Drogenstatistik: Weniger Anzeigen und Sicherstellungen

Redaktion
28. Februar 2007, 09:02
  • Die Menge an in Österreich sichergestellten Ecstasy-Pillen hat sich im Vorjahr verdreifacht.
    foto: dpa/stratmann

    Die Menge an in Österreich sichergestellten Ecstasy-Pillen hat sich im Vorjahr verdreifacht.

Die Zahl der Drogenanzeigen und die Menge an beschlagnahmten Suchtgiften sind zurückgegangen

Lediglich Ecstasy und Cannabis sorgten im Vorjahr für ein neues All-Time-High bei Sicherstellungen. Drogenfahnder entdecken immer öfter Haschisch-Plantagen.

Wien - Rund ein Drittel aller Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist einem gelegentlichen Joint nicht abgeneigt und verstößt damit vorsätzlich gegen das Suchtgiftgesetz. Ist Österreichs Jugend deshalb kriminell? Nein, meint Innenminister Günther Platter (ÖVP), man müsse "sensibel" mit dem Problem umgehen. Angezeigt werden junge Drogenkonsumenten aber trotzdem. 2006 fiel fast ein Fünftel aller Suchtmittelanzeigen auf Schüler, Studenten, Lehrlinge, Zivil- und Grundwehrdiener.

Insgesamt wurden im Vorjahr 24.008 Anzeigen nach dem Suchtmittelgesetz erstattet - ein Rückgang um 7,28 Prozentpunkte im Vergleich zu 2005. Das Verhältnis zwischen Vergehen und Verbrechen klafft weiterhin auseinander: 20.340 Anzeigen betrafen Konsumenten und Besitzer geringer Mengen, 3668 Anzeigen galten Dealern.

Nach Substanzen aufgeschlüsselt bilden in der am Montag präsentierten Anzeigenstatistik Cannabiskraut ("Gras") und Cannabisharz ("Shit") die einsame Spitze (rund 19.000 Anzeigen), dahinter folgen Heroin, Kokain, Ecstasy. Was die Menge an sichergestellten Suchtgiften (siehe Grafik) betrifft, verzeichnete die Polizei teils starke Rückgänge - mit Ausnahme von Cannabis und Ecstasy: eine Tonne Hanf, die in einem für Spanien bestimmten Schiffscontainer am Hafen Freudenau entdeckt wurde, ergab insgesamt die Rekordmenge von 1,8 Tonnen Cannabis. Die Menge an sichergestellten Ecstasy-Pillen hat sich verglichen mit 2005 verdreifacht. Alle beschlagnahmten Drogen zusammen hätten auf dem illegalen Straßenmarkt rund 21 Millionen Euro gebracht.

Österreich als Transitstation

"Österreich ist kein klassisches Erzeugerland, sondern in erster Linie Transitstation", erklärte Herwig Haidinger, der Chef des Bundeskriminalamtes (BK). Innenminister Platter kritisierte in diesem Zusammenhang, dass es nicht gelinge, in Afghanistan Alternativen zum Opiumanbau zu schaffen. Die Anbaufläche für den Rohstoff von Heroin habe im Vorjahr sogar wieder um 69 Prozent zugenommen.

Sorgen machen den Drogenfahndern aber auch immer mehr einheimische Haschisch-Plantagen. Die Indoor-Kultivierung werde durch den erlaubten Verkauf von Setzlingen und Zubehör gefördert, kritisierte BK-Spezialist Gerhard Stadler. 301 Anzeigen wurden im Vorjahr wegen der Aufzucht THC-haltiger Pflanzen erstattet. Tetrahydrocannabinol, der Hauptwirkstoff von Cannabis Sativa, ist besonders in den unbefruchteten weiblichen Blütenständen hoch konzentriert.

