AfrikanerInnen als Subjekte wahrnehmen - von Simon Inou

von Redaktion  |  25. Mai 2007, 09:24
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    Freie Medien seien wichtig für AfrikanerInnen in Österreich, sagt Simon Inou: "Das alleine greift aber zu kurz. Viele dieser Medieninitiativen werden in einer großen Mehrheit von AfrikanerInnen konsumiert und nur von wenigen ÖsterreicherInnen. Umgekehrt bringen nur wenige AfrikanerInnen Interesse für Mainstream-Medien auf, die aber eine große Mehrheit von Österreichern erreichen. Diese Ghettoisierung auf beiden Seiten möchten wir überwinden."

Beobachtungen einer positiven Entwicklung in den österreichischen Medien - Fremde Feder von Simon Inou

Von Ende Dezember 2006 bis Ende Jänner 2007 lief in Österreich die Kommunikationskampagne www.blackaustria.at zum Abbau von Vorurteilen: Nicht nur wir, sondern auch viele ÖsterreicherInnen hatten es satt, immer nur die verzerrten Nachrichten und Bilder über Schwarze Menschen in diesem Land zu konsumieren.

 

Egal ob diese Schwarzen Menschen aus Afrika, Europa, Nordamerika oder Lateinamerika stammen, wir waren stets mit zwei gängigen Vorurteilen konfrontiert: Auf der einen Seite das Vorurteil des Kriminellen oder der Prostituierten, auf der anderen Seite das des "Opfers" – von Rassismus, von Ausbeutung, Krieg und Diktatur. Und dieses zweite Vorurteil macht aus uns jene, denen ewig zu helfen sein wird, die nicht wirklich mündige Menschen sein können.

Mit Klischees gebrochen

Das Projekt Black Austria brach mit diesen gängigen Klischees. Zum ersten Mal in der Geschichte Österreichs haben Schwarze Menschen schlicht auf Plakaten für sich geworben, für ihr Da-Sein. Nicht für irgendeine Marke oder als Spendenköder für Entwicklungshilfe. Die Kampagne löste ein ungeheures Medieninteresse aus. Von allen Medien, die darüber berichtet haben, wurde die Kampagne positiv bewertet. Mainstream sowie Community Medien unterstützten so diese Initiative auf ihre Art.

Die Gründe, warum bisher so verzerrte Bilder über Schwarze Menschen die öffentliche Meinung geprägt haben, sind meiner Meinung nach auf drei Ebenen zu suchen:

 

  • Die Sozialisationsebene: Die Sozialisation hängt viel von der Ausbildung ab. Mit welchen Bildern von Afrika und seinen Menschen wachsen seit mehreren Generation unsere Kindern auf? Österreichische sowie Kinder mit Migrationshintergrund, die im Lande Mozarts in die Schulen gehen, sind daran gewöhnt, klischeehafte Bilder, die in den verschiedenen Unterrichtsmaterialen zu finden sind, präsentiert zu bekommen. Viele Projekte die über Afrika und seinen Menschen mit guter Absicht realisiert werden, finden zu 80 bis 90 Prozent auf der Schiene von Entwicklungshilfe statt. Nichts Positives kommt vor. Schwarze Erfinder werden nie erwähnt. Nichts intellektuell Stimulierendes wird erwähnt. Wir sind immer die besten SportlerInnen. Und die besten MusikerInnen, aber nicht im Sinne von z.B. klassischer Musik: Bekannt sind Schwarze Jazz MusikerInnen, Schwarze im Bereich der Klassischen Musik werden, bis auf wenige Ausnahmen, bewusst oder unbewusst ausgeblendet.

     

     

  • Die inhaltliche Ebene: Vor kurzem las und hörte ich in vielen Medien aus Österreich und Deutschland, dass der amerikanischer Präsidentenschaftskandidat Barack Obama ein Farbiger sei. Während dieser Kandidat sich selbst als Schwarzer betrachtet, übersetzen noch viele JournalistInnen das englische Wort „Black“ als „Farbiger“ ins Deutsche. Hier daher die Bitte: Liebe Journalisten, nennen Sie uns Schwarze und nicht Farbige! Eine andere inhaltliche Ebene ist die Kriminalberichterstattung. Ist es wirklich entscheidend für Qualitätszeitungen, die ethnische Zughörigkeit von mutmaßlichen Kriminellen zu erwähnen? Die Nennung der ethnischen Zugehörigkeit der Beschuldigten stellt keine zwingende Notwendigkeit für das Verständnis der Berichterstattung dar. Was wir brauchen, ist eine diskriminierungsfreie Berichterstattung.

