Küchengott und Bambuswedel

5. März 2007, 20:23
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Am 18. Februar wurde in China mit Feuerwerk und Drachentänzen Neujahr gefeiert

Alte Traditionen bestimmen noch heute das größte chinesische Familienfest

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Dem alten China und seinen Traditionen waren die Ö1-Kinderuni-Reporter gemeinsam mit der Ostasien-Expertin Monika Lechner von der Uni Wien auf der Spur (www.kinderuni.at).

Eine lange Tradition von 3000 Jahren hat auch das chinesische Neujahrsfest. Es wird nicht am 1. Jänner gefeiert, sondern in jedem Jahr an einem anderen Tag. Aber nicht irgendwann, sondern immer in der zweiten Neumondnacht nach der Wintersonnenwende. Heuer fiel das chinesische Neujahr auf den 18. Februar, wo mit Pomp und Trubel das Jahr des Schweins eingeläutet wurde.

Das Feiern beschränkt sich in China aber nicht auf eine Nacht: Das wichtigste Familienfest im Jahr bedarf langer Vorbereitungen und dauert 15 Tage an. Schließlich gibt es vieles zu beachten, damit das folgende Jahr für die ganze Familie nur Gutes bringt.

Großputz

Zuerst einmal muss ordentlich geputzt werden. Um außer Staub auch noch böse Geister aus allen Ecken zu bekommen, wird nach alter Tradition mit Bambuszweigen gewedelt. Heutzutage muss aber oft ein Staubsauger reichen, an dessen Rohr für alle Fälle ein paar Zweige gehängt werden. Anschließend wird das Haus mit Lampen, roten Spruchbändern und Glückszeichen dekoriert.

Sieben Tage vor dem Neujahrsfest wird der Küchengott mit süßen Puddings, klebrigen Kuchen und Honig-Naschereien milde gestimmt. Das ist nämlich der Zeitpunkt, an dem der Küchengott, der zu den wichtigsten und ältesten Göttern Chinas zählt, dem Jadekaiser über die guten und bösen Taten der Menschen berichtet. Der Jadekaiser wiederum bestimmt das Schicksal der Familie für das ganze Jahr.

Genießen und schlemmen

In der Neujahrsnacht selbst wird ausgiebig geschlemmt und kleine rote Kuverts mit Geld an die Kinder verteilt. Danach verlassen alle das Haus, um die Spuren des alten Jahres mitzunehmen. Punkt 23 Uhr beginnt das neue Jahr und alle Türen und Fenster werden geöffnet, um das Glück hineinzulassen. Dann ist es Zeit für das Feuerwerk.

Die bunte Knallerei, die in China erfunden wurde, hat einen Grund: Damit soll ein Monster namens Nien vertrieben werden, das einst an jedem Neujahrstag die Menschen terrorisiert haben soll - bis sie herausfanden, dass es sich vor Feuer, Lärm und der Farbe Rot fürchtet. In Erinnerung an den Sieg über Nien wird geböllert und gefeuert, was das Zeug hält, rote Bänder aufgehängt und prächtige Drachen aus Papier durch die Straßen getragen. Der Abschluss des Festes wird am 15. Tag des neuen Jahres mit einem Laternenfest begangen. (kri/DER STANDARD-Printausgabe, 27.02.2007)

Thema der nächsten Ö1-Kinder-Uni: "Können Pflanzen Tiere essen?",
Sonntag, 17.10 Uhr, auf Ö1 (http://oe1.orf.at) und am Dienstag im Standard.
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    Rot und laut geht es zu beim chinesischen Neujahrsfest - schließlich gilt es, alle bösen Geister zu vertreiben.

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