Doch kein Ministeramt für umstrittene Rechtspolitikerin

2. März 2007, 13:02
31 Postings

Tartman waren rassistische Äußerungen vorgeworfen worden - Auch akademischen Grad angemaßt

Eine kleine Regierungsumbildung sorgte am Mittwoch bei den isarelischen Medien für einige Aufregung: Esterina Tartman (49) - eine der schrillsten Stimmen in der weit rechts stehenden Partei „Israel Beitenu“ („Israel unser Heim“) - hätte zur Tourismus-Ministerin ernannt werden sollen. Ihr werden rassistische Aussagen vorgeworfen. Am Mittwochabend wurde die Ernennung jedoch zurückgezogen; neuer Tourismusminister wird an ihrer Stelle ihr Parteifreund Yitzhak Aharonovitch.

Laut der israelischen Internetzeitung "Ynet" kam es zu dem Rückzieher, weil sich Tartman unrechtmäßig einen akademischen Grad angemaßt hatte. Zudem fand "Ynet" heraus, dass sie vor vier Jahren einen Verkehrsunfall verschuldet und danach versucht hatte, Fahrerflucht zu begehen. Sie konnte von Augenzeugen gestoppt werden, nachdem sie in Jerusalem auf einem Zebrastreifen einen Fußgänger angefahren hatte.

Davon abgesehen hat sie sich erst vor 14 Monaten bescheinigen lassen, dass sie nach einem Autounfall nur sehr eingeschränkt arbeitsfähig ist, um in den Genuss verbesserter Sozialleistungen zu bekommen. Der zweite israelische Fernsehkanal hat aufgedeckt, dass Tartman über medizinische Unterlagen verfügt, die bestätigen, dass sie nicht mehr als vier Stunden täglich arbeiten dürfe. Ein schwerer Autounfall vor zehn Jahren habe demnach ihr Konzentrations- und Erinnerungsvermögen irreversibel geschädigt. Danach habe Tartman gerichtlich durchgesetzt, dass ihre Invalidität von 40 auf 52 Prozent heraufgestuft wurde.

"Plage"

Tartman ist engste Verbündete von Avigdor Lieberman, dem Chef der "Russenpartei", der laut Koalitionsabkommen ein zweites Ministeramt zusteht. Ihr wird von Linksgruppen und von arabischen Politikern auch "rassistische" Gesinnung vorgeworfen. Als im Jänner Raleb Majadele von der Arbeiterpartei als erster muslimischer Araber in Israel zum Minister bestellt wurde, bezeichnete Tartman das als "Plage" und "gewaltige Axt über dem Stamm, der Zionismus und jüdischer Staat heißt". Jetzt versichert die Mutter von vier Kindern allerdings, sie habe sich "nie gegen den arabischen Sektor geäußert – im Gegenteil, ich denke, man muss etwas für diesen Sektor tun." Außerdem habe sie „kein Problem, mit Raleb oder mit irgend jemand anderem“ im selben Kabinett zu sitzen. Jariv Oppenheimer von der „Frieden jetzt“-Bewegung findet trotzdem, dass "Israel sich wegen der Ernennung der Frau mit den rassistischen Ansichten schämen sollte". Arbeiterpartei-Chef und Vizepremier Amir Peretz hatte die Nominierung von Majadele als "Antwort auf Liebermann, der eine rassistische Partei vertritt", bezeichnet. (APA/Ben Segenreich aus Tel Aviv/DER STANDARD, Printausgabe, 27.02.2007)

Share if you care.