Fülle neuentdeckter Spezies im antarktischen Meer

4. März 2007, 17:48
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Census of Antarctic Marine Life fördert unter anderem Krebstiere, Seeanemonen und ein "neues" Nesseltier zu Tage

Bremerhaven - Bei einer Forschungsfahrt in bisher unerreichbare Gewässer vor der Küste der Antarktis haben Wissenschafter zahlreiche neue Tierarten entdeckt. Vorerst sind 15 unbekannte Krebsarten sowie eine Seeanemonen-Art und ein "neues" Nesseltier gefunden worden, teilte das Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven mit.

Die Expedition

Der deutsche Forschungseisbrecher Polarstern war bis Ende Jänner über zwei Monate im Weddellmeer, in den Gewässern rund um die Antarktische Halbinsel und in der Bransfieldstraße unterwegs. In den vergangenen zwölf Jahren waren insgesamt 10.000 Quadratkilometer Schelfeis abgebrochen. Dadurch wurden viele Bereiche des Meeresbodens freigelegt, die vorher für Schiffe unzugänglich waren.

An Bord waren 52 Wissenschafter aus 14 Nationen, die unter Leitung des AWI besonders die Veränderungen der Umweltbedingungen an der Antarktischen Halbinsel untersuchten. "Die neuen Ergebnisse werden uns ein gutes Stück weiter bringen, um die Zukunft unserer Biosphäre im Klimawandel vorhersagen zu können", sagte Expeditionsleiter Julian Gutt. Die Reise war Teil des "Census of Antarctic Marine Life" (CAML) - das Projekt arbeitet unter anderem an einer Bestandsaufnahme der Arten in dieser Region.

Lebensgemeinschaft ohne Sonne

Mit einem ferngesteuerten Unterwasserfahrzeug fanden die Forscher in 830 Metern Tiefe unter anderem eine kalte Quelle ("Cold Seep") - daraus steigt schwefel- und methanhaltiges Wasser auf. Davon können einige hoch spezialisierte Bakterien leben, die auf diese Weise die Grundlage für eine ganze Lebensgemeinschaft legen, die völlig ohne Sonnenlicht auskommt.

Bei Walbeobachtungen sichteten die Forscher Zwergwale häufig nahe am Packeis. Die sehr seltenen Schnabelwale zeigten sich hauptsächlich rund um Elephant Island. "Es war überraschend, dass die neuen Lebensräume so schnell besiedelt werden", sagte Meike Scheidat von der Universität Kiel.

Analyse dauert Monate

Die wertvolle Fracht - wissenschaftliche Daten und viele Tiere - ist jetzt auf dem Weg in die Heimatinstitute der Expeditionsteilnehmer. Im September sollen erste Ergebnisse vorgestellt werden. Die genaue Analyse wird noch Monate bis Jahre dauern. (APA/dpa)

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