Selbstgesteuertes Erdbeben mit therapeutischer Wirkung

7. März 2007, 15:49
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Forscher konstruieren Simulator, der Bebenopfern bei Traumabewältigung hilft

London - Ein Erdbebensimulator kann die posttraumatischen Stresssymptome von Erdbebenopfern deutlich verringern. Das Team um Mertin Basoglu hat einen Simulator entwickelt, den die Benutzer selbst kontrollieren können. Die Wissenschafter sind davon überzeugt, dass der Simulator traumatische Symptome besser reduzieren kann als psychologische Beratung. Sie schreiben in dem Fachmagazin Psychological Medicine, dass der Simulator vor allem in Erdbeben gefährdeten Ländern eingesetzt werden könnte.

Basoglu arbeitet am Institute of Psychiatry at the Maudsley und dem Istanbul Centre for Behaviour Research and Therapy. Der von ihm entwickelte Simulator ist ein kleines Fertighaus, das auf einer elektrischen Plattform mit einem Motor angebracht ist. Ein Computer überwacht die Erdbebensimulation. Die Benutzer können die Geschwindigkeit und die Intensität der Stöße selbst kontrollieren, der Simulator kann mittels einer Fernbedienung jederzeit gestoppt werden. Eine erste Studie ergab, dass acht von zehn Überlebenden des Erdbebens in der Türkei 1999, nach drei Monaten deutlich verringerte Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD) zeigten.

In der zweiten Studie erhielten 31 Überlebende des gleichen Bebens, die an PTSD litten, entweder eine Sitzung mit dem Simulator oder eine Reihe von Gesprächen mit einem Psychologen. Die Symptome der Teilnehmer wurden bis zu zwei Jahre nach Beendigung der Studie weiter beobachtet. Es zeigte sich, dass die Symptome der Simulator-Gruppe sich um 20 Prozent mehr verbesserten als die der anderen Psychologen-Gruppe. Basoglu hatte beobachtet, dass Überlebende eines Erdbebens Angst vor unsicher erscheinenden Situationen wie erschütterungsanfälligen Fertighäusern hatten. Er entwickelte einen Simulator, der laut BBC mit rund 100.000 Dollar deutlich günstiger sein soll als bisher auf dem Markt befindliche Modelle. Diese Kosten hält der Wissenschafter für gerechtfertigt, da in einer Sitzung fünf bis zehn Personen behandelt werden können. Er ist überzeugt, dass Menschen nach der Benutzung des Simulators besser mit der Erfahrung eines realen Erdbebens umgehen können. "Er erhöht die Belastbarkeit. Wenn es zu einem Erdbeben kommt, sind die Menschen vorbereitet." (pte)

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