"Jede Schätzung ist unseriös"

Redaktion, 27. Februar 2007 09:08
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    montage: derstandard.at

    Wieviele EhepartnerInnen sich den Zahnputzbecher nur zum Schein teilen ist unklar. Gerald Tatzgern, Leiter der Abteilung für Schleppereibekämpfung im Bundeskriminalamt: "Jede Schätzung ist unseriös."

Wie viele Scheinehen werden in Österreich geschlossen? Polizei-Schätzungen weichen stark von tatsächlichen Aufenthaltsverboten und Anzeigen ab

Das vielfach kritisierte letzte Fremdenrechtspaket wurde unter anderem deshalb geschnürt, weil Innen- und Justizministerium von einer akuten Bedrohung durch Scheinehen ausgingen: Immer mehr Menschen würden sich ihren Aufenthaltstitel durch eine Heirat mit einem/r EU-BürgerIn erschleichen, hieß es. Mit Statistiken wurde dieser angebliche "Scheinehen-Boom" öffentlich allerdings nicht belegt. Die einzige Zahl, die immer wieder herangezogen wird, wenn es ums Beziffern von Scheinehen geht, beruht auf einer Schätzung: Er habe im Jahr 2004 seine "Kollegen in den Bundesländern" angerufen, erklärt Wiens oberster Fremdenpolizist, Willfried Kovarnik, im derStandard.at-Gespräch: "Damals haben wir gemeint, es werden österreichweit wohl 2000 Ehen im Jahr sein." "Jede Schätzung ist unseriös", meint hingegen Gerald Tatzgern, Leiter der Abteilung für Schleppereibekämpfung im Bundeskriminalamt, im derStandard.at-Gespräch - und stellt gleichzeitig Kovarniks viel zitierte Schätzung in Frage: "Es ist aber sicher eine dreistellige Zahl."

Dreistelliges

In den Statistiken des Innenministeriums findet sich in puncto Scheinehen jedenfalls nichts, was Kovarniks magische vierstellige Zahl belegen könnte: 2003 wurden 164, ein Jahr später 200, und 2005 232 Aufenthaltsverbote wegen Scheinehe verhängt.

Einen tatsächlichen Boom gab es hingegen bei binationalen Trauungen: Im Jahr 2005 wurde bereits jede vierte Ehe zwischen einem/r ÖsterreicherIn und einem/r Nicht-EU-BürgerIn geschlossen - im Jahr 1998 war ihr Anteil an den gesamten Trauungen noch bei 14 Prozent gelegen.

Ausgangspunkt der Gesetzesänderung könnte so nicht die Zahl der tatsächlich gefassten Scheinehe-Paare gewesen sein, sondern schlicht der stete Anstieg binationaler Eheschließungen: Denn genau hier setzte der Gesetzgeber an - und führte mit 1. Jänner 2006 nicht nur Strafen für österreichische Scheinehe-PartnerInnen ein, sondern verschärfte die Bedingungen auch pauschal für alle binationalen EhepartnerInnen in spe oder jene, die es kurz zuvor geworden waren.

Mehr Personal

Im Vorjahr sprang die Zahl der Aufenthaltsverbote wegen Scheinehen dann von 232 auf 527. Eine Folge der schärferen Gesetze? "Nein", sagt Kovarnik: "Wir hatten im Jahr 2006 einfach mehr Personal." Zur Erklärung: Die Fremdenpolizei hatte die Scheinehe-Ermittlungen zum Teil an die einzelnen Polizeiinspektionen ausgelagert. Hingegen sieht Tatzgern den Grund in einer "besseren Informationsgebahrung": Seit 1. Jänner 2006 sind StandesbeamtInnen verpflichtet, jede angemeldete Eheschließung mit einem/r Nicht-EWR-BürgerIn der Fremdenpolizei zu melden.

Interessantes Detail: Den 527 wegen Scheinehe verhängten Aufenthaltsverboten standen 2006 nur 96 Scheinehe-Anzeigen - sie betreffen die österreichischen EhepartnerInnen - bei der Staatsanwaltschaft gegenüber. "Das sind die Paare, die vor dem 1. Jänner 2006 geheiratet haben", erklärt Kovarnik: Hier konnte nur der/die ausländische PartnerIn belangt werden, da Scheinehen für InländerInnen noch nicht strafbar waren.

"Tätige Reue"

Eine mögliche Erklärung liegt jedoch auch darin, dass der nicht-österreichische Part rechtlich weniger geschützt ist als der österreichische: So wird einE ÖsterreicherIn, der/die gesteht, eine Scheinehe eingegangen zu sein, wegen "tätiger Reue" nicht bestraft, sein/ihr PartnerIn - via Aufenthaltsverbot - hingegen schon – eine von FlüchtlingshelferInnen kritisierte Praxis, da sie die Zugewanderten noch abhängiger von ihren inländischen PartnerInnen macht. Zudem kommt es laut Fremdenrechts-Expterte Sebastian Schumacher immer wieder vor, dass die Fremdenpolizei von einer Scheinehe ausgeht, "deshalb ein Aufenthaltsverbot erlässt und jemanden abschiebt, obwohl die Ehe nicht nichtig erklärt wurde."

