Deutsche Polen-Beauftragte Schwan kritisiert Kaczynski-Zwillinge

2. März 2007, 12:54
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"Was die Regierungsmitglieder öffentlich sagen, ist nicht repräsentativ"

Chemnitz - Die Beauftragte der Regierung in Berlin für die deutsch-polnischen Beziehungen, Gesine Schwan, hat die wiederholte Kritik an Deutschland durch Mitglieder der konservativen Regierung Polens zurückgewiesen. "Ich habe für diese diplomatischen Ungeschicklichkeiten keine rechte Erklärung", sagte die Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) gegenüber der Chemnitzer "Freien Presse" (Samstag-Ausgabe).

Zwar sei in Warschau eine demokratisch gewählte Regierung an der Macht, "aber was die Regierungsmitglieder öffentlich sagen, ist nicht repräsentativ und identisch mit dem, wie die polnische Gesellschaft denkt und fühlt". Nach Einschätzung von Schwan würden durch die Äußerungen des polnischen Staatschefs Lech Kaczynski und seines Zwillingsbruders, Regierungschef Jaroslaw Kaczynski, die negativen Vorurteile der Deutschen gegenüber dem polnischen Nachbarn weiter verstärkt.

Opferrolle

Schwan warnte zudem vor der Errichtung des geplanten Zentrums gegen Vertreibungen. "Es würde die deutschen Vertriebenen in einer Opferrolle darstellen, die nicht dem tatsächlichen Geschichtsverlauf entspricht."

Heftige Kritik übte die deutsche Regierungsbeauftragte an der Haltung führender Funktionäre des Bundes der Vertriebenen, "die den Polen vorwerfen, schon immer eine Vertreibung der Deutschen beabsichtigt zu haben, und die behaupten, dass der Angriffskrieg des Dritten Reiches nur der Anlass dafür war". Nach Ansicht von Schwan ist das eine Verschiebung von Verantwortung und Schuld, "auf die in Polen sehr empfindlich reagiert wird". Dort existiere eine tief sitzende Angst vor dem deutschen Nachbarn, die auch durch das Zentrum gegen Vertreibungen immer wieder angeheizt werde. Nach den Worten von Schwan gibt es in Deutschland ein Revisionismuspotenzial, "das wir nicht unterschätzen dürfen". (APA/dpa)

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