Reger Flugverkehr unter den Zugvögeln

5. März 2007, 09:30
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"Wachablöse" in der Tierwelt: Viele Arten kehren zurück aus dem Süden, andere verlassen heimische Winterquartiere - mit Grafik

Wien - Reger Flugverkehr wird in den kommenden Wochen und Monaten über Österreich erwartet. Viele Zugvögel kommen nämlich aus den Winterquartieren in Südeuropa, Afrika oder Asien zurück. Andere machen sich gerade auf den Weg und schlagen meist Kurs Nord oder Ost ein, um in ihre Brutgebiete zu gelangen: Sie betrachten Österreich als relativ warmes Winterquartier.

Zugvögel sind anfällig auf Schlechtwetter während des Zuges. Das bedingt jährlich schwankende Brutpaar-Zahlen der einzelnen Arten. Ist die Witterung im Verlauf der Zugrouten schlecht, müssen die Vögel zwangsläufig Pausen einlegen. Umkehren können sie nicht, die jeweilige Richtung ist in den Köpfen der Vögel instinktiv eingegeben. Generell sind kleine Vogelarten anfälliger für schlechtes Wetter als große. In Extremfällen, wenn die Tiere etwa durch Schnee lange nichts fressen, kann es während der Züge zu Massensterben kommen. Etwa bei Schwalben kommt das immer wieder vor.

Nachrungsangebot gibt Reise-Impulse

Als Antrieb für die teilweise über Zehntausende von Kilometern führenden, jährlichen Wanderungen gelten weniger Klima oder Temperaturen. Was die Flüge nötig macht, ist vielmehr das Nahrungsangebot. Vögel haben nämlich einen besonders leistungsspezifischen Energiehaushalt und einen entsprechend hohen Bedarf. Da voluminöse Fettreserven beim Fliegen hinderlich wären, bleibt den Tieren nichts anderes übrig, als gleichsam der Nahrung zu folgen. So treibt es Jäger und Insektenfresser im Winter in den Süden, viele Beerenfresser weichen im Sommer nach Norden und Osten aus.

Zu den Frühlingsheimkehrern zählt etwa der Kiebitz. Er legt bei seinem Weg in wärmere Gefilde im November einen recht kurzen Weg zurück, zumeist überwintert er in Südfrankreich, Spanien oder Portugal. Als Tier, dem Kälte offenbar nicht so viel ausmacht, kommt er auch schon relativ früh, meist um den 10. Februar, zurück.

Länger lassen die Rauchschwalben auf sich warten, sie treffen etwa um den 20. März aus Afrika - südlich der Sahara bis Südafrika - ein. Mitte April ist hier zu Lande der erste Kuckuck zu hören, sein Winterdomizil liegt in Südost-Afrika. Um die gleiche Zeit, wenngleich aus Westafrika, kommt die Nachtigall wieder nach Österreich. Besonders spät, Mitte Mai, verschlägt es den Karmingimpel (Carpodacus erythrinus) in heimische Gefilde. Er zieht im Winter auch nicht nach Süden, sondern weit nach Osten bis Nord- und Zentralindien sowie Thailand.

Dass es aber auch gefiederte Wintergäste in Mitteleuropa gibt, liegt ebenfalls am Nahrungsangebot. Meist handelt es sich um Vögel, die sich den Bauch mit allerlei Beeren und Körnern voll schlagen. Und dieses Futter ist zum Teil auch im Winter verfügbar. Beispiele sind etwa der Bergfink - er bevorzugt Buchecker - der Seidenschwanz oder die Rotdrossel. Im Sommer brüten diese Tiere in weiter nördlich liegenden Gegenden.

Wintergast Saatkrähe

Auch die Saatkrähen zählen bei uns zu den Wintergästen, nur vereinzelt brüten Paare auch bei uns. Saatkrähen sind Allesfresser und bevorzugen neben Körnern, Samen, Obst und Nüssen auch Müllreste. Daher werden Großstädte immer mehr zur Heimstatt dieser Krähen.

Ornithologen haben festgestellt, dass der Weg in die Winterquartiere wesentlich langsamer zurückgelegt wird als der Frühlingszug. Im Herbst fliegen die Tiere tief, meist unter 1.000 Metern, es werden häufig Rastplätze aufgesucht, dort wird zur Nahrungsaufnahme verweilt und regelrecht gebummelt. So brauchen Störche von Österreich bis ins ferne Südafrika von September bis Dezember. Im Frühling treiben die Vögel dagegen bereits die Fortpflanzungshormone weiter, auch fliegen die Tiere höher, einzelne Vogelarten bis zu 4.000 Meter. (APA/Red)

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    Viele Vogelarten - wie etwa die Graugänse - kehren aus ihren Winterquartieren zurück.

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