"Verbaler Schlagabtausch" - Untersuchungen zu Manola

5. März 2007, 12:17
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Wegen verbalen Schlagabtauschs mit einer ORF On-Mitarbeiterin - Franz Manola wird von Karl Pachner als Chef abgelöst

Bei ORF Online, der Internet-Tochter des ORF, gibt es seit einigen Tagen interne Querelen. Grund dafür ist die bevorstehende Ablöse von ORF On-Chef Franz Manola, die seit der Wahl des neuen ORF-Direktoriums von Online-Direktor Thomas Prantner forciert wurde.

Vergangenen Freitag dürfte die Situation eskaliert sein. Online-Direktor Thomas Prantner habe nach einem Zwischenfall zwischen Manola und einer Mitarbeiterin die "Suspendierung" des ORF On-Chefs betrieben. Aus verfahrenstechnischen Gründen kam es aber nicht zur frühzeitigen Abberufung Manolas, es wurden aber ORF-interne Untersuchungen eingeleitet. Ein angeblich ebenfalls im Raum stehender Streik der Mitarbeiter von ORF On wurde offenbar vorerst abgewendet. Betriebsrat Hartmut Schöbitz wundert sich im Gespräch mit etat.at: "Ein Streik stand nie im Raum, davon müsste ich wissen."

"Arbeitsrechtlich heikel und politisch delikat"

Online-Direktor Prantner wollte die Causa am Sonntag auf Anfrage der APA nicht kommentieren. Ähnlich der ORF On-Chef: "Ich möchte dazu absolut nichts sagen, weil die ganze Geschichte arbeitsrechtlich heikel und politisch delikat ist", so Manola zur APA. Zwischen Prantner und Manola gab es in der Vergangenheit diametral entgegen gesetzte Vorstellungen über die Online-Strategie des Unternehmens. Beobachter sprechen auch von einem "Philosophiestreit". Während Manola ORF.at als eigenständiges Medium positionierte und das Portal damit zum Marktführer machte, befürwortet Prantner eine stärkere Ausrichtung als crossmediale Plattform, die auch für Fernsehen und Radio intensiver genutzt werden soll.

Vergangenen Donnerstag wurde im ORF-Stiftungsrat mit Karl Pachner, zuletzt für die Digital-Strategie des öffentlich-rechtlichen Senders zuständig, ein neuer ORF Online-Chef bestellt. Rund um die Stiftungsratssitzung wurden von ORF On-Mitarbeitern nochmals Resolutionen zu der Personalentscheidung an das oberste Aufsichtsgremium versandt. Eine mehrheitliche Gruppe um Betriebsratschef Hartmut Schöbitz sprach sich dabei für den Verbleib Manolas aus, eine kleinere Gruppe plädierte per Mail an die Stiftungsräte für einen Wechsel an der Spitze der Internet-Tochter.

Sarkastische Bemerkung

Noch am Donnerstag sprach Manola eine der fünf Mitarbeiter an, die indirekt für seine Ablöse Manolas plädierten. Dabei sei es nach Informationen aus der ORF-Tochter zu Schreiduellen und einem verbalen Schlagabtausch zwischen Manola und einer Mitarbeiterin gekommen, Manola habe die Mitarbeiterin dabei politisch beschimpft. etat.at-Recherchen ergaben hingegen: Manola habe die Mitarbeiterin keineswegs politisch beschimpft, vielmehr eine sarkastische Bemerkung fallenlassen.

Nach Rücksprache mit Prantner sei die Sache in der Folge an ORF-Personalchef Wolfgang Buchner und an Generaldirektor Alexander Wrabetz gegangen. Manolas Aufgaben seien danach bis zum Vorliegen der Ergebnisse einer hausinternen Untersuchung ruhend gestellt worden, eine Abberufung war vorerst kein Thema.

"Vorfälle zwischen Manola und einer Mitarbeiterin"

Offiziell kommentiert man die Causa im ORF zurückhaltend. "Richtig ist, dass es in der vergangenen Woche Vorfälle zwischen Manola und einer Mitarbeiterin gab, die dem Generaldirektor bekannt gemacht wurden und ihn zu den notwendigen Schritten veranlasst haben, wie sie in einem guten und modernen Unternehmen ganz selbstverständlich sind und dem neuen Führungsstil von Generaldirektor Wrabetz im Sinne der Transparenz entsprechen", so ORF-Unternehmenssprecher Pius Strobl auf Anfrage der APA. Demnach gehe es um "behauptete verbale Entgleisungen, die schnell aufzuklären sind, da es bei diesem Vorfall eine Reihe von Zeugen gibt". Natürlich gelte die Unschuldsvermutung für den ORF On-Geschäftsführer. Strobl bestätigte, dass Manola formal weiter im Amt ist. "Er ist aber gut beraten, wenn er seine Tätigkeit ruhend stellt, solange die Untersuchungen laufen." Der Vorfall wird nun "im Auftrag des Generaldirektors von den zuständigen Stellen des Hauses umgehend und umfassend geprüft, wobei alle Beteiligten gehört werden". Ein Ergebnis erwartet Strobl bereits "Anfang nächster Woche".

Ex BZÖ-Sekretär unterzeichnete

Politisch delikat könnte die Causa auch deshalb sein, weil einer der Unterzeichner des Anti-Manola-Mails an die Stiftungsräte ehemals Sekretär des BZÖ-Ministers Hubert Gorbach war. Im ORF-Stiftungsrat stimmten die ÖVP-Vertreter des Aufsichtsgremiums der Bestellung von Pachner zum neuen ORF On-Chef nur unter der Bedingung zu, dass Manola erst mit Ende März - also einen Monat später als ursprünglich geplant - aus seiner Funktion scheidet. Eine frühzeitige Abberufung würde deshalb vom VP-"Freundeskreis" als Affront empfunden und könnte das ohnehin spärliche Vertrauen der Schwarzen zu ORF-Chef Wrabetz beeinträchtigen. Beobachter vermuten hinter den Aktionen gegen Manola deshalb auch einen orangen Versuch, einen Keil in eine mögliche Große Koalition im Stiftungsrat zu treiben. Strobl dementierte eine solche Sichtweise freilich: "Es gibt hier absolut keine politische Dimension, sondern nur eine für das Haus ORF unangenehme interne Angelegenheit, die nunmehr objektiviert werden wird. Ich gehe davon aus, dass alle Beteiligten das Ergebnis einer objektiven und umfassenden Prüfung akzeptieren werden."

Streik stand im Raum

Ein möglicher Streik im Zusammenhang mit der Angelegenheit soll übrigens vorerst abgewendet worden sein. Strobl ortete jedoch keine Anzeichen, dass ein solcher ins Auge gefasst worden sei. "Es gibt keinen Grund für Streikmaßnahmen, da es sich weder um einen legitimierte arbeitsrechtliche Maßnahme handeln würde noch ein Streikgegner sichtbar wäre. Vermutlich handelt es sich nur um Gerüchte und die Absicht, ohne realen Hintergrund Öl ins Feuer zu gießen", meinte ORF-Kommunikationschef Strobl dazu. ORF On-Betriebsratschef Hartmut Schöbitz wollte die Angelegenheit am Sonntag "überhaupt nicht kommentieren". Und auch zum Thema eines möglichen Arbeitskampfes gab sich der Arbeitnehmervertreter verschlossen. (APA)

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