Pressestimmen: "Doppelstrategie der USA"

2. März 2007, 12:32
4 Postings

La Repubblica: "Im Weißen Haus nimmt die Fraktion der Pessimisten zu"

Stockholm/Rom/Paris/London/Budapest - Internationale Pressekommentare zur Entwicklung im Konflikt um das iranische Atomprogramm:

"La Repubblica" (Rom):

"Auf die Drohung Teherans, das auf die Weiterführung seines Atomprogramms besteht, reagieren die USA mit einer Doppelstrategie: Sie bestätigen (durch Condoleezza Rice) den Weg der Diplomatie und bieten einen Dialog an; aber sie entwickeln zugleich die worst-case-strategy, das Szenario für den schlimmsten Fall, indem sie die Pläne für einen militärischen Angriff perfektionieren.

Im Weißen Haus nimmt die Fraktion der Pessimisten zu, das sind diejenigen, die darauf beharren, dass der Iran keinerlei Absichten hegt, das Atomprogramm zu beenden und dass das Land innerhalb von ein paar Jahren in der Lage wäre, eine erste Atomwaffe zu testen. Und in der Frage, wie man dem Iran (im Falle eines Scheiterns der Diplomatie) militärisch begegnen könne, sind die Strategen im Pentagon bereits seit mehr als zwei Jahren an der Arbeit."

"Le Figaro" (Paris):

"Sicher, da kommen provozierende Botschaften aus Teheran, die allerdings gleichzeitig von gemäßigteren Signalen begleitet werden. Zwar scheint sich der Iran dem Willen der internationalen Gemeinschaft in der Atomfrage zu widersetzen, doch sind seine Führer weit davon entfernt, die Türen für Verhandlungen zugeschlagen zu haben. (...). Wonach aber strebt Teheran? Suchen die Iraner die Anerkennung, die Washington ihnen nicht zugestehen will? Oder ist es ihr Ziel, den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zu spalten? Angesichts der wachsenden Bedrohungen prüft die iranische islamische Republik in jedem Fall alle verfügbaren Optionen."

"Independent" (London):

"Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad zeigt kein Zeichen einer Kursänderung. Aus Teheran strömt weiterhin aufrührerische Rhetorik. Das iranische Staatsfernsehen verkündete erstmals den Abschuss einer Rakete in den Orbit. Trifft dies zu, würde das bedeuten, dass es keine technologische Barriere für iranische Langstreckenraketen gibt. Es ist schwer, das Timing dieser Ankündigung anders zu betrachten als eine Provokation."

"Nepszava" (Budapest):

"Mahmoud Ahmadinejad hat die iranische Politik so charakterisiert, als ob er nicht der Präsident dieses mittelöstlichen Landes wäre, sondern sein eigener Ankläger. Er verglich (die Atompolitik des) Iran mit einem Zug, der weder eine Bremse noch einen Rückwärtsgang hat. (...) Dass die Regierungspolitiker der USA nicht geneigt sind, einen Militärschlag gegen den Iran auszuschließen, obwohl sie wissen, dass Derartiges keine reale Basis hat, gehört zur Praxis des Druckausübung.(...) Nun spricht der iranische Vize- Außenminister schon darüber, dass sein Land das Atomprogramm auch durch einen Krieg zu verteidigen bereit sei. Die Welt muss aufpassen, dass sie nicht den kühlen Kopf verliert." (APA)

Share if you care.