Gas geben im Sinn des Wortes

27. Februar 2007, 21:44
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Erdgas im Auto ist ein fossiler Treibstoff, der die CO2-Bilanz belastet - Allerdings fährt man damit viel billiger als mit Benzin

Erdgasautos gibt es nun schon seit einigen Jahren. Wie ernst sie genommen werden, hängt vor allem von den Rahmenbedingungen im jeweiligen Land ab.

In Italien etwa ist das Fahren mit Gas (früher Flüssiggas, jetzt beides) schon seit Jahrzehnten eine Selbstverständlichkeit. Dort liegt der Grund im traditionell höchsten Benzinpreis Europas. Auch in Deutschland hat der hohe Benzinpreis schon viele dazu verleitet, ein Auto mit Gasantrieb zu kaufen.

Italien und Deutschland voran

Wichtiger noch als alles andere ist aber ein flächendeckendes Tankstellennetz für Erdgas, das es eben in Italien und Deutschland schon seit geraumer Zeit gibt. Und eines muss natürlich auch sein: Der Betrieb mit Erdgas muss spürbar billiger sein, schließlich kostet die Erdgasvariante einige Tausender mehr in der Anschaffung.

Das ist auch in Österreich tatsächlich der Fall. Von den Treibstoffkosten her fährt man mit Erdgas rund ein Drittel billiger als mit Benzin und damit auch etwas billiger als mit Diesel. Dies vor allem deshalb, weil Erdgas nicht mit Mineralölsteuer belastet ist. Während es in Deutschland eine klare Regelung gibt, dass das Erdgas von der Mineralölsteuer befreit bleibt, ist das in Österreich nicht sicher. Dementsprechend gebremst verläuft der Verkauf.

Umweltfreundliches Erdgas

Erdgas hat prinzipiell Vorteile für die Umwelt. Aber es handelt sich noch immer um einen fossilen Treibstoff mit entsprechend hohem klimarelevantem CO2-Ausstoß, der unterm Strich nur etwas geringer ist als bei Benzin und Diesel. Die Bilanz der eigentlichen Schadstoffe sieht indes recht gut aus: weniger unverbrannte Kohlenwasserstoffe, weniger Stickoxide, kein Ruß. Man ist also mit einem Erdgasauto auf jeden Fall umweltfreundlicher unterwegs als mit Benziner oder Diesel.

Löchriges Tankstellen-Netz

In Deutschland gibt es bereits über 750 Erdgastankstellen, in Italien sind es über 450, in der Schweiz 70. In diesen Dimensionen kann man schon von flächendeckend sprechen. Die Tankstellensituation in Österreich ist mit rund 50 auch schon auf fast akzeptablem Niveau. Es gibt allerdings noch beträchtliche weiße Flecken auf der Landkarte, also Regionen, wo es praktisch unmöglich ist, ein Erdgasfahrzeug zu betreiben.

Über den Erfolg der Erdgasautos am Markt sind also drei Punkte entscheidend: die steuerliche Einstufung des Treibstoffs, das Angebot an Fahrzeugen und die Verfügbarkeit von Tankstellen.

Nächste Woche: Wasserstoff als Alternative (Rudolf Skarics, AUTOMOBIL 24.2.2007)

  • Einfache Erdgas-Betankung: Stutzen auf Einlassventil, Tankvorgang starten. Kosten? Keine Mineralölsteuer!
    foto: opel

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