Journalistin brachte Klage gegen BZÖ-Generalsekretär Grosz ein

5. März 2007, 12:17
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Wegen Gerüchte um angebliche Sexualkontakte - Grosz spricht von "Schmuddelsache" - ORF gibt Mitarbeiterin volle Unterstützung

Wien - Eine ORF-Journalistin hat gegen BZÖ-Generalsekretär Gerald Grosz Klage wegen übler Nachrede, Ehrenbeleidigung und Kreditschädigung eingebracht. Grosz habe unappetitliche Gerüchte über angebliche Sexualkontakte der Journalistin mit BZÖ-Vertretern im Umlauf gebracht, so der Vorwurf. Grosz bestätigte der APA die Zustellung einer entsprechenden Klagsschrift, wies die "absurden und unsinnigen Vorwürfe" aber zurück.

Im ORF wollte man die Klage auf Anfrage der APA weder bestätigen noch dementieren. "Der ORF hat selbst keine rechtliche Handhabe, das Haus steht aber voll hinter der Mitarbeiterin", so ORF-Unternehmenssprecher Pius Strobl.

Grosz wird konkret vorgeworfen, dass er im Jänner Gerüchte in Umlauf gebracht habe, wonach eine Innenpolitikredakteurin des ORF-Fernsehens am Rande der BZÖ-Klubklausur in Stegersbach im vergangenen November Sexualkontakte mit BZÖ-Vertretern gehabt hätte. Zuvor hatte die Journalistin Grosz bei der BZÖ-Neujahrsmatinee mit kritischen Fragen zur Herkunft der Fotos von FPÖ-Chef Heinz Christian Strache konfrontiert, die den jugendlichen Strache bei wehrsportähnlichen Aktivitäten zeigen.

Unappetitliche Gerüchte

Grosz habe bei dieser Gelegenheit unter Hinweis auf einen "Deal" zwischen ORF und BZÖ - ein solcher wurde vom ORF entschieden zurückgewiesen und auch Grosz dementierte später - den Recherchen ausweichen wollen. Danach seien dann jene unappetitlichen Gerüchte verbreitet worden, die nun ein gerichtliches Nachspiel haben sollen. Auf Grund dieser Gerüchte wechselte die Redakteurin Ende Jänner vorerst von der Innenpolitik in die Chronik.

BZÖ-Generalsekretär Grosz wies diese Anschuldigungen gegenüber der APA "schärfstens zurück". Es handle sich um "fantasiereiche und absurde Anschuldigungen einer Redakteurin, über die ohnehin schon betriebsintern Konsequenzen gezogen worden sind". Von einer "Racheaktion" wegen scharfer Recherche könne jedenfalls keine Rede sein. "Ich lasse mich nicht in eine Schmuddelsache ziehen, und das BZÖ will nicht in einen Strudel der Fantastereien gezogen werden", erklärte Grosz.

Vom ORF erhält die Journalistin Rückendeckung: "In dieser unangenehmen und für die Mitarbeiterin und den ORF äußerst unerfreulichen Causa sind von der betroffenen Mitarbeiterin alle möglichen Schritte gezogen worden - mit voller Unterstützung des Hauses", so ORF-Kommunikationschef Strobl. "Der vermutliche Verursacher der Gerüchte ist bekannt. Es geht um Verleumdungen von außerhalb, die für das Ansehen und die Reputation unserer Mitarbeiterin schädlich sind. Das Haus steht selbstverständlich voll hinter ihr."

Keine Konsequenzen

Dass über die betroffene Journalistin betriebsintern irgendwelche Konsequenzen gezogen worden seien, entspreche nicht den Tatsachen. "Die Kollegin arbeitet nach wie vor in der Fernsehinformation. Sie ist nur von einem Ressort in ein anderes gewechselt", so Strobl.

ORF-intern hat sich nach APA-Informationen bereits die Gleichbehandlungskommission mit der Causa befasst. Pikantes, nicht unwesentliches Detail: Neben Grosz soll ein ORF-Journalist, der über gute Gesprächsbasis zum BZÖ verfügt, die Gerüchte über Haustratsch im Haus erst bekannt gemacht und weiter getragen haben. Das Klima im Inlandsressort der Fernsehinformation wurde schon im Schlussbericht jener ORF-Evaluierungsgruppe kritisiert, die im Vorjahr Missstände im ORF und insbesondere Vorwürfe gegen den damaligen Chefredakteur Werner Mück untersucht hatte.

Im Inlandsressort der TV-Information seien "das Arbeitsklima tangierende herabwürdigende und beleidigende Äußerungen auch frauenfeindlicher Art im Umlauf", hieß es in dem Bericht. Dabei würden "unsensibel formulierte Qualifizierungen" nicht selten erst "über den Haustratsch zu beleidigenden, kränkenden und herabwürdigenden Botschaften", so die Evaluierungsgruppe damals. (APA)

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