Suchtverhalten

Nach einer Studie des Gesundheitsministeriums hat ein Fünftel der Bevölkerung schon einmal gekifft, bei jungen Leuten liegt der Anteil bei 35 Prozent. 25.000 bis 30.000 Menschen gelten in Österreich als heroinabhängig. Bei anderen Suchtgiften ist die Zahl der Abhängigen um einiges schwerer einzuschätzen. Kokainsüchtige leben laut dem Drogenbericht des Gesundheitsministeriums meistens "sozial unauffällig" und sind dadurch schwerer zu erfassen. 2,5 Prozent der Bevölkerung (ab 14 Jahre) dürfte aber schon einmal Kokain konsumiert haben, ungefähr gleich hoch liegt der Anteil bei den Partydrogen LSD und Ecstasy.

War Mitte der 90er-Jahre noch ein Rückgang der Zahl der Drogentoten zu verzeichnen, stieg diese in den vergangenen Jahren wieder kontinuierlich an. Für das Jahr 2005 meldetet das Gesundheitsressort in seinem Drogenbericht 191 Opfer. Bei den meisten Toten wurden mehrere Suchtmittel im Körper nachgewiesen, in 80 Prozent der Fälle waren Opiate beteiligt. (Stefanie Kompatscher, Michael Simoner/DER STANDARD-Printausgabe, 27.02.2007)

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wieso werden die ganzen substis in dieser liste nicht angeführt? in ö sind bald mehr menschen von substis abhängig als von sonstwas, aber da verdienen halt die pharmakonzerne gut daran, deswegen sind das keine drogen sondern medizin, obwohl nicht ungefährlicher.

wo is das problem?

also ich bin pro drogen: legale, illegale, pharmazeutische, körpereigene. ich steh auf psychoaktiva, psychedelika, upers und downers; grüne, weiße und braune drogen. öfen, pfeifen, pillen, nasen, spritzen und zapferln. am liebsten in abenteuerlichen kombinationen. rauchen, trinken, essen, schlucken, ziehn und fixen - drogen sind geil!

;-)

"eine Tonne Hanf, die in einem für Spanien bestimmten Schiffscontainer am Hafen Freudenau entdeckt wurde, ergab insgesamt die Rekordmenge von 1,8 Tonnen Cannabis." --häh ? Eine tonne ergibt also 1,8 Tonnen ?

Hier schreibt wohl jemand, der sich mit der Materie befasst hat. Achja... und warum konzentriert sich die Polizei nicht auch die Drogen, mit denen man ordentlich Rubel machen kann und die tödlich enden können ? Cannabis ist leicht zu finden, aber nicht das problem, kokain und e sind ein problem, weil billig, klein, geruchslos und potentiell tödlich b.z.w. schwer gefährlich. Aber um das Zeug schert sich keiner... zu schwierig beim Aufgriff, meistens schon geschluckt, gemma lieber kiffer verknacken...

man merkt eh, dass du ein kiffer bist

schwere konzentrationsmängel :-))

nein, selbst redakteur... daher schnelllesen gewohnt...

:)

Wofür wohl das "Pot" im Namen steht?

Paul Pot,

ist mir schon oefter aufgefallen, dass Sie nur sehr oberflaechlich lesen, bzw. dabei nur selektiv wahrnehmen.

Lesen Sie doch die Passage mit den insgesamt 1,8 Tonnen nochmal langsam durch.

Die können ja ned die ganzen Promis verknacken! Wer soll dann noch im TV auftreten?
Wo komma denn do hin, hearns?

Volksbegehren

Wäre es nicht an der Zeit mittels einem Volkbegehren zu sehen wie es denn die Chancen für eine (zumindest teilweise) Legalisierung in Österreich aussieht?

In 20 Jahren vielleicht. Die Zeit ist noch nicht reif.

so gesehen wird die Zeit nie reif sein. In 20 Jahren sind die heutigen Jugendlichen (Kinder), welche sich zur Zeit in Discos usw. um den Verstand trinken, auch net anderer Meinung, als die jetzigen ProAlk-Aktivisten. "Drogen? Na, mit den Zeig hob i no nia wos zduan kobt. I wü mi jo ned umbringa!"

kann ich mir nicht vorstellen,

nachdem ein grossteil der sehr alten wähler kiffen mit kinder fressen gleichsetzt!

