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Am Campo San Bartolomeo verfolgt Carlo Goldoni entspannt das eigene Jubiläumsjahr.
Im Jahr seines Tricentenario (sein 300. Geburtstag wird diesen Sonntag begangen) scheint sich hier an der Wertschätzung Goldonis nicht allzu viel geändert zu haben. Was im Mozartjahr 2006 in Österreich an keineswegs möglich war, gelingt in Venedig selbst zur Hauptzeit der Feierlichkeiten mühelos: den Jubilar komplett zu übersehen. Fanden sich in Wien an jeder Ecke Mozartsäulen und -plakate, schafft man hier spielend einen Spaziergang vom Bahnhof Santa Lucia ins Zentrum, ohne auch nur dezent auf den "großen Sohn" der Stadt verwiesen zu werden. Man muss sich Goldoni hier zusammenklauben: Zumindest für die Dauer des Karnevals, der heuer dem Komödiendichter gewidmet war, überragte er als überlebensgroße Statue die Faschingsbühne auf dem Markusplatz.
Ohne Förmlichkeiten
Das übliche Spektakel der Maskierten ergänzten Schauspielgruppen in diesen Tagen mit Szenen aus den Goldoni-Komödien, eher locker und spontan im Freien auf den Piazze gespielt. Die größeren Theater der Stadt widmen sich dem Jubilar indes weniger konsequent. Es ist zwar die Aufführung seiner wichtigsten Komödien in diesem Jahr geplant (Pier Luigi Pizzi inszenierte bereits mit großem Erfolg "Una delle ultime sere di Carnovale"), dazwischen wird aber Cechov gespielt - und ausgerechnet zu den Jubiläumstagen auch "Il Corvo" vom konservativen Carlo Gozzi, Goldonis stärkstem Widersacher.
Am ehesten spürt man die von Bürgermeister Massimo Cacciari angekündigten Festlichkeiten im Geburtshaus des Advokaten Goldoni. In der nach Restaurierungsarbeiten wiedereröffneten Casa di Goldoni in der Calle dei Nomboli, die nicht nur ein Institut für Theaterstudien beherbergt, sondern auch ein frisch herausgeputztes Goldoni-Museum und eine Bibliothek, in der zahlreiche Goldoni-Originale, Porträts des Dichters und seine Möbel besichtigt werden können.
Wirft man sich dann ein wenig in die Gässchen, wo man die Wäsche wieder vor die Fenster hängt, die roten Häuserfassaden bröckeln und kleine Balkons romantisch verfallen, kommt man irgendwann zum Campo San Bartolomeo. Dem zentralen Kreuzungspunkte der Stadt, wo sich Carlo Goldoni bereits vor langer Zeit als Statue auf einem Sockel dem Trubel entzog. (Isabella Hager/Der Standard/Printausgabe/24./24.2.2007)
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