Aufdeckungsjournalist Hersh: Pentagon plant Angriff auf Iran

9. März 2007, 11:43
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"Wüsste nicht was Bush aufhalten kann" - "Viel Skepsis in Armeeführung" - Pentagon dementiert

Washington - Das US-Verteidigungsministerium ist nach Informationen des US-Enthüllungsjournalisten Seymour Hersh mit ernsthaften Planungen für einen Luftangriff auf den Iran beschäftigt. Falls Präsident George W. Bush den Befehl gebe, könnten die USA den Iran innerhalb von 24 Stunden angreifen, sagte der Pulitzer- Preisträger von 1970 am Sonntag dem US-Nachrichtensender CNN. Er habe den Eindruck, dass Bush nicht aus dem Amt scheiden werde, ohne etwas gegen den Iran zu tun. "Ich weiß nicht, was ihn aufhalten kann, weil er der Präsident ist", sagte Hersh.

Der gewöhnlich gut unterrichtete Hersh hat am Sonntag in den USA mit seinem Artikel im US-Magazin "The New Yorker" für erheblichen Wirbel gesorgt. Sowohl Verteidigungsminister Robert Gates als auch das Pentagon hatten vor Erscheinen des Beitrages versichert, dass es keinerlei Kriegsvorbereitungen gebe.

Spezielle Einsatzgruppe

Dagegen schreibt Hersh, dass die US-Armee nicht nur iranische Atomanlagen angreifen wolle, sondern auch jene Einrichtungen, die die Aufständischen im Nachbarland Irak unterstützten. Beim Generalstab im Pentagon sei eine spezielle Einsatzgruppe mit den Vorbereitungen der Angriffe beschäftigt.

"Derzeit laufe eine Feinabstimmung der Ziele", sagte Hersh. In der Armeeführung gebe es sehr viel Skepsis und einige hielten einen Angriff auf den Iran für keine kluge Entscheidung. Insbesondere die Kriegsflotte fürchte Angriffe iranischer Selbstmordboote auf die beiden Flugzeugträgerverbände im Persischen Golf.

Neuausrichtung der US-Politik

Hersh zufolge werde derzeit die US-Politik werde momentan neu ausgerichtet, um den Iran und die schiitische Bewegung zu untergraben, schreibt Enthüllungsjournalist Seymor Hersh in der jüngsten Ausgabe des US-Magazins "The New Yorker", das am Montag erscheint.

"Die 'Neuausrichtung", wie einige im Weißen Haus die neue Strategie nennen, bringt die USA näher an eine offene Konfrontation mit dem Iran", heißt es in dem Beitrag. Teil der neuen Strategie seien heimliche Aktivitäten im Libanon, Syrien und im Iran

"Ein Nebenprodukt dieser Aktivitäten ist, dass sunnitische Extremisten-Gruppen unterstützt werden, die eine militante Vision des Islams haben, mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida (al-Qaeda) symphatisieren und den USA gegenüber feindlich gesinnt sind", schreibt Hersh, der den Folter-Skandal im Gefängnis Abu Ghraib bei Bagdad mit aufdeckte.

Gelder für Radikale

Unter Berufung auf europäische und arabische Quellen berichtet Hersh weiter, dass US-Hilfen, die an sunnitische Gruppen im Libanon verteilt werden, teilweise in die Hände von Radikalen fallen. "Wir werfen mit Geld herum, so viel wie wir können", wird ein früherer US-Agent zitiert. Einige Gelder gingen "in mehr Taschen, als man denkt".

Ein ungenanntes Mitglied der Regierung des libanesischen Ministerpräsidenten Fouad Siniora sagte dem "New Yorker": "Wir haben eine sehr liberale Einstellung, die es erlaubt, Al-Kaida-Ablegern hier präsent zu sein."

Pentagon dementiert Planungsgruppe

Das Pentagon hat dementierte, dass es im Büro des gemeinsamen Generalstabs der US-Streitkräfte eine besondere Planungsgruppe für einen möglichen Angriff auf den Iran gebe. Pentagon-Sprecher Bryan Whitman erklärte am Sonntag, er wisse nichts von einer solchen Planungsgruppe. Die USA bereiteten keinen Angriff auf den Iran vor, und das Gegenteil anzudeuten, sei "schlicht falsch, irreführend und bösartig".

Der Führer der Republikaner im Streitkräfteausschuss des Repräsentantenhauses, Duncan Hunter, sagte, der US-Geheimdienst konzentriere sich schon lange auf den Iran, vor allem wegen dessen Atomprogramm. "Wir haben Notfallpläne überall auf der Welt. Wir hatten Notfallpläne für die Sowjetunion und wir hatten auch bestimmte Ziele. Das bedeutet aber nicht, dass wir vorhatten, die Sowjetunion anzugreifen." (APA)

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