Kritik ist willkommen, Contenance ist gefragt

15. März 2007, 11:22
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Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky wurden in der "Pressestunde" auch intime Fragen gestellt. Kritik kam von SPÖ und Opposition

Wien - Antworten statt hohler Phrasen: Diesem Motto ist Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky auch bei ihrem ersten Auftritt in der "Pressestunde" treu geblieben.

Einzig bei der Frage, ob FPÖ und BZÖ für sie ein möglicher Koalitionspartner wären, verweigerte Kdolsky die Antwort. Was sie von deren Parteichefs Heinz-Christian Strache und Peter Westenthaler hält, beantwortete sie hingegen gern: nämlich nichts. Sinngemäß natürlich.

Nebentöne aushalten

Sogar als profil-Herausgeber Christian Rainer sich noch einmal explizit nach dem Grund ihrer Kinderlosigkeit erkundigte, blieb die Ministerin bei ihrem Duktus. Und die Kritik, die gleich nach ihrer Angelobung auf sie eingeprasselt ist (Stichworte: Schweinsbratenesserin, Gelegenheitsraucherin und Kinderhasserin), sind für Kdolsky lediglich "Nebentöne, die ein Mensch, der in der Öffentlichkeit steht, aushalten muss".

Auch über den Tonfall, der in der Regierung derzeit herrscht, zeigte sich Kdolsky wenig irritiert. Sie sei davon überzeugt, dass das Koalitionsklima gut ist, auch wenn sich SPÖ und ÖVP mit durchaus unterschiedlichem ideologischem Unterfutter daranmachen müssten, Probleme zu lösen. Was für Kdolsky noch lange kein Widerspruch ist: "Ich verstehe überhaupt nicht, wieso das kritiklos funktionieren soll." Denn Kritik sei auch dazu da, um sich zu entwickeln. Und sie zeichnete ein Szenario, das für sie "auch nicht die Ideallösung" wäre: wenn SPÖ und ÖVP "eng umschlungen" Einheitsbrei-Politik betreiben würden. Und dafür prompt den Vorwurf der Packelei einheimsen müssten.

Was wem gefehlt hat

Die Weiten ihres Ressorts konnte Kdolsky bei den Themen Nichtraucherschutz, Sanierung des Gesundheitssystems oder der Frage nach der Legalisierung weicher Drogen darstellen (siehe Artikel unten). Weit gehend unbeleuchtet blieben hingegen die gesellschaftspolitischen Ziele Kdolskys, die ja neben der Gesundheits- auch die Familien- und Jugendministerin stellt.

Die Grünen kritisierten, die geplante Beitragserhöhung bei den Krankenkassen sei noch lange keine Reform. FPÖ und BZÖ erklärten, Kdolskys Reformvorhaben würden sich in Belastungen und Verboten erschöpfen. Und auch der Regierungspartner hat Grund zum Mäkeln: SP-Jugendsprecherin Elisabeth Grossmann sah das Thema Jugend nicht ausreichend behandelt. (Karin Moser/DER STANDARD, Printausgabe, 26.02.2007)

  • Intime Fragen, klare Antworten: Gesundheitsmnisterin Kdolsky
    foto:orf/thomas jantzen

    Intime Fragen, klare Antworten: Gesundheitsmnisterin Kdolsky

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