Seehofer soll Stoiber erpresst haben

2. März 2007, 10:07
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Beide dementieren - CSU-Chef spricht von "Brunnenvergiftung" und "Krebsgeschwür" - Seehofer nennt Vorwürfe Lügen

Berlin - CSU-Chef Edmund Stoiber hat einen Bericht über eine angebliche politische Erpressung durch seinen Stellvertreter Horst Seehofer als "üble Brunnenvergiftung" dementiert. "Niemand kann mich unter Druck setzen", widersprach Stoiber am Samstag einer Meldung des Münchner Nachrichtenmagazins "Focus". Das Magazin hatte unter Berufung auf CSU-Vorstände berichtet, Seehofer habe im Oktober 2005 mit Austritt und der Gründung einer eigenen Partei gedroht, falls man ihm nicht ein Ministeramt gebe. Seehofer wies dies als "bösartige Lügen der Wohnzimmer-Analysten" zurück.

Stoiber erklärte, er sei während der Regierungsbildung in Berlin von niemandem unter Druck gesetzt werden. "Diese permanenten anonymen Falschmeldungen und Verdächtigungen sind in jüngster Zeit zu einem Krebsgeschwür der CSU geworden. So etwas gefährdet auf Dauer den Mythos CSU", erregte sich Stoiber. Wer Seehofer so etwas unterstelle "um eines billigen Vorteils willen, tut keinem der Bewerber einen Gefallen". Da werde er "als fairer Schiedsrichter nicht auf Dauer unbeteiligt zuschauen."

Stoiber will im September aus dem Amt scheiden. Um seine Nachfolge zeichnet sich eine Kampfkandidatur zwischen Seehofer und dem bayerischen Wirtschaftsminister Erwin Huber ab.

"Lichtjahre von der Wahrheit entfernt"

Seehofer sagte dem "Focus", die Behauptung, er habe Stoiber erpresst, sei "Lichtjahre von der Wahrheit entfernt". Stoiber hatte die Berufung Seehofers dem Bericht zufolge Vertrauten gegenüber damit begründet, dieser würde "außerhalb der CSU mehr Schaden anrichten, als wenn wir ihn einbinden".

Wirtschaftsminister Michael Glos erklärte im "Spiegel"-Interview, Seehofer habe ohne Zweifel das notwendige Format für eine Kandidatur. "Meine Parteibasis lässt mich allerdings spüren, dass sie gegenwärtig den CSU-Einfluss im Bund nicht gefährdet sieht". Hingegen wolle die Basis die Macht in den Kommunen und im Landtag gesichert wissen. "Da hat es ein Bundespolitiker naturgemäß etwas schwerer." (APA/AP)

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    Edmund Stoiber über die angebliche Erpressung durch Horst Seehofer: "Üble Brunnenvergiftung"

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