Für Winckler "kein Problem der Medizin alleine"

8. März 2007, 11:08
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Auch Uni Wien spürt Auswirkungen bei mehreren Studienrichtungen

Wien - Der Zustrom deutscher Studenten an österreichische Universitäten ist für den Rektor der Uni Wien, Georg Winckler, "kein Problem der Medizin alleine". In den kommenden Jahren würden generell mehr deutsche Studenten nach Österreich kommen. So würden in Deutschland durch die Umstellung der Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre zusätzlich 300.000 bis 400.000 Studierende, die ihre Stipendien auch ins Ausland mitnehmen dürfen, Uni-Plätze suchen, so Winckler gegenüber der APA.

NC-Flüchtlinge in anderen Studienrichtungen

Die Universität Wien habe im laufenden Studienjahr um rund 3.000 Studenten mehr als im Vorjahr, so Winckler. 40 Prozent davon kämen aus den EU-Staaten, vor allem aus Deutschland. Diese strömen vor allem in Fächer, in denen in Deutschland ein Numerus Clausus herrscht wie etwa Pharmazie, Psychologie oder Publizistik. Allein in der Psychologie seien heuer rund ein Drittel der Studienanfänger Deutsche gewesen. Als Resultat würden viele Österreicher auf andere Fächer wie etwa Ernährungswissenschaften oder Pflegewissenschaften bzw. Theaterwissenschaften ausweichen, was dort zu schlechteren Betreuungsrelationen führt.

Mehr Geld für Studienplatzbetreuung

Als Lösung sieht Winckler entweder die Einführung einer Studienplatzbewirtschaftung oder mehr Geld für die Ermöglichung einer entsprechenden Betreuung. "Sicher nicht" könnten die Unis aber mit dem gleichen Geld noch zusätzliche Studenten aufnehmen.

Freie Wahl der Unis

Generell hält der Uni-Wien-Rektor die österreichische Konstruktion, in der vor allem die maturaführenden Schulen wie AHS oder BHS via Reifeprüfung die Studienberechtigungen vergeben, für "eigenartig". Europaweit üblich sei es, dass nicht die abgebende Institution über die Aufnahme entscheidet, sondern die aufnehmende. Konkurrenten wie die Universität München würden immer stärker ihre Studenten selbst auswählen.

Österreichweite Lösung

Vorgaben von der Politik erhofft sich Winckler beim Thema europäische Studienarchitektur. Derzeit sind vor allem die Umstellung in den Fächern Jus, Pharmazie sowie Lehramt auf das dreigliedrige Studiensystem (Bachelor-Master-PhD) strittig - bei Jus und Pharmazie gibt es unterschiedliche Vorstellungen in den Standesvertretungen, die Lehramtsstudien sind derzeit gesetzlich vom dreigliedrigen System ausgeschlossen. Darüber müsse es nun eine Diskussion und anschließend eine einheitliche Lösung für ganz Österreich geben. "Ich erwarte mir vom Ministerium, dass es diese Diskussion gestaltet." (APA)

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