Ins Energiesparbuch geschrieben

7. März 2007, 14:21
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Energiepolitik muss dort ansetzen, wo eine hohe Hebelwirkung zu erzielen ist - Von Johanna Ruzicka

Im Zusammenhang mit der hoffentlich kommenden, effizienteren österreichischen Klima(schutz)politik wird immer wieder auch das Energiesparen ins Spiel gebracht. Leider nur mit einer lächerlichen Stoßrichtung. Denn die Befolgung des Aufrufs, doch das Stand-by-Lichtlein am DVD-Rekorder auszuschalten, brächte nur wenig. Und auch mit einem Umstieg auf Energiesparlampen wird Österreich das Klimaschutzziel nicht erreichen.

Natürlich bringt es etwas, wenn alle oder viele Haushalte auf einen sparsameren Kühlschrank umsteigen und den Stecker aus dem Fernseher ziehen, ehe sich die Familie ins Wochenendhaus begibt. Aber der Konsument fährt des nächtens durch die Straßen und wundert sich: Bürotürme im Flutlicht. Einkaufstempel, voll beleuchtet. Angestrahlte, grellbunte Werbung, die auch um vier Uhr früh nicht abgeschaltet wird.

Eine leichte Übung wäre es, diese nächtliche Lichtüberflutung (die mittlerweile vom Weltall aus sichtbar ist) zurückzunehmen. Ganz einfach ginge dies durch die Einführung einer Steuer auf nächtliche Werbebeleuchtung an öffentlichen Plätzen. Die Einnahmen daraus müssten selbstverständlich zweckgebunden in andere Spar- oder Effizienzmaßnahmen fließen.

Denn ums Sparen wird es in erster Linie gehen müssen, will man eine Energiepolitik definieren, die auch umgesetzt werden kann. Denn die bisher vorgestellten Willenserklärungen im Regierungsprogramm sind nicht nur zahnlos. Da die Prognosen auf äußerst hinterfragenswerten Zahlen aufsetzen, sind die Klimaziele, so wie sie derzeit formuliert sind, auch schwer bis gar nicht durchsetzbar:

Die Referenzzahlen, auf die sich alle politischen Erklärungen derzeit beziehen, stammen aus dem Jahr 1997. Seither aber hat Österreich beim Energieverbrauch im Allgemeinen, beim Stromverbrauch im Besonderen mehr zugelegt als der Ausbau von Ökoanlagen, vor allem Wind und Biomasse, insgesamt brachte. Will man also wirklich den Anteil an regenerativen Energien am Energieaufkommen anheben, müsste man entweder Österreich zu einem Windpark umfunktionieren und/oder etablierte Energieerzeugung aus Wasserkraft verstärken. Ersteres ist unmöglich, wie auch viel mehr Wasserkraftwerke politisch nicht durchsetzbar sind.

Faktum ist: Selbst bei einem Maximalausbau der Ökoenergie erreicht Österreich mit seinem derzeitigen Verbrauch bis zum Jahr 2010 nur eine Ökoenergieerhöhung von derzeit 56 auf dann 61,5 Prozent. Das Ziel von 80 Prozent ist bei der derzeitigen Energieverschwendung nicht erreichbar. Und schon gar nicht, wenn der Verbrauch weiterhin so steigt wie in aufstrebenden Schwellenländern.

Bleibt als Kernaufgabe für die Politik, ein breit angelegtes Energiesparpaket zu schnüren, bei dem das Ausschalten von Unterhaltungselektronik und der Umstieg auf Energiesparlampen nur ein Teil sein kann. Das Maßnahmenpaket muss eine Koppelung der thermischen Sanierung an die Wohnbauförderung ebenso beinhalten wie einen Ausbau beim öffentlichen Verkehr. Und das unnötige Beleuchten ganzer Hochhäuser müsste auch zurückgeschaltet werden, entfällt doch etwa ein Fünftel aller Stromvergeudung auf unnötige Beleuchtung. Hinterfragenswert sind auch die architektonisch interessanten, ökologisch aber verheerenden Bürotürme aus Glas, bei denen die Offices im Sommer heruntergekühlt werden müssen, in welchen im Winter ohne entsprechende Beheizung Eiseskälte herrscht.

Nur ein Bündel von Effizienz- und Sparmaßnahmen lässt Österreich noch die Ziele bis 2010 erreichen, haben Experten an der Technischen Universität Wien errechnet.

Beim Stromverbrauch müssten jährlich und ab sofort 4,4 Prozent eingespart werden, soll der Anteil an regenerativer Energie inklusive Wasserkraft so weit angehoben werden, wie die politischen Ziele derzeit vorgeben. Mit Plädoyers an den Verbraucher, bei Verlassen des Raumes das Licht abzudrehen, wird es da nicht getan sein. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.2.2007)

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