AMS-Chef: "Es gibt keinen Fachkräftemangel"

10. April 2007, 14:26
123 Postings

Herbert Buchinger glaubt, dass die derzeitige Maßnahmen­landschaft bei den AMS-Förderungen umgebaut werden müsse

Wien - Der Vorstand des Arbeitsmarktservice (AMS), Herbert Buchinger, ist über die aktuelle politische Diskussion um 800 Fachkräfte aus Osteuropa verwundert. "Es ist nicht nachzuvollziehen, dass das zur Fahnenfrage wird", wird Buchinger im "WirtschaftsBlatt" zitiert. Im Gespräch mit der APA konkretisiert er: "Es gibt keinen Fachkräftemangel in Österreich, außer in einzelnen Berufen und in einzelnen Regionen."

An die Sozialpartner und an die Regierungsparteien richtet Buchinger den "dringenden Appell", sich in dieser Frage zusammenzusetzen und zu einigen. Denn beide Seiten sind aus seiner Sicht "nicht weit auseinander". Es sollte aus dieser Fragestellung kein Prinzipienstreit gemacht werden.

Zu dem von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) vorgeschlagenen Frühwarnsystem meinte Buchinger, dass es im AMS schon heute ein Beobachtungssystem mit einer genauen Analyse der offenen Stellen gebe. Es würde die Sache erleichtern, wenn auch von Seiten der Wirtschaft und Industrie der Bedarf an Fachkräften früher gemeldet wird. Dafür sollte geworben werden. Von einem "administrativen System oder von Vorschriften" hält Buchinger jedoch nichts.

Mobilitätsprämie

Die - ebenfalls vom Kanzler vorgeschlagene - "Mobilitätsprämie" müsste laut Buchinger aus der AMS-Förderung, die mit 845 Mio. Euro dotiert ist, finanziert werden. Was die Mobilitätsbereitschaft der Österreicher betrifft, sei diese besser als ihr Ruf. Laut Eurostat sind die Arbeitnehmer in Österreich mobiler als im europäischen Durchschnitt.

Der AMS-Chef ist überzeugt, dass die derzeitige Maßnahmenlandschaft bei den AMS-Förderungen umgebaut werden müsse. Künftig sollte verstärkt der Output von Fachkräften gefördert werden. Die Intensiv-Ausbildung eines Facharbeiters koste 8.000 bis 10.000 Euro und dauert zwölf bis 18 Monate. Allerdings sei nicht immer eine vollständige Facharbeiterausbildung notwendig. Oft genüge auch nur eine Anlernqualifikation, die etwa bei einem Schweißer in sechs bis acht Wochen erfolgen kann. (APA)

  • An die Sozialpartner und an die Regierungsparteien richtet Buchinger den "dringenden Appell", sich in dieser Frage zusammenzusetzen und zu einigen.
    foto: standard/urban

    An die Sozialpartner und an die Regierungsparteien richtet Buchinger den "dringenden Appell", sich in dieser Frage zusammenzusetzen und zu einigen.

Share if you care.