Mugabes Feier am Rand des Ruins

19. März 2007, 11:45
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Der seit 1980 regierende Präsident ließ sich am Wochenende ausgiebig feiern - Das Volk leidet unterdessen unter bis zu 1600 Prozent Inflation

Zum 83. Geburtstag ließ sich Präsident Robert Mugabe, der in Simbabwe seit 1980 regiert, am Wochenende ausgiebig feiern. Das Volk leidet währenddessen unter bis zu 1600 Prozent Inflation und dem Eindruck, dass alles zusammenbricht.

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Seit beinahe sieben Jahren geht es mit Simbabwes Wirtschaft und dem Lebensstandard ohne Unterbrechung bergab. Die Lage verschlechtert sich auch dieses Jahr, doch mit einem beträchtlichen Unterschied: Die Geschwindigkeit hat sich erhöht. Die Inflation beträgt bis zu 1600 Prozent. Die Wirtschaftskrise gilt auch für den afrikanischen Kontinent als beispiellos.

Dennoch ließ Präsident Robert Mugabe, der seit der Unabhängigkeit seines Landes im Jahr 1980 regiert, am Samstag prunkvoll und vor 10.000 Menschen seinen 83. Geburtstag feiern. In Wahrheit aber hat sich der Niedergang so beschleunigt, dass Mugabe nun auch die Unterstützung von Teilen seiner eigenen Partei verliert.

Cholera-Ausbruch

In den vergangenen Wochen warnte die nationale Energiebehörde vor einem Ausfall der Energieversorgung. Ein Zusammenbruch der Wasserversorgung führte zu einem neuerlichen Ausbruch der Cholera in der Hauptstadt Harare. Marondera, eine Landeshauptstadt mit 50.000 Einwohnern im Osten Simbabwes, war von sämtlichen öffentlichen Infrastrukturleistungen abgeschnitten, nachdem der Stadt das Geld ausgegangen war, um beschädigte Anlagen zu reparieren. Chitungwiza, südlich von Harare, wird nur vier Tage in der Woche mit Strom versorgt. Vor zwei Wochen gewährte die Regierung allen Staatsbediensteten eine 300-prozentige Gehaltserhöhung. Diese gleicht jedoch nur einen Bruchteil der Inflationsrate aus.

"Alles bricht" In den vergangenen acht Monaten "sank der Lebensstandard total ab", sagt Iden Wetherell, Herausgeber der Wochenzeitung Zimbabwe Independent, "Gesundheitsversorgung und Ausbildung sind betroffen. Es herrscht das Gefühl, dass alles zusammenbricht". Auch Mugabe scheint das Glück verlassen zu haben. Im Dezember hat ihm die regierende Zimbabwe African National Union-Patriotic Front (ZANU-PF), die dem Willen des Präsidenten traditionell treu ergeben ist, die Unterstützung bei einer Verfassungsänderung versagt. Mugabe wollte sich seine Amtszeit, die 2008 ausläuft, noch einmal um zwei Jahre verlängern lassen. Eine Kluft ist nun in der Partei zwischen Mugabes Unterstützern und jenen, die ihn für den Ruin des Landes verantwortlich machen.

Attacke auf "Briten"

In seiner Rede am Samstag nahm Mugabe vor allem den Oppositionspolitiker Morgan Tsvangirai ins Visier, der die Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) anführt. Diese hatte erklärt, die aufwändige Geburtstagsparty - zu der auch Schulkinder geladen waren - zeuge nur von "schlechtem Geschmack". Tsvangirai und seine Partei seien "Marionetten der Briten".

Größeren Protesten hatte Mugabe gleich vorgebeugt: Seit vergangenen Mittwoch gilt für die Hauptstadt Harare ein dreimonatiges Demonstrationsverbot. Am Freitag hatte die Polizei zudem einer Veranstaltung der Opposition in der zweitgrößten Stadt Bulawayo einen Riegel vorgeschoben. (DER STANDARD, Printausgabe 26.2.2007)

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    Geburtstagsparty mit allem Zubehör: Simbabwes Robert Mugabe (83) am Samstag in Gweru im Zentrum des südafrikanischen Landes.

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