Hauptsache flexibel

28. März 2007, 14:58
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Für die Politik bedeutet bereits das Abgehen vom staatlich unterstützen Zweieinhalb-Jahres-Ausstieg eine Flexibilisierung - von Karin Moser

Flexibel müsse man sein, dann würde das mit dem Wiedereinstieg nach der Babypause schon funktionieren, wird jungen Müttern immer geraten. Gut, kein Problem. Das Baby? Ungemein kooperativ, was die Anforderungen der modernen Arbeitswelt betrifft. Die Mutter? Sowieso. Der Vater? Eh klar, wer was auf sich hält, kehrt den Super-Dad hervor (auch wenn in der Praxis mit Stand November 2006 nur 5758 Väter zu Hause waren). Bleibt: das Kindergeld. Und das soll ja ab 2008 flexibilisiert werden, wie es Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky und Frauenministerin Doris Bures so gerne bejubeln.

Bloß, eine Wahlmöglichkeit ist nicht gleich eine Flexibilisierung. Und wer sich zwischen 436 Euro für maximal 36 Monate und 800 Euro für 18 Monate entscheiden muss, hat noch lange keine Wiedereintrittskarte in den Job. Eine wirkliche Flexibilisierung wurde erst gar nicht angedacht. Wie in Island etwa, wo rund 80 Prozent der Männer in Karenz gehen. Wie das funktioniert? Um ein einkommensabhängiges Kindergeld (80 Prozent des Letztbezuges) zu beziehen, müssen die Isländer zumindest drei Monate beim Kind bleiben.

Nach den Vorstellungen der heimischen Politik bedeutet bereits das Abgehen vom staatlich unterstützen Zweieinhalb-Jahres-Ausstieg eine Flexibilisierung. Offen bleibt: wohin mit den Kindern, deren Mütter ab kommendem Jänner davon Gebrauch machen wollen? Bislang gibt es noch nicht einmal Einigkeit darüber, wie viele Kinderbetreuungsstellen überhaupt fehlen. Und schon gar nicht, bis wann diese auch tatsächlich zur Verfügung stehen. Und da wäre noch ein kleiner Haken: Sollten die Väter doch nicht, wie vorgesehen, zumindest drei Monate beim Kind bleiben, macht's auch nichts. Das volle Geld gibt es trotzdem. Papperlapapp, man muss halt flexibel sein! (Karin Moser/DER STANDARD, Printausgabe, 26.02.2007)

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