Zunahme von Erkrankungen

26. Juli 2007, 13:30
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Experten warnen: Essstörungen nehmen stark zu - 2.000 Mädchen haben akutes Anorexie- oder Bulimie-Risiko allein in Wien

Wien - Die Bevölkerung der Industrieländer wird immer dicker, gleichzeitig nehmen durch Diätwahn ausgelöste Erkrankungen stark zu: Bis zu zwei Prozent der Frauen zwischen 15 und 35 Jahren in Europa und Nordamerika leiden an Anorexie (Magersucht), bis zu 15 Prozent an Vorstadien von Essstörungen. Die "4. Wiener Essstörungsenquete" im Wiener Rathaus mit mehr als 800 Teilnehmern gilt als der größte deutschsprachige Kongress zum Thema.

Binge Eating

Nicht nur Frauen sind betroffen: Immer häufiger sind Fachärzte mit der Binge-Eating-Disorder (BED - Fresssucht) konfrontiert. Während bei Anorexie und Bulimie auf neun betroffene Frauen ein Mann kommt, liegt dieses Verhältnis bei der BED bei 1,5 zu 1.

Diätwahn

Susie Orbach von der London School of Economics und als Essstörungs-Therapeutin von Lady Di bekannt geworden, kritisierte gängige Schlankheitsideale: "Immer mehr Menschen hassen ihren Körper." Es sei verantwortungslos, dass öffentlich unterstütze Kampagnen und Ärzte den Diätwahn noch förderten. Wie groß der Einfluss der Medien ist, zeige die "Fidji-Studie": Auf der Pazifik-Insel wurde erst ab 1995 Fernsehen empfangen. Innerhalb von drei Jahren, so zeigte eine Untersuchung von Anne Becker von der Harvard-Universität, entwickelten zwölf Prozent der heranwachsenden Mädchen Symptome von Bulimie - eine bis dahin auf der Insel unbekannte Erkrankung.

Weitergabe an Kinder

Sorge bereitet Orbach, dass problematisches Essverhalten häufig von Müttern an ihre Kinder weitergegeben werde. "Ein Extrem ist hier sicher der zuletzt unter Prominenten zu beobachtende Trend, in der 36. Schwangerschaftswoche einen selektiven Kaiserschnitt einzuleiten, um weniger zuzunehmen und rascher wieder schlank zu werden." Aber auch in weniger ausgeprägten Formen störe die ständige Beschäftigung einer jungen Mutter mit ihrem Gewicht die Entwicklung eines natürlichen Ernährungsverhaltens beim Nachwuchs.

200.000 in Österreich betroffen

In Wien besteht für geschätzte 2.000 Mädchen akutes Anorexie- oder Bulimie-Risiko, sagte die Wiener Frauengesundheitsbeauftragte Beate Wimmer-Puchinger. Österreichweit dürften 200.000 Frauen zumindest ein Mal in ihrem Leben an einer Essstörung erkranken. 90 Prozent der Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren und 80 Prozent der Frauen, zeigten zwei Wiener Untersuchungen, sind mit ihrem Körper unzufrieden.

Magersucht hat mit 18 Prozent nach 20 Jahren die höchste Sterblichkeitsrate aller psychischen Erkrankungen. Anorektikerinnen zwischen 15 und 24 Jahren haben internationalen Daten zufolge ein zwölf Mal höheres Mortalitätsrisiko als gesunde Gleichaltrige. (APA)

Hotline der Stadt Wien: für Betroffene und Angehörige: für Betroffene und Angehörige 0800-20-11-20
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    Beine eines Models

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