Deutsche Telekom prüft Käufe im Ausland - Krach um Ausgliederungen

8. März 2007, 11:30
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Spannung vor Mittwoch-Aufsichtsrat - Rätseln um Akquisitionsziele - Analysten sehen massiven Gewinneinbruch - Gewerkschaft befürchtet Personalschnitte: Demos geplant

Der deutsche Telekom-Chef Rene Obermann steht vor seiner ersten Nervenprobe: Während er kommenden Mittwoch dem Aufsichtsrat seine neue Strategie präsentiert, wollen vor der Bonner Zentrale 10.000 Mitarbeiter gegen den anstehenden Konzernumbau protestieren. Streitpunkt ist die geplante Ausgliederung von Teilen der schwächelnden Festnetzparte T-Com in eine neue Einheit T-Service, in der Kundendienst und Callcenter gebündelt werden. Betroffen sind davon 45.000 Menschen - jeder zweite Mitarbeiter von T-Com. Die Gewerkschaft ver.di befürchtet sogar die Verlagerung von 60.000 Kollegen.

Strategie

Obermann feilt seit seinem Amtsantritt Anfang November an der Strategie, mit der er Europas größten Telekomkonzern auf die Erfolgsspur zurückführen will. Er muss eine Antwort auf die dringendste Frage liefern: Wie können der Rückgang der Kundenzahlen bei T-Com und die Ergebniserosion gestoppt werden? Nach dem bisherigen Planungstand setzt Obermann vor allem auf T-Service und Einsparungen, um die Kosten in den Griff zu bekommen. Es geht neben der Umsetzung von T-Service um eine Vielzahl kleinerer Maßnahmen - die Erwartungen an die Strategie sollten daher nicht zu hoch gesteckt werden, sagt eine mit dem Verfahren vertraute Person.

Teilbetreuung

Im Gespräch ist eine Teilbetreuung der Netze durch eine Fremdfirma, wie es im Umfeld des Unternehmens heißt. Dazu fänden Gespräche unter anderem mit Ericsson statt, die auch die Übernahme von vielen Tausend Telekom-Mitarbeitern umfassen. Zudem will der Vorstand Korrekturen an der Produktpalette vornehmen. Das Festnetztelefon mit Mobilfunkfunktion T-One werde es in der bestehenden Form nicht mehr geben, heißt es im Konzern. Dazu sei die Nachfrage im Privatkundenbereich zu gering. T-One ist eher für Geschäftskunden interessant, was sich am Erfolg eines vergleichbaren Konkurrenzprodukts der britischen BT zeigt.

Frischer Wind

Frischen Wind will Obermann auch in das Auslandsgeschäft bringen, wo er wieder offensiver auftreten will. Akquisitionen stehen wieder auf dem Programm, heißt es in Telekom-Kreisen. Nach der teuren Übernahme der amerikanischen VoiceStream (heute T-Mobile USA) hatte Obermanns Vorgänger, Kai-Uwe Ricke, Akquisitionen ein Absage erteilt.

Alle Optionen offen

Der neue Mann an der Konzernspitze steuert nun um: Künftig wird es heißen, alle Optionen sind offen, heißt es in den Kreisen. In den zuständigen Abteilungen würden bereits Übernahmeszenarien durchgespielt. Mögliche Akquisitionsziele werde Obermann auf der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag wohl nicht nennen, um die Preise nicht in die Höhe zu treiben. Interesse wird der Telekom an der niederländischen Mobilfunktochter von France Telecom nachgesagt.

Hauptaugenmerk

Das Hauptaugenmerk richtet Obermann aber auf das Deutschlandgeschäft und die geplanten Umstrukturierungen. Die Telekom ringt auf ihrem Heimatmarkt mit dem harten Wettbewerb, weswegen der Konzern die Prognose vor wenigen Wochen erneut senken musste. Verantwortlich für die Misere ist die vom Regulierer ausgelöste Erosion der Kundenbasis von T-Com. Im vergangenen Jahr wechselten über zwei Millionen Kunden zur Konkurrenz. Den Kundenabfluss will die Telekom mit einem besseren Service stoppen. Dazu brauche der Konzern T-Service, beteuert Obermann. T-Com-Chef Timotheus Höttges sekundiert: "Wir wollen die Kosten reduzieren und die Produktivität erhöhen - so schaffen wir Services, die vom Kunden bezahlt werden."

Ausgründung

Die deutsche Gewerkschaft Ver.di lehnt die Ausgründung von T-Service ab, auch wenn die Gewerkschaft einräumt, dass die Telekom in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage steckt. Ver.di-Bundesvorstand Lothar Schröder befürchten den Verkauf von Teilen der neuen Sparte und hat daher die Mitglieder zum Protest aufgerufen. Zwischen ver.di und der Telekom- Führung bahnen sich also harte Verhandlungen über T-Service an. Die Protestaktion am Mittwoch wird die erste Muskelprobe sein.

Gewinneinbruch

Nach Meinung von Analysten wird die Deutsche Telekom bei ihrer Bilanz-Pressekonferenz am 1. März einen Gewinneinbruch ausweisen. Einer Reuters-Umfrage unter 27 Analysten zufolge sank der im Gesamtjahr um 24 Prozent auf 4,244 Mrd. Euro. Dabei setzte der Telekom wohl weiter der scharfe Wettbewerb im Festnetzgeschäft zu. In dieser Sparte ging das bereinigte Quartalergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) den Prognosen zufolge um 19 Prozent zurück. Die Geschäftskundensparte verlor danach beim Ebitda zehn Prozent, nur im Mobilfunkbereich wird ein leichtes Plus von einem Prozent erwartet.(APA/dpa/dpa-afx)

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    Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom AG Rene Obermann.

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