Börsegang der Telekom droht ein Milliardengrab zu werden

21. Juli 2000, 17:29

Regierungs-Börsepläne enthalten Sprengstoff


Luise Ungerboeck

KOMMENTAR
Frosch bleibt Frosch
Die Telekom Austria hat den Umbau von einem beamteten Monopolbetrieb zu einem marktorientierten Dienstleistungs- konzern erst zum Teil geschafft. Von Eric Frey
Wien - Das Ringen um den Börsegang der Telekom Austria (TA) geht in eine heiße Phase. Nicht nur, weil sich die Eigentümer - Telecom Italia (TI) hält 25 Prozent plus eine Aktie - beim Businessplan nicht einig sind, sondern weil die Privatisierung über den Aktienmarkt ein Milliardengrab für die Republik Österreich werden könnte.

Die Regierungs-Börsepläne enthalten nämlich Sprengstoff: Wenn der für November angepeilte Börsegang zu einem Emissionskurs stattfindet, der über 25 Prozent unter dem seinerzeit von TI bezahlten Kaufpreis liegt, müsste die Republik Österreich die Differenz an TI bezahlen. So steht es im Syndikatsvertrag, den ÖIAG-Finanzchef Johannes Ditz (damals als Finanzchef der Post & Telecom Austria AG [PTA], Anm.) maßgeblich mit verhandelt hat.

Italo-Zuschlag

TI hatte im Herbst 1998 für 25 Prozent und eine Aktie 27,3 Milliarden Schilling (1,98 Mrd. €) bezahlt. Der damals ermittelte Gesamtwert der TA betrug zwar nur 81,9 Mrd. S, inklusive des so genannten Paketzuschlags - ein bei großen Aktienpaketen üblicher Aufpreis, der normalerweise zwischen 15 und 25 Prozent des Vertragswerts liegt -, bezahlten die Italiener also mehr als vier Mrd. S mehr als der Mitbewerber Ameritech.

Dafür bekamen die Italiener nicht nur weitreichende Rechte, sondern auch großzügige finanzielle Absicherungen. Konkret heißt es unter Punkt 17 des Vertrags: "Die Zustimmung (zum Börsegang, Anm. d. Red.) ist nicht erforderlich, sofern der Verkaufspreis pro Aktie laut öffentlichem Angebot nicht weniger als 75 Prozent des von Stratco gemäß Punkt 2.1 des Aktienkaufvertrages bezahlten Kaufpreis pro Aktie abzüglich eines allfälligen an Stratco bezahlten Fehlbetrages gemäß Punkt 2.4 des Aktienkaufvertrages beträgt."

Vor diesem Hintergrund ist klar, warum sich TI gegen einen großen Börsegang sträubt und nur zehn Prozent freigegeben will. Die Gewinnaussichten sind mehr als trist, heuer soll es nur mehr eine Milliarde S werden nach 3,6 im Vorjahr. Nächstes Jahr drohe sogar ein Flop mit Milliardenverlusten, meinen Kenner der Situation. Diese Vorgaben entsprechen weder den Erwartungen der TI noch jenen von Ditz.

Hält die Regierung am Börsegang fest, könnte ein finanzielles Desaster folgen, denn der erhoffte Erlös droht von den Abschlagszahlungen an TI aufgefressen zu werden. Matthias Winkler, der Sprecher von Finanzminister Karl- Heinz Grasser, betonte am Freitag dennoch, dass noch heuer 25 Prozent der TA an die Börse gebracht werden.

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