"Es ist keine SAP eingestiegen"

19. März 2007, 16:11
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Update-CEO Thomas Deutschmann im Interview über den CRM-Markt, Wachstums­strategien und den überraschenden Einstieg der norwegischen SuperOffice

derStandard.at: Wenn man das Wort CRM googelt, so gewinnt man den Eindruck, das Thema interessiert derzeit nicht gerade brennend...

Thomas Deutschmann: Da muss ich sanft widersprechen. Jedes Unternehmen ist mit jedem auf drei Gebieten im Wettbewerb: Produktführerschaft, operative Excellenz (etwas billiger besser, schneller herstellen können, so wie Dell, das ist ein asiatisches Thema). Und dann geht es um Costumer Intimacy und dafür hat die update software AG die Werkzeuge.

derStandard.at: Gibt es also noch Potenzial?

Deutschmann: Die Sättigung liegt bei 40 Prozent. Das meist verbreitete Werkzeug ist immer noch Excel, da gibt es also noch eine Menge Potenzial.

derStandard.at: In welche Richtung werden Ihre Kundenmanagementlösungen weiterentwickelt? Welche Trends gibt es in der CRM-Entwicklung?

Deutschmann: Wir haben die Flexibilität erhöht. Das heißt Lösungen sind noch mehr auf die Bedürfnisse der einzelnen Kunden zugeschnitten. Das Costumizingpotenzial wurde also erhöht. Inhaltlich haben wir eine analytische Komponente (Business Intelligence) hinzugefügt.

derStandard.at: Wie sieht es mit dem Marktwachstum aus?

Deutschmann: Das liegt bei 7 bis 8 Prozent. Wir wachsen rund dreimal so stark.

derStandard.at: Rettungseinsatz für Update.com hieß es noch vor Ihrer Zeit. Ist das Unternehmen nun endgültig im sicheren Hafen eingelaufen?

Deutschmann: Ich bin 2002 in eine Firma gekommen, die ein Verfallsdatum hatte. Die Situation war schwierig, aber wir hatten gute Kunden. Als ich kam, zählte das Unternehmen 180 Mitarbeiter - heute haben wir 200.

derStandard.at: Das letzte Jahr ist ja recht positiv verlaufen...

Deutschmann: ...nicht nur das letzte, sondern auch das vorletzte und vorvorletzte.

derStandard.at: Das Wachstum war 2006 in Ihrem Unternehmen mit 25 Prozent mehr Umsatz und einem Anstieg des Ebit um 38 Prozent recht gut. Was waren die Erfolgsfaktoren? Die gute Konjunktur?

Deutschmann: Na, wenn man drei Mal so stark wächst wie der Markt, dann müssen wir schon auch etwas besser machen. Dazu zählt sicher auch unsere Industriefokussierung und die Territorialexpansion und die Tatsache, dass wir viel Geld in die Produktentwicklung stecken.

derStandard.at: Wieviel?

Deutschmann: 25 Prozent, das ist auch für Softwarefirma viel. Dafür haben wir ein Premiumprodukt.

derStandard.at: Wie läuft es derzeit im Ausland?

Deutschmann: In Tschechien sind wir seit den 90er Jahren, in Polen seit 2005 und in Ungarn seit 2004. Das sind die drei in den EU-10, dort sind die Ausgaben für IT insgesamt allerdings in absoluten Zahlen (Gesamtausgaben) so hoch wie in den Niederlanden. Aber wir verdienen damit Geld. Für einen Mittelständler wie uns ist eine Million darstellbar, für eine Microsoft nicht. Was unsere Territorialexpansion betrifft, so wachsen wir auch mit unseren Kunden mit. Wir machen kein Büro in den USA auf mit 15 Leuten im Vertrieb, sondern wir gehen mit unseren Kunden mit, zum Beispiel mit Boehringer Ingelheim in die USA. Das ist zunächst supportgetrieben.

derStandard.at: Die Mitglieder des Aufsichtsrates haben Anfang Februar ihre Zustimmung für die vom Vorstand geplante Akquisition eines Softwareunternehmens in Westeuropa gegeben. Was fehlt Ihnen bzw. wo fehlt Ihnen etwas?

Deutschmann: Die Verhandlungen machen gute Fortschritte. Da kann ich noch nicht mehr dazu sagen. Diese Akquisition wird eine unserer organischen Wachstumssäulen stützen, wie schon der Kauf der Regware unsere Kompetenz in Pharma untermauert hat oder die Process4E unsere Präsenz in Osteuropa.

derStandard.at: Die norwegische SuperOffice ist jüngst als Großinvestor eingestiegen. Müssen Sie sich vor einer feindlichen Übernahme fürchten?

Deutschmann: Ich fürchte mich davor, dass ein Kind krank wird... Der Einstieg kam überraschend, wir werden nun Vorschläge wohlwollend prüfen. Unsere Marktkapitalisierung liegt bei 60 Millionen, SuperOffice bei 90 Millionen. Damit ist also keine SAP eingestiegen... Es gibt ja außer Übernahmen auch andere Möglichkeiten.

derStandard.at: Wie sieht es mit der kolportierten Notiz in Wien aus?

Deutschmann: Es gibt auf Aktionärsseite eine Diskussion darüber. Das müsste aber rechnerische und strategische Vorteile haben.

derStandard.at: Wie geht es 2007 weiter?

Deutschmann: Mit weiterem Wachstum. Wir streben einen Umsatz von 27,4 Millionen Euro an, bei einem operativen Ergebnis von 3,3 Millionen. (Regina Bruckner)

update software AG ist Anbieter von Softwarelösungen für das Kundenbeziehungsmanagement (CRM). Das Unternehmen mit Sitz in Wien beschäftigt rund 200 Mitarbeiter.

update
  • Thomas Deutschmann stieß 2002 zu update. Stationen seines Berufslebens: Gründer des Internetdienstleisters Mybau AG, Compaq, Netscape Deutschland und Sequent USA.
    foto: update

    Thomas Deutschmann stieß 2002 zu update. Stationen seines Berufslebens: Gründer des Internetdienstleisters Mybau AG, Compaq, Netscape Deutschland und Sequent USA.

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