Das würde aber dennoch auf einen Versuch ankommen.
Man bräuchte halt eine gut gefüllte Brieftasche um auch gegügend Werbung machen zu können. Nicht wie "Wir wollen alle nur noch kiffen" sondern "Wir wollen nicht mehr kriminalisiert werden."
TV-Dokus wie die die weiter unten gepostet habe, würden da sicher sehr viel zur die Aufklärung helfen. Müssten dann eben vom ORF, ATV usw. produziert werden. A schwere Sache halt.

oder wir machen einfach auf neusprech

und protestieren gegen den "gesetzgebungsterror"! :)

oops, deutsch is scho so verdammt schwer. ;)

"Sorgen machen den Drogenfahndern aber auch immer mehr einheimische Haschisch-Plantagen."

Sorgen haben die...
Na wie auch immer. Es ist schön, daß die Pflanzenaufzucht in Österreich legal ist.

Kokainsüchtige sind sozial unauffällig?

Weil sie immer im Fernsehen zu sehen sind????

Sehr gute Doku

http://www.jonhs.net/freemovie... burbia.htm

unbedingt ansehen. Leider geht bei mir tinyurl @work ned.

Weniger Anzeigen und Sicherstellungen?

Soll wohl heißen, dass die Polizei fauler geworden ist oder?

Homegrower

Selbstanbau hat viele Vorteile:
1, es ist schlichtweg billiger
2, man weiss woher das Kraut kommt.
3, es wird keine Mafia damit unterstützt.
4, es macht Spass, den Pflanzen beim wachsen zuzusehen
.....

"es macht Spass, den Pflanzen beim wachsen zuzusehen"

eine betuliche, schoene Beschaeftigung.

Ganz den Neigungen und intellektuellen Faehigkeiten des Pflanzers angemessen... ;)

Es ist eben wie mit dem Salat aus dem eigenen Garten...

Da weiß man, was es ist.

weil hier

mal wieder von "überschwemmung" etc. geredet wird, und ein absatz mit Kiffen beginnt und mit Drogentoten endet, hier ein paar beiträge für eine etwas aufgeklärtere diskussion:

zu cannabis:
http://www.indro-online.de/Schneider3_06.pdf

zur problematik sogenannter "schwerstabhängiger":
http://www.indro-online.de/berlin1998.pdf

evaluation verschiedener (von stadträtin wehsely abgelenter) konsumraum-projekte in d:
http://www.indro-online.de/Schneider... R_1_04.pdf

zur verschreibung von heroin durch ärzte:
http://www.api.or.at/lbi/pdf/0... eibung.pdf

bedeutung des drogenkonsums für jugendliche in ö:
http://www.api.or.at/lbi/pdf/konsjug.pdf

Sorgen machen den Drogenfahndern aber auch immer mehr einheimische Haschisch-Plantagen....selbstanbau kontra organisierte kriminalität

macht es dem herrrn BK stadler weniger sorgen,wenn die leute ihr geld der mafia ;-) in den rachen schieben (und es im ausland verschwindet)?

ist übrigens eine tolle bezeichnung,"haschisch"plantage *g* für ein paar m2 hanfpflanzen.
ein weingarten sollte demnach cognacplantage,ein kartoffelacker vodkaplantage heissen.

vorschlag:alkohol und tabak AUCH verbieten und den eigenanbau bzw den schmuggel und die organisierte kriminalität fördern.

ich seh schon die schlagzeilen vor mir:
BK stadler:schnapsplantage ausgehoben.unter wärmelampen wuchsen Vitis vinifera !
alkoholgehalt durch holländische züchtungen gefährlich angestiegen !
schwammerlsucher entdeckte illegale nikotinplantage auf einer waldlichtung.... ;-)

Die Sorgen haben vielleicht mit Provisionen zu tun ;)

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