Bereits rund 800 Zivilbeschäftigte des Pentagons getötet

20. März 2007, 13:31
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Todesfälle der Söldner bleiben in der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet

New York - Neben mehr als 3.100 US-Soldaten sind im Irak seit Kriegsbeginn auch nahezu 800 zivilbeschäftigte Söldner des Pentagons ums Leben gekommen. Dies ergab jetzt eine Erhebung der Nachrichtenagentur AP.

Die Zivilbeschäftigten sind meist bei Unternehmen angestellt, die wie Halliburton, Blackwater und Wackenhut Großaufträge des US-Verteidigungsministeriums angenommen haben. Sie kümmern sich um Reparaturarbeiten für die Streitkräfte, bereiten Mahlzeiten zu, übersetzen Dokumente, bewachen Gefangene oder schützen Militärkonvois.

Pressemitteilung

Das Pentagon gibt zu jedem Tod eines Soldaten eine Pressemitteilung heraus. Die Todesfälle der Zivilbeschäftigten im Irak bleiben jedoch weitgehend im Dunkeln. Unter Berufung auf das Informationsfreiheitsgesetz hat AP jetzt die Unterlagen zu den im Irak getöteten Zivilbeschäftigten über das Arbeitsministerium erhalten. Dort waren bis Ende vergangenen Jahres 769 Todesfälle von Zivilbeschäftigten im Irak und 3.367 Fälle von Verletzungen registriert.

"Das sind unsichtbare Kriegskosten", sagte der ehemalige Luftwaffenreservist Thomas Houle, dessen Schwager als Lkw-Fahrer im Irak ums Leben kam. Und es sei ein Mangel an Achtung, dass der Tod von Zivilbeschäftigten nicht die gleiche Aufmerksamkeit erhalte wie der Tod der Soldaten. Dabei halten sich im Irak zurzeit rund 120.000 Zivilbeschäftigte auf - fast so viele wie die 135.000 Soldaten der US-Streitkräfte.

Hubschrauber abgeschossen

Und die Aufständischen im Irak machen kaum einen Unterschied zwischen beiden Gruppen. Im Jänner kamen vier Angestellte von Blackwater ums Leben, als ihr Hubschrauber in Bagdad abgeschossen wurde. 2004 wurden zwei Amerikaner und ein britischer Ingenieur entführt und enthauptet. Und im gleichen Jahr überfielen Aufständische einen von Zivilbeschäftigten gesicherten Konvoi, verbrannten und verstümmelten deren Leichen und hängten zwei von ihnen an einer Brücke auf.

Die Angestellten erhalten einen für viele Amerikaner auf den ersten Blick attraktiven Lohn. Einige verdienen 100.000 Dollar (75.000 Euro) oder mehr im Jahr, und das zumeist steuerfrei. Das ist etwa sechs Mal so viel wie ein einfacher Soldat bekommt. Houles Schwager kam in der Grünen Zone in Bagdad durch "freundliches Feuer" von einem australischen Wachposten ums Leben. Er dachte, dass ihm nichts geschehen könne, sagte seine Mutter, die 82-jährige Flora Patino. "Ich aber sagte: Hector, Du spielst mit dem Feuer." (APA/AP)

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    Söldner einer privaten US-Sicherheitsfirma im Irak

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