"Heikle Sache"

Der Nachweis einer Scheinehe sei eine "heikle Sache", bei der "sehr sachte vorgegangen wird", sagt Tatzgern. Hausbesuche bei binationalen Paaren würden jedenfalls "nicht mutwillig" vorgenommen, sondern nur aufgrund eines "konkreten Verdachts", bestätigt Kovarnik.

Ein derartiger Verdacht ergebe sich häufig durch Hinweise aus dem Umkreis: "Wir erhalten viele Informationen aus der Nachbarschaft", sagt Tatzgern. Nachsatz: "Klar sind da auch Verleumdungen dabei." Die Polizei nehme aber niemanden leichtfertig fest, Voraussetzung sei eine "Häufung von Indizien". (Maria Sterkl, derStandard.at, 27.2.2007)

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der Xote
14.03.2007 00:51

Das viele das mit der Scheinehe probieren ist eh klar, sollens einfach die Einbürgerung für zugeheiratete Liebschaften abschaffen. Ganz normale gesetzeskonforme Staatsbürgerschaftsanträge bzw. Asylanträge (wenns dringend ist und schnell gehen muss) für alle.

btw: Die Ehe, eine religiöse Bindung hat in Gesetzestexten sowieso nix verloren. Genauso wie die Kirchensteuer sollte das sofort abgeschafft werden.

austrian antilope
02.03.2007 01:37
wie definiert sich polizeilich eine ehe ... das steht in keinem gesetz?

kann man das irgendwie nachvollziehen, woran man das erkennt - so rein äußerlich. wieso müssen nachbarn wissen, was die gesponse so tun? ich kenn einige ösis, die verheiratet sind, aber getrennt leben - sind das scheinehen?

oder sind das ehe-interpretationen nach kovarnik und tatzgern, mit denen da österreicherInnen und familien gequält werden? im gesetz finde ich jedenfalls keine definition. und meines wissens nach bleibt es auch sache der ehepartnerInnen, die ehe zu gestalten, wie sie wollen, solange sie nicht vor dem scheidungsrichter stehen. ich finde deshalb, dieses gesetz gehört schleunigst aufgehoben und jenen schmerzensgeld ausgezahlt, die hier jetzt ein jahr lang bedroht wurden und nach wie vor werden.

trifasciata
27.02.2007 16:16
Wahre Liebe

Eine stark benutzte Zahnbuerste kann auch bedeuten, dass vor lauter Liebe selbst diese geteilt wird ;-)

Ignaz Hronek
27.02.2007 15:29
Sachte?

Kann nur ein Scherz sein, dass "sachte" vorgegangen würde. Ich kenne Fälle, bei denen der "Verdacht" schon genügte, dass die Beamten so handelten, als wäre die Scheinehe nachgewiesen.
Ganz widerlich das Ganze.
Das Gesetz gehört sofort abgeschafft.
Warum jemand jemand heiratet, ist Privatsache. Sich eine Aufenthaltsgenehmigung zu erheiraten, muss erlaubt sein: Ehe ist anstrengend genug; Scheinehe ist sowieso eine Strafe.

Tomoe Gozen
27.02.2007 15:49
Ehe is überhaupt net anstrengend! Ehe is supa!

Wenns anstrengend is, haperts vielleicht am Gegenüber? (keinen Anfängerin... 12 Jahre nun...)

Michael B
27.02.2007 12:04
Also ich mach hier und jetzt eine öffentliche Denunzierung:

Karl-Heinz und Fiona führen eine Scheinehe.

maNishma
27.02.2007 12:02
frau karl berichtet aus ihrer seit jahren beobachteten nachbarschaft

"joo, herr kommisar, die mayer von tia 27 is scho a poa moi mit iam schwoazn da auftaucht. i glaub di hom oba nua a poa zahnbiaschtl un so zeigs hergricht, damit des ois echt ausschaut. i glaub oba net dos die wirklich zamm san. des konn i ma net vuastön. die mayer? mit am schwoazn? dabei woas imma so a liabs madl. o'busslt hom sie sich auf jedn foi ned. i glaub des is so a scheinehe, vovons letztns gred hom im fernsehn."
"Dankschen, Frau Karl. Wir werden dieser Sache nachgehen. Schließlich liegt schon länger der Verdacht vor. Vielen Dank für für ihre Hilfe."
"Joo, bitte gerne. Mia höfn jo gern. Ma die Polizei is imma so freindlich.

