Heinz Berggruen 1914-2007

6. März 2007, 13:39
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Der Sammler und Kunsthändler starb vergangenen Freitag in Paris

Paris - Der Kunsthändler, Sammler und Mäzen Heinz Berggruen ist vergangenen Freitag im Alter von 93 Jahren in Paris verstorben. Erst im vergangenen Dezember hatte Berggruen, der mit Pablo Picasso und Herni Matisse eng befreundet war, Joan Miró oder Hans Arp zu seinem engeren Kreis zählte und Frida Kahlo zu seinen Affären, seinen "Rückzug ins Privatleben" angekündigt.

Dieses Datum auch zu markieren, überließ er dem Berliner Berggruen Museum im Stüler-Bau gegenüber von Schloss Charlottenburg noch eine Skulptur von Alberto Giacometti: Die große stehende Frau III aus dem Jahr 1960.

"Berlin soll leuchten", hat Berggruen im Jahr 2000 seinen Entschluss kommentiert, seine auf rund 750 Millionen Euro geschätzte Sammlung von Hauptwerken der klassischen Moderne mit dem Schwerpunkt Picasso um den eher symbolischen Preis von 129 Millionen Euro an die Staatlichen Museen zu verkaufen. Für Heinz Berggruen "eine Geste der Versöhnung", für Berlin der Wiedereintritt in die Liga der Städte mit den bedeutendsten Sammlungen an Kunst des 20. Jahrhunderts.

Heinz Berggruen, Sohn eines deutsch-jüdischen Schreibwarenhändlers aus Berlin, ist in seinem langen Leben zum Kosmopoliten geworden. 1936 hat er das nationalsozialistische Deutschland mit einem Stipendium in der Tasche Richtung USA verlassen. Er hat in San Francisco und später lange in Paris gelebt.

Erst nach sechs Jahrzehnten ist er 1996 nach Berlin zurückgekehrt - mit 113 Meisterwerken der Kunst im Gepäck. Einen "Berliner von Geburt, Franzosen aus Distinktion und Kunstkenner mit US-Pragmatismus", hat ihn Peter-Klaus Schuster, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, einmal genannt. "Meinen ersten Picasso? Ach, den habe ich im vorigen Jahrhundert gekauft", erzählte Berggruen gern. Kurz nach dem Krieg hat er seinem Freund, dem französischem Dichter Paul Eluard, die Picasso-Zeichnung Le dormeur (Der Schläfer) abgekauft.

"Eluard wollte 5000 Franken, aber ich hatte damals kaum Geld." Da ihm ein Handel mit einem Dichter undenkbar erschien, kam es zu folgender Lösung: Eluard bot ihm zusätzlich zum Picasso noch einen Klee im 5000-Franken-Paket an. "Da habe ich den Klee für 5000 Franken verkaufen können und damit den Picasso erworben!" Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit in einer ersten Reaktion auf den Tod Berggruens: "Dank seiner großzügigen Stiftung wird Heinz Berggruen in der Stadt präsent bleiben. Berlin wird seinen Ehrenbürger stets in guter Erinnerung behalten."

Wowereit hatte Berggruen selbst als Ehrenbürger der Stadt Berlin vorgeschlagen, um seine großzügige Stiftung zu würdigen. Der Kunstsammler war 2004 zum 114. Ehrenbürger Berlins ernannt worden. Noch ist nicht bekannt, ob Berggruen in einem Ehrengrab der Stadt Berlin beigesetzt wird. (mm/APA)

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    Heinz Berggruen: "Meinen ersten Picasso? Ach, den habe ich im vorigen Jahrhundert gekauft."

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