Raucher strafen?

7. März 2007, 14:21
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Dass es ganz ohne Strafen nicht gehen wird, verrät jeder Besuch in einem durchschnittlichen heimischen Wirtshaus - von Irene Brickner

Mit der deutschen Anti-Raucher-Einigung - die freilich erst in allen Bundesländern durchgesetzt werden muss - drängt sich erneut ein Thema in den Vordergrund, dem man in Österreich, dem Land der Gleichheit vor allen Wirten, bisher ausgewichen ist: Der Frage, ob eher säumige Raucher oder Wirte, Kino-, Discobetreiber, die Raucher ungestört qualmen lassen, bestraft - wirklich mit Geldbußen belegt - werden sollen.

Keine 1000-Euro-Sanktionen in Österreich

In einer ersten Reaktion hat Österreichs Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky dem deutschen Vorschlag, die verbotene Pofelei als Ordnungswidrigkeit mit Geldstrafen zwischen fünf und 1000 Euro zu belegen, eine Abfuhr erteilt: Erst müsse evaluiert werden, ob die heimischen Gastronomen nicht auch freiwillig zum Nichtraucherschutz bereit seien - und selbst, wenn sich herausstellen sollte, dass nicht, werde es keine 1000-Euro-Sanktionen geben.

Kulanz

Das ist echte österreichische Kulanz, doch sie ignoriert die Folgerichtigkeit der deutschen Strafankündigung ebenso wie jene drakonischer Strafbestimmungen etwa in Irland, wo der verbotene Griff zum Glimmstängel bis zu 3000 Euro kosten kann. Dass es ganz ohne Strafen nicht gehen wird, verrät jeder Besuch in einem durchschnittlichen heimischen Wirtshaus. Dass freiwillige Selbstbeschränkung mit effizientem Nichtraucherschutz unvereinbar ist, wird wohl auch Kdolsky mittelfristig einsehen müssen.

Entmündigung

Bleibt die Frage, ob es wirklich wünschenswert ist, aus dem Rauchen ein Verwaltungsdelikt zu machen - und hier sei Skepsis angemeldet. Auf Zigaretten zu verzichten ist vernünftig und erhält die Gesundheit. Jemanden strafen, der mündig ist und dennoch raucht, trägt jedoch Züge der Entmündigung: eine Art Prohibition mit mittelfristigen Negativfolgen. (Irene Brickner, DER STANDARD Printausgabe 26.2.2007)

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