Rund 2000 Bücher aus jüdischem Vorbesitz in Anna Amalia Bibliothek

4. März 2007, 17:55
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Forschungsbibliothek besitzt rund eine Million Werke

Weimar - Die Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar hat in ihren Beständen rund 2000 Bücher aus jüdischem Besitz identifiziert. "Es ist ein schwieriges Feld, aber nicht unmöglich, ehemalige Besitzer und deren Erben ausfindig zu machen", sagte Literaturwissenschaftler Jürgen Weber der dpa. Ein Erbe sei bereits zusammen mit der Kommission für Raubkunst in Europa (Commission for Looted Art in Europe) in London, die auf die Suche von NS-Raubgut spezialisiert ist, gefunden worden. "Wir sind mittendrin im Informationsaustausch", sagte Weber, der für die Sondersammlungen verantwortlich ist. Nähere Angaben zu den Büchern machte er nicht.

Die zur Klassik Stiftung Weimar gehörende Forschungsbibliothek besitzt rund eine Million Werke. Ende der 1990er Jahre hätten die Bibliothekare bereits intensiv nach Büchern aus jüdischem Besitz gesucht. "Wir sind aber auf nichts gestoßen."

Namensliste aller jüdischen Familien vort NS-Zeit

Bei ihren aktuellen Buch-Recherchen stützen sich die Mitarbeiter jetzt unter anderem auf eine Namensliste aller jüdischen Familien aus Weimar und Thüringen vor der NS-Zeit. "Wir gehen davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit noch am größten ist, in der Bibliothek beschlagnahmte Literatur aus der Region zu finden", sagte Weber. Es sei jedoch kaum denkbar, dass alle von den Nationalsozialisten beschlagnahmten Bücher entdeckt werden. "Man braucht eben einen langen Atem." (APA/dpa)

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