Adolf Isaac
 
27.02.2007 12:01
Curva

für 5 Minuten Kennenlernen
und Austausch von Daten
ca.5000 Euro ist ein Minutengehalt,wo nicht mal MADONNA mitkommt
prostitutieren tun sich die Männer,
die lieben Hascherln

Adolf Isaac
 
27.02.2007 11:56
Küsserkönigin

2 Zahnbürsten die sich küssen-
wehe,wenn daß der Nachbar oder Unterbar
wüßte

Adolf Isaac
 
27.02.2007 12:25
PECH gehabt


ich führe Eine Scheinehe nur für
SCHEINE
die zahlen aber nur eine Anzahlung
und eintreiben der Schulden ist sinnlos
und lebensgefährlich

waldhansi
27.02.2007 11:22
hab mal ein (werbe) pickerl mit folgendem inhalt gesehen:

"versteckt asylantInnen"

also, seid solidarisch ;-)

Igor Gassner
27.02.2007 10:28
Scheinehen

Man muss so von 10 % der Ehen ausgehen, das wären dann so zwei- drei -Tausend im Jahr.
Ich muss sagen dass es recht trickreich werden kann, wenn man eine Ausländerin heiratet,( aus eigener Erfahrung) man muss aufpassen nicht in die Fallen der Behörden zu tappen und klar zeigen, dass man ein gemeinsames Leben in Österreich gestalten will, für persönliche Sonderwünsche ist da kein Raum offen, das nur als guter Ratschlag.
Andererseits ist es auch ärgerlich, dass es Österreicherinnen gibt die das Scheinehe schließen zum Haupterwerbsberuf gemacht haben. Mit acht und mehr Ehen in Reihe.

shunaidaa
27.02.2007 12:25
man muß

von 10% ausgehen? warum? Die nächste seltsame schätzung?

maNishma
27.02.2007 11:49
und was sind so "Fallen der Behörden"?

blickzurückimZorn
27.02.2007 14:40
Die Fallen der Behörden sind...

Die Behörden

kakaniengeist
27.02.2007 10:18
glaskäfig ehe


die einen wollen raus.

die anderen wollen rein.

tiefewasser
 
27.02.2007 10:07
"scheinehen"

sind ein scheinproblem.
kaum zu glauben das geld verschwendet wird um im privatleben der menschen zu schnüffeln.
und "hinweisen" aus der nachbarschaft nachgegangen wird.
MIR GRAUT!
welcher seriöse beamte gibt sich dafür her. bemerkenswert ist das in einigen fällen von misshandlung, verwahrlosung, kindesmissbrauch weniger aktivitäten der behörden erkennbar sind.

Gusti Rentner
27.02.2007 13:22
In der Tat ! "Hinweise aus der Nachbarschaft" - MIR GRAUT EBENFALLS !

Wenn diese "hinweisende Nachbarschaft" sich zusammensetzt aus 1./ abgeblitzen "Möchtegern-EhekandidatInnen des/der Betroffenen, 2./ enttäuschten ErbschleicherInnen, die sich schon gefreut haben, der/die liebe Anverwandte würde gar nicht (oder nicht wieder) heiraten und kinderlos bleiben ...
Es wird behördlich zugestanden, dass diese sogenannten "Hinweise" mitunter ein böswilliger Schmäh waren. Wo Letzteres eindeutig ist, sollten die Behörden die zu Unrecht Beschuldigten unterstützen, damit diese gegebenenfalls Verleumdungsverfahren gegen ihre Vernaderer in die Wege leiten können.
Ein Denunziantentum wie "unterm Adolf", ist nämlich gegenüber einer sogenannten "Scheinehe" das der öffentlichen Moral bei weitem abträglichere Übel.

Gustav Kans
27.02.2007 10:06

Nette Bildidee!

saka jamahatsu
27.02.2007 11:04

ha, die sind schon überführt!
Weil die eine Zahnbürste ist schon abgenutzt, und die andere ist noch ganz neu!

bruce springsteen
27.02.2007 11:37
aber geh,

typisch österreichisch: nach der eheschließung schauen die mäner weiter auf ihren körper und ihre hygene, während die frauen sich gehen lassen und zähneputzen einstellen.

Fredi1
27.02.2007 17:20

Was sagt die Österreicherin nach der Hochzeitsnacht zu ihrem frischgebackenen Gemahl?

"Endlich, endlich brauche ich nie wieder auf mein Gewicht achten!"

marcella m
27.02.2007 12:08

ah ja. so war das.
bierbauch ist ein schönheitsideal. :)
....

bruce springsteen
27.02.2007 12:19
gutes werkzeug gehört...

unter ein dach.

Susi Stattnam
05.03.2007 16:25
*ggg* ist aber lieb. :p))

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