagte, könne man noch nicht sicher sagen, was mit dem Geld passiere, man rechne aber damit, dass im Fall eines Zwangsausgleichs Abstriche gemacht werden müssten. Dies vor dem Hintergrund, das Bilanz und Prognose von Wirtschaftsprüfern zum damaligen Zeitpunkt als für in Ordnung befunden worden seien und der Beschluss in der Regierung einstimmig erfolgt sei.

Die Sport-Abteilung erklärte ihre Solidarität mit dem Klub. "Wir geben auf dem sportlichen Sektor unser Bestes. Wir hoffen, dass es zu einem guten Ende kommt", sagte Trainer Lars Söndergaard. Kapitän Roland Kollmann versprach den Fans und dem Vorstand, "dass wir bis zum letzten Moment unser Bestes geben. Am sportlichen Sektor soll der GAK nicht scheitern".

Neuzugang

Kurios, aber wahr: Bei der gleichen Pressekonferenz präsentierte der Klub einen Neuzugang. Dietmar Berchtold, dessen Vertrag beim rumänischen Klub Farul Constanta aufgelöst wurde, wird bis Saisonende für die Grazer Athletiker spielen. Eine Fan-Gruppe finanziert den Spieler. "Es geht aber nur unter der Voraussetzung, dass es dem Verein nichts kostet", betonte Sticher. (APA)

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    GAK-Präsident Stephan Sticher: "Es ist eine riesige Kraftanstrengung notwendig, um das durchzubringen".

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