Tote bei Explosion in Ministerium - Vizepräsident verletzt

26. Februar 2007, 18:30
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USA: Lager mit vermutlich iranischen Waffen entdeckt - Präsident Talabani gesundheitlich angegriffen

Bagdad - Der irakische Vizepräsident Adel Abdul Mahdi ist am Montag einem Bombenanschlag in Bagdad mit leichten Verletzungen entkommen. Er wurde von der Wucht der Detonation zu Boden gerissen und erlitt Prellungen, wie die Polizei in Bagdad mitteilte. Auch Bauminister Riad Ghraib sei leicht verletzt worden. Mindestens vier Menschen wurden nach Krankenhausangaben bei der Explosion im Bauministerium getötet, 26 weitere wurden verletzt. Andere Quellen sprachen von zehn getöteten Zivilpersonen.

Der Schiit Abdul Mahdi ist einer von zwei Vizepräsidenten des Irak. Die Polizei ging zunächst von einem Autobombenanschlag aus. Später erklärte sie, der Sprengsatz sei in dem kommunalen Regierungsgebäude versteckt gewesen, in dem Abdul Mahdi bei einer Konferenz eine Rede hielt. Der blutige Anschlag habe vermutlich ihm gegolten.

Minister leicht verletzt

Mahdi habe ein paar Schrammen davongetragen und sei nach einer Untersuchung im Krankenhaus in sein Büro zurückgekehrt, teilte ein Abgeordneter der Vereinigten Irakischen Allianz mit. Der Bauminister sei zunächst ins Krankenhaus eingeliefert, dann aber entlassen worden. Zunächst hatten Sicherheitskräfte und Mitarbeiter mitgeteilt, die beiden Politiker seien unverletzt geblieben. In der Decke eines Konferenzraums des Ministeriums war nach Angaben des Abgeordneten ein Sprengsatz explodiert, als der schiitische Vizestaatschef den Raum betrat.

Beobachter werteten die Tat als Zeichen, dass die jüngste Sicherheitsoffensive irakischer und amerikanischer Soldaten die Gewalt seitens überwiegend sunnitischer Extremisten noch nicht in den Griff bekommen habe. Der sunnitische Vizepräsident Tarik al Hashemi beklagte indessen, bei der Offensive würden nicht alle Bevölkerungsgruppen gleich behandelt, so dass Menschenrechtsverletzungen nicht verhindert würden.

Hinweise auf Waffen aus Iran

Unterdessen verdichteten sich nach US-Angaben die Hinweise, dass die schiitischen Milizen im Irak logistisch vom Iran unterstützt werden. In Bakuba nordöstlich von Bagdad wurde ein Depot mit Waffen aus vermutlich iranischer Produktion entdeckt. Es enthielt so genannte sprenggeformte Projektile (EFP), die auch dickste Panzer durchdringen können und sich für besonders verheerende Sprengsätze eignen. Solche Projektile würden von iranischen Eliteeinheiten benutzt, betonte ein amerikanerischer Militärsprecher.

Die Fundstelle des Depots liegt in der von Sunniten dominierten Provinz Dijala, doch gibt es dort auch Gegenden mit schiitischer Bevölkerung. Neben den Komponenten für etwa 130 EFP-Geschosse seien auch 15 Raketen und gut zwei Dutzend Mörser gefunden worden, hieß es. Seit Beginn der jüngsten Sicherheitsoffensive vor rund zwei Wochen wurden den US-Streitkräften zufolge schon 63 Waffenlager ausgehoben.

Talabani erkrankt

Der irakische Präsident Jalal Talabani wurde unterdessen in Jordanien medizinisch behandelt. Er erhole sich von Erschöpfung und einer leichten Lungenentzündung, erklärte der irakische Botschafter Saad al Hayani in Amman. Der Präsidentenpalast hatte zuvor Berichte zurückgewiesen, der kurdische Politiker habe einen Herzanfall erlitten. Der 73-Jährige war am Sonntag zusammengebrochen. (APA/AP/AFP/Reuters/dpa)

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    foto:ep/khalid mohammed
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