     

     

  • Die Medienebene: MedienmacherInnen sind MeinungsbildnerInnen ersten Grades. Es liegt in ihrer Verantwortung, grundlegende Veränderungen zu initiieren und implementieren.

     

    Und hier hat sich durchaus bereits etwas getan. Als langjähriger Chefredakteur von Radio Afrika sowie von Tribüne Afrikas Print (eine Printbeilage in der Wiener Zeitung von April 2000 bis März 2005), Mitbegründer und Redaktionsleiter von Afrikanet und aktiver Beobachter der österreichischen Medienszene im Bezug auf Schwarze Menschen aus Afrika und der Diaspora konnte ich in den letzten fünf Jahren folgende positive Entwicklungen feststellen:
    - Eine journalistische Wende in der Berichterstattung über Afrikanerinnen und Afrikaner in Österreich. Immer mehr einzelne JournalistInnen sowie Zeitungen vermeiden es stark, nur das Bild des drogendealenden Afrikaners zu zeigen. Das sind keine News mehr.
    - Immer öfter werden Personen der African Communities kontaktiert, um als Subjekte ihrer eigenen Geschichten zu fungieren.
    - Immer mehr Medien und JournalistInnen lassen sich von erfahrenen Mitgliedern der African Communities gern beraten, wenn sie über diese berichten wollen. MitarbeiterInnen unseres Internet Infoportals Afrikanet.info haben in den letzten zwei bis drei Jahren viele Anfragen von JournalistInnen aus mehreren Mainstream-Medien erhalten. Wir werden als BeraterInnen eingesetzt, damit die journalistische Arbeit in den Mainstream-Medien über uns nicht verzerrt bleibt. Und eines ist klar ersichtlich: Es gibt einen grossen Unterschied zwischen Berichten die mit uns gestaltet werden und Berichte die über uns erscheinen. Was noch vor drei Jahren nicht möglich war: Die African Communities werden wahrgenommen. Nicht mehr als Objekte sondern als Subjekte.

    Warum wächst das journalistische Interesse, AfrikanerInnen umfassend darzustellen?

  • Ein Verdienst der African Communities: Vor zehn Jahren haben die African Communities mit der Entstehung von Radio Afrika auf ORF MW 1476 begonnen, sich zu organisieren um eigene Bilder und Botschaften produzieren zu können. Der Durchbruch fand mit offener Medienkritik statt. Zuerst auf einzelnen Personen konzentriert nahm die Kritik zu, als das "Aktionskomitee Schwarze Menschen in der Öffentlichkeit" gegründet wurde. Ziel dieses Komitees war es, die österreichische Medienlandschaft zu beobachten und Lob sowie Kritik an den jeweiligen Stellen zu deponieren, um eine "objektive" Betrachtung von Schwarzen Menschen in Österreich zu erreichen.

     

    Heute haben wir im Raum Wien Initiativen wie Radio Afrika und Afrika TV (www.radioafrika.net), Radio BIG und Discover TV ( www.discovertv.at ). In Raum Linz das Programm "Voice of Africa" auf Radio FRO ( www.fro.at ). Im Raum Klagenfurt können AfrikanerInnen die Sendung "Zion Train", eine wöchentliche Sendung von Radio Agora, hören.

    In Graz greifen HörerInnen auf Programme von African Time auf Radio Helsinki 92,6 zu. Gehört wird meistens Afrikanische Musik, News aus den eigenen Communities sowie Diskussionen über aktuelle Themen.

     

  • Die österreichische Zivilgesellschaft: Die österreichische Zivilgesellschaft hat bei der Verbreitung alternativer und differenzierter Nachrichten über die African Communities eine große Rolle gespielt – und sie spielt diese Rolle bis heute.

     

     

  • Die Entstehung von freien Medien: Freie Meiden – wie ORF MW 1476 (http://1476.orf.at ), Radio Orange (Wien, http://www.orange.or.at), Radio FRO (Linz, http://www.fro.at), Radio Agora (Kärnten, http://www.agora.at) oder Okto TV im Raum Wien (http://www.okto.tv) – haben den Raum für die Selbstdarstellung der Afrikanischen Communities geschaffen und geboten.

     

    Nächste Ziele

    Diese Initiativen sind wichtig für uns AfrikanerInnen in Österreich, da wir so über uns in den unterschiedlichsten Kanälen berichten können. Das alleine greift aber zu kurz. Viele dieser Medieninitiativen werden in einer großen Mehrheit von AfrikanerInnen konsumiert und nur von wenigen ÖsterreicherInnen. Umgekehrt bringen nur wenige AfrikanerInnen Interesse für Mainstream-Medien auf, die aber eine große Mehrheit von Österreichern erreichen. Diese Ghettoisierung auf beiden Seiten möchten wir überwinden.

    Die Eroberung der Redaktionen von Mainstream-Medien durch JournalistInnen afrikanischer Herkunft gehört zu den Wegen, die wir zu gehen versuchen. Um dieses Ziel zu erreichen, brauchen wir eine starke Kooperation mit hier ansässigen Medienmachenden und Medienschaffenden. (Fremde Feder von Simon Inou, derStandard.at)

  • Zur Person

    Simon Inou lebt als Journalist in Wien. Er ist Chefredakteur des Online Magazin AFRIKANET, des ersten Informationsportals betreffend Menschen afrikanischer Herkunft und ihrer Diaspora im deutschsprachigen Raum. Er wurde mehrmals für seine Arbeit ausgezeichnet.

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    18 Postings
    derpradler
    09.03.2007 16:03
    schwarze Kinder in den Öffentlichen

    werden regelmäßig beschimpft.......und wenn nicht von den primitiven Glatzen dann von denn ganz ALTEN!

    real_schlimm_edi  
    08.03.2007 21:57
    Der Titel: fremdes Ö. ...

    z.B. ich kenne einen "schwarzen" Cubaner bei dem ich vergessen habe das er schwarz und kein Ösi ist, weil das im Gespräch mit ihm humorvoll, gegenseitig informativ, zwanglos und ohne Vorurteile(wozu auch) war und ist. Er erzählte mir das er in Ö. einige Male versichern musste das er Cubaner ist um eben Vorurteile die Ösis gegenüber schwarze NichtcubanerInnen haben zu verflüchtigen...
    zurück zu "fremdes Ö." :
    Weder Ihm noch mir ist Ö. fremd, weder Ihm noch mir ist Cuba fremd...
    ... Fremd ist der Fremde nur in der Fremde !
    (Er lebt übrigens in Havanna weil Ihm die paar Wochen in Wien gerreicht haben ;-) )

    argumentieren bitte
    09.03.2007 14:24

    ein Kubaner, der 1. es sich aussuchen konnte, wo er leben will,
    2. Havana vorzog?

    herziges gschichtl...oder ein äußerst privilegierter freund

    real_schlimm_edi  
    08.03.2007 23:08
    Anbei

    ist auch mir als Ösi Österreich oft fremd !
    z.B. wenn laut "Dokumente" (ORF) österr. StaatsbürgerInnen die Polizei konsultieren müssen weil sie sonst nach türkisch/muslimischen Gesetzen zwangsverheiratet werden würden.
    z.B. wenn MuslimInnen in der oben erwähnten Sendung behaupten das es eine Schande ist einEn ÖsterreicherIn zu heiraten...

    Also zur Beruhigung: Ö. ist auch ÖsterreicherInnen fremd...

    Rotz Pipm
    09.03.2007 13:26
    mich befremdet oesterreich auch gelegentlich.

    und war wenn ich zb hoere, lese, dass 3 polizisten, also staatsdiener eines demokratischen oesterreichs - die von meinem steuergeld bezahlt werden - einen afrikanischen asylwerber vor seiner geplanten abschiebung, gegen die er sich logischerweise wehrt (wer laesst sich schon gern in ein land zurueckschieben, aus dem man vor politischer verfolgung geflohen ist), halb tot pruegeln und treten, mit dem auto ueberfahren, um dann ein paar monate spaeter wieder ihren dienst zu schieben?

    das find ich mehr als befremdlich.

    Der Specht
    08.03.2007 18:06

    Zeitungen zu verurteilen, weil sie ethnische Hintergründe von Straftätern erwähnen, halte ich für problematisch. Natürlich ist ethnische Herkunft ein Faktor, der nicht einfach auszuklammern ist. Diese Art der Realitätsbereinigung führt nicht zum Abbau von Vorurteilen sondern trägt den Beigeschmack der Vertuschung. Wenns ein Wiener war, stehts ja auch dort.

    Rotz Pipm
    09.03.2007 13:28
    mehr schlecht als recht, herr specht.

    meine kinder sind zb alle 3 schwarz, geboren in wien.

    Tante des .....
    03.09.2008 12:47

    das würde ich meinen kindern nicht zumuten

    Stefan Kaindlstorfer
    09.03.2007 12:27

    <snip>Wenns ein Wiener war, stehts ja auch dort.</snip>

    ein schwarzer, der seit jahren, oder ev. sogar jahrzehnten in wien lebt oder - gott steh uns bei - gar in wien geboren ist, bleibt der sein leben lang ein schwarzer, kann, darf und wird dann also nie ein wiener sein?

    sind also nur die weissen echte wiener, oder warum steht bei denen dann nicht "weisser" wiener dabei?


    dd1213a12
    09.03.2007 07:48
    Für problematisch

    halte ich in erster Linie die Herangehensweise von Medien wie des Kleinformats, die teilweise mit offenem Rassismus bestimmte Strömungen in der Bevölkerung immer wieder anfacht.
    In wievielen Augen besonders Schwarzafrikaner noch immer als Menschen zweiter Klasse gelten, die ihren Lebensunterhalt mit Drogendealen bestreiten, die nichts anderes zu tun haben als "uns auf der Tasche" zu liegen, schreit zum Himmel. Aber solange bestimmte Politiker solche Zustände ungestraft nur als Mittel "zur persönlichen Profilierung" begreifen, wird sich auch in der Bevölkerung keine andere Sicht der Dinge durchsetzen.
    "Wenns ein Wiener war"...Schwarzafrikaner werden eben kaum als Wiener sondern höchstens als Fremdkörper wahrgenommen.

    Andreas Prucha  
    09.03.2007 00:58

    Hmm, na ned unbedingt. Wennst dir die Kronenzeitung anschaust, dann sind ein paar Gramm Heroin oder sonst was bei Afrikanern eine ganze Seite wert und im Artikel wird 20 mal hervorgehoben dass es Afrikaner waren. Bei Österreichern findet sich ein ähnliches Delikt nur irgendwo in einer Randspalte.

    duke box
    09.03.2007 10:18

    weil eben viel mehr österreicher als afrikaner dealen :-)

    maria grimm
    08.03.2007 23:59
    Mal abgesehen davon, dass "Wiener"-sein keine ethnische Zugehörigkeit darstellt,

    müsste dann dann doch auch bei Weissen die Ethnie explizit erwähnt werden. Also zB bei Bankräubern, Vergewaltigern, Mördern, Alkolenkern, Kinderschändern, Drogenhändlern (jaja, gibts auch in Weiss und nicht so wenige) und anderen netten Zeitgenossen.
    Wir wollen doch nichts vertuschen....

    zwan 
    08.03.2007 23:38

    Aber dieses Stückelchen Information bräuchte ich nicht. Mir ist komplett egal, woher dieser oder jener Bankräuber, Drogendealer oder Oberstaatsanwalt kommt - nur kann man durch das gezielte Einfügen schon von alleine fast meinungsbildend agieren.

    Genauso wie die Krone so gerne über "türkische Buben" oder "afrikanische Männer" schreibt, die sich wieder irgendwo geprügelt oder etwas gestohlen haben, und dabei leider vergisst, dass der großteil der türkischstämmigen Jugendlichen in Österreich längst auch einen österreichischen Pass hat. Und nur wegen eines ausländischen Namens ist man noch kein Ausländer.

    Der Specht
    09.03.2007 12:36

    Der Punkt ist, dass man nichts bewusst weg lassen soll. Natürlich ist es genauso schlecht, tendenziös zu formulieren. Das ist aber eine andere Baustelle. Tendenziöse Berichterstattung findet man hier in dieser Zeitung übrigens auch. Siehe zB Berichte über Polizei und angebliche oder tatsächliche Übergriffe. Als Journalist steht man idealerweise auf keiner Seite und kann Dinge so schildern, wie sie sind. Inklusive aller Details.

    Rotz Pipm
    09.03.2007 13:33
    Der Punkt ist, dass man nichts bewusst weg lassen soll.

    komisch, warum lauten denn dann die schlagzeilen nie:

    - weisser wiener hat seine frau halb tot gepruegelt!
    - weisser tiroler vergewaltigt ueber jahre tochter!
    - weisser oesterreicher ueberfaellt bank in der mariahilferstrasse!

    ich glaube fast, dass da bewusst was weggelassen wird. oder bei anderen artikeln eben bewusst etwas nicht weggelassen wird.

    DerNicknameSagtEhSchonAlles
    08.03.2007 17:11
    es soll aber schon mal gesagt werden ...

    ... dass wenn es um auslaenderfeindlichkeit immer um auslaenderfeindlichkeit geht und fast nie um auslaenderinnenfeindlichkeit ... soll sich jeder selbst denken warum ...

    Karl Steinscheisser
    08.03.2007 16:56
    guter mann!

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