Auch Manager von Siemens Österreich im Visier

8. März 2007, 11:33
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"profil": Auch aus Österreich sollen Gelder in die "schwarzen Kassen" verbracht worden sein - Aussage eines Kronzeugen belastet

Wien - Wegen des Verdachts auf Schmiergeldzahlungen bei Siemens ermitteln derzeit Behörden in zahlreichen Ländern, die Finanzströme flossen dabei über Österreich, die Schweiz und die Karibik.

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "profil" dürfte nun auch die Siemens AG Österreich in die Affäre um geheime Schmiergeldkonten verwickelt sein. Nach Aussagen eines "Kronzeugen" der Affäre in Deutschland gerate die Wiener Tochter ins Visier der Ermittler. Das Magazin sieht Siemens-Chefin Brigitte Ederer und Finanzvorstand Harald Wasserburger in Erklärungsnot.

In Einvernahmeprotokollen der Staatsanwaltschaft München I, die dem Magazin vorliegen, spreche ein Beschuldigter von "Provisionszahlungen", die von der Kommunikationssparte Siemens Com Wien an Briefkastenfirmen geflossen sein sollen.

Kronzeuge

"In diesen Prozess (der Provisionszahlungen, Anm.) sind mit Sicherheit involviert: Herr Dr. Wasserburger aus Wien ...", nennt laut "profil" der Kronzeuge auch den Namen des aktuellen Siemens-Finanzvorstandes Harald Wasserburger, der zur fraglichen Zeit Bereichsleiter von Siemens Com war.

Weder Finanzvorstand Wasserburger noch Siemens-Chefin Ederer wollten auf "profil"-Anfrage zu den Anschuldigungen Stellung nehmen. Konzernsprecher Harald Stockbauer wies im Namen von Siemens Österreich "den Vorwurf ungesetzlicher Handlungen schärfstens zurück".

Die Staatsanwaltschaft München I gehe derzeit davon aus, dass eine Gruppe von Siemens-Managern sich über Jahre hinweg "zu einer Bande zusammengeschlossen haben, um fortgesetzt Untreuehandlungen zum Nachteil der Firma Siemens durch Bildung schwarzer Kassen im Ausland zu begehen". Insgesamt sollen mindestens 200 Mio. Euro veruntreut worden sein.

Siemens Österreich dementiert

Die Spitze von Siemens Österreich hatte bisher wiederholt versichert, der heimische Teilkonzern habe mit der ganzen Affäre nichts zu tun.

Am 20. November 2006 musste sich laut "profil" Reinhard Siekaczek, bis 2004 leitender Angestellter bei Siemens Deutschland, einer von mittlerweile mehreren Einvernahmen durch die Staatsanwaltschaft München I stellen. Der Mann gilt auf Grund seiner manifesten Auskunftsfreude mittlerweile als eine Art Kronzeuge. Was er an jenem Tag den Staatsanwälten ins Protokoll diktierte, dürfte laut "profil" auch hierzulande Wellen schlagen.

"Eines Tages, ich denke, es war 2000 oder 2001, besuchte ich mit Herrn Dr. N. diverse Personen in Wien, namentlich bekannt ist mir noch Herr Dr. K., der offensichtlich zusammen mit einer Anwaltskanzlei eine so genannte Briefkastenfirma in Nikosia/Zypern als Geschäftsführer unterhält", wird Siekaczek laut "profil" zitiert. Und weiter: "Über diese Firmen wurden beziehungsweise werden offensichtlich Provisionszahlungen von Siemens Com Wien sowie von dem ehemaligen Bereich ICM (der Konzernbereich Information and Communication Mobile, Anm.) abgewickelt."

"Provisionszahlungen"

Der Begriff "Provisionszahlungen", das gilt dem Magazin zufolge für die Ermittler als erwiesen, war nichts anderes als eine Umschreibung von Schmiergeld.

Die Aussagen des 56-Jährigen - er wird der Untreue verdächtigt - stehen allerdings in krassem Widerspruch zu den Erklärungen von Siemens-Österreich-Chefin Ederer. "Österreich ist nicht betroffen", sagte sie Mitte Dezember 2006 anlässlich ihrer ersten Bilanzpressekonferenz an der Siemens-Spitze. Ederers damaliger Sitznachbar: Harald Wasserburger.

Er war ab dem Jahr 2001 Bereichsleiter von Siemens ICM und deren Nachfolgesparte Com in Wien, also jener beiden Bereiche, die laut Siekaczek an der Einrichtung schwarzer Kassen beteiligt gewesen sein sollen.

Wasserburger muss sich, wie es im Bericht heißt, jetzt zumindest die Frage gefallen lassen, ob und wie viel er von den Machinationen wusste - wie auch Ederers Vorgänger an der Siemens-Österreich-Spitze, Albert Hochleitner, oder der frühere Finanzvorstand Peter Schönhofer. (APA)

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