Das Hütteldorfer Wohlbefinden

2. März 2007, 13:17
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Rapid ist vor eigenem Publikum gegen Altach passabel gestartet und muss sich wohl nicht mehr um den Abstieg kümmern

Wien - "Zufrieden stellend, absolut in Ordnung", sagte Präsident Rudolf Edlinger, und er bekundete spontan seine Zuneigung zu den aktuellen Rapidlern. "Ich könnte ja von vielen der Großvater sein, das sind wirklich anständige Buam, die sind mir richtig ans Herz gewachsen."

Ein 2:1 gegen den Giganten Altach kann schon Emotionen auslösen, da wallen Gefühle. Edlinger meinte, dass "wir vor ein paar Monaten so eine Partie sicher verloren hätten". Er spielte auf den zwischenzeitlichen Ausgleich durch Leonardo an. "Früher hätten wir uns von diesem Schock nicht mehr erholt. Das ist der Unterschied." Wobei er den Beweis für diese These natürlich nicht antreten konnte, aber so daneben dürfte er gar nicht gelegen sein.

Rapid ist also Siebenter, hat nun sechs von 22 Ligaspielen gewonnen (eigentlich armselig). Wobei der präsidiale Blick auf die Plätze sechs, fünf, vier oder drei, also rauf, gerichtet sein dürfte. "Aber vergessen wir nicht, dass die Zehn nach wie vor nahe ist."

Rapid war am Samstagabend jedenfalls relativ präsent. Vor 15.400 Zuschauern im Hanappi-Stadion, den Fans ist offensichtlich egal geworden, was unten auf dem Rasen passiert. Das macht diesen Klub ein bisserl unabhängig vom Erfolg, aber wirklich nur ein bisserl. Sportdirektor Alfred Hörtnagl debütierte in der Ehrenloge souverän, er lobte den Willen, den Charakter, die professionelle Einstellung. "Diese Attribute sind die Basis für eine positive Zukunft."

Das Gefühl

Darüber ein Urteil zu fällen, was Rapid anders macht als im verkorksten Herbst, wäre verfrüht. Ein Fußballspiel ist irgendwie auch kein Fußballspiel, und eine Schwalbe kann niemals der ganze Sommer sein. "Wir haben wieder das Gefühl, gewinnen zu können", sagte Steffen Hofmann. "Aber wir brauchen noch Zeit, bis wir wirklich voll drinnen sind. An der Qualität liegt es nicht."

Marek Kincl hat beide Tore geschossen (und sein Konto somit verdoppelt). Diese Steigerung hat sich in der Vorbereitung angekündigt. Der Vertrag des 34-jährigen Tschechen läuft im Sommer aus, er würde liebend gern in Wien bleiben. Kincl hat quasi ein erstes Argument für eine Verlängerung geliefert. "Tore sind das Brot für einen Stürmer. Ich brauche nur Flanken, dann werden wir alle satt."

Trainer Peter Pacult betrachtete die persönlichen und öffentlichen Erwartungen als erfüllt. "Ich rechnete mit einem Arbeitssieg, ich bekam einen. Es war noch ein wenig Sand im Getriebe, aber es zählen die drei Punkte, über die wir uns freuen." Trainer werden mitunter an Einwechslungen gemessen, Pacult brachte in der 56. Minute Ümit Korkmaz. Für den frisch erworbenen Branko Boskovic, der an der linken Seite durch Unauffälligkeit aufgefallen ist. Und Korkmaz rannte drauflos, bereitete das 2:1 vor, worauf Pacult des "glücklichen Händchens" beschuldigt wurde. Der zweite Neuling, Hannes Eder, verteidigte an der rechten Seite passabel. In der 78. Minute hätte er freilich des Feldes verwiesen werden müssen, er sprang Leonardo mitten auf die Brust. Schiedsrichter Thomas Steiner beließ es bei der gelben Karte. "Ich bin vermutlich zu nahe gestanden." Eder wurde zum fünften Mal verwarnt, er fehlt am Sonntag gegen die Austria. Altachs Trainer Michael Streiter: "Bei einem Derby hätte so ein Foul eine Gerichtsverhandlung nach sich gezogen."

Die Geilheit

Tormann Helge Payer, der diesmal Ruhe und Kompetenz ausstrahlte, fand Rapids Start "geil. Auch das Derby wird geil. Und es ist geil, dass ich wieder der bin, der ich war." Präsident Edlinger: "Alles absolut zufrieden stellend." (Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe 26.02.2007)

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    Trainer Peter Pacult bekam das, womit er gerechnet hatte.

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