Wiener Ex-SS-Mann in Kriegsverbrecher-Prozess freigesprochen

2. März 2007, 12:38
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61 Menschen bei Massaker im Jahr 1944 getötet - Angehörige der Opfer reagierten empört

La Spezia/Rom - Ein Militärgericht in der norditalienischen Stadt La Spezia hat am Montag den ehemaligen Wiener SS-Unteroffizier Herbert H. vom Vorwurf freigesprochen, eine aktive Rolle beim Massaker von San Polo in der Nähe der toskanischen Stadt Arezzo am 14. Juli 1944 gespielt zu haben. Bei dem Blutbad waren 61 Personen getötet worden. Die Staatsanwaltschaft hatte für den 87-Jährigen, der im Prozess vom ehemaligen FP-Justizminister Harald Ofner verteidigt wurde, lebenslange Haft beantragt.

Das Gericht urteilte, dass der Österreicher für das Blutbad nicht verantwortlich gemacht werden könne. Die Angehörigen der Opfer des Massakers, die beim Prozess anwesend waren, reagierten auf das Urteil empört. Der Wiener, der vor Gericht nicht anwesend war, war als einziger Angeklagter für das Massaker verantwortlich gemacht worden. Der Mitangeklagte Klaus Konrad, ein ehemaliger SPD-Parlamentarier und Berater des deutschen SPD-Bundeskanzlers Willi Brandt, ist kürzlich gestorben.

Aktive Rolle

Laut Staatsanwalt Marco De Paoli habe H. mit weiteren fünf Offizieren eine aktive Rolle beim Massaker gespielt. Andere SS-Offiziere hätten sich im Gegensatz zum Wiener geweigert, sich am Blutbad zu beteiligen. "Das Massaker von San Polo war eine Aktion von unglaublicher Brutalität. Dabei wurden alle Grenzen der Legalität und der Menschlichkeit überschritten. Diese Unmenschlichkeit ist nur mit der vollen Unterstützung der Nazi-Ideologie und mit Fanatismus zu erklären", so der Staatsanwalt am Montag.

Das Massaker von San Polo war als Vergeltung für Aktionen einiger Partisanen verübt worden. Die Opfer, darunter ältere Leute und Kinder, wurden geschlagen, bevor sie erschossen wurden. Dutzende Frauen wurden vergewaltigt und die Männer gezwungen, ihr Grab selber zu schaufeln. Einige von ihnen wurden noch lebend in das Massengrab geworfen.

Zum Massaker in San Polo hatten bereits die deutschen Justizbehörden in den 60er Jahren ermittelt. Es war jedoch niemals zu einem Prozess gekommen. Im August 2003 hatte wiederum die Militärstaatsanwaltschaft in La Spezia die Ermittlungen zum Blutbad aufgenommen. (